Selle hält an Bundestagskandidatur fest - Kampfabstimmung gegen Mohring

Sömmerda.  Die CDU im Kreis Sömmerda hat ihre Bundestagswahl-Vorbereitung in einer fast reinen Abfolge von Abstimmungen und Auszählungen getroffen. Sie unterstützt wie auch der Kreisverband Weimarer Land Selle

Johannes Selle – auf Abstand und mit Maske – im Sitzungspräsidium der CDU-Kreismitgliederversammlung am Donnerstagabend im Sömmerdaer Volkshaus.

Johannes Selle – auf Abstand und mit Maske – im Sitzungspräsidium der CDU-Kreismitgliederversammlung am Donnerstagabend im Sömmerdaer Volkshaus.

Foto: Jens König

Johannes Selle macht keinen Rückzieher. „Ich erhalte meine Kandidatur aufrecht“, sagte er am Donnerstagabend im Sömmerdaer Volkshaus zur CDU-Kreismitgliederversammlung. Diese bestimmte die 9 Vertreter der Kreis-CDU, die am 5. November bei der Aufstellung des Wahlkreisbewerbers im Bundestagswahlkreis 191 (Jena, Sömmerda, Weimarer Land I) stimmberechtigt sein werden.

Es sind dies neben dem Kreisvorsitzenden und Landrat Harald Henning auch Bastian Wulf, Jürgen Fiebig, Henning Schwittay, Hendrik Blose, Katja Preuss, Wolfgang Obermann, Alexander Schmidtke und Rita Schmidtke. Der Sömmerdaer CDU-Kreisvorstand hatte sich im Vorfeld bereits für Selle ausgesprochen – anders als die Kreisverbände Jena und Weimarer Land, die eine Kandidatur des ehemaligen CDU-Landesvorsitzenden Mike Mohring unterstützen. Es wird also einen Wettbewerb, eine Kampfabstimmung geben.

Selle deutete an, dass ihm das nicht gerade behagt. Er sieht sich noch nicht am Ende dessen, was er bewegen möchte – und sich nun „relativ abrupt darin infrage gestellt“. Mohring erwähnte er namentlich nicht, sagte nur, dass er bedauere, dass nun Menschen, die mit beiden Kandidaten befreundet seien, sich entscheiden müssten. So, wie das gelaufen sei, habe er „zu diesem Prozess nichts beitragen“ können.

Selle sieht seine Arbeit vor allem in seinem Bundestagsausschuss (Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit), der in seiner Wichtigkeit erst in letzter Zeit nach vorn gerückt sei, als unbedingt fortsetzenswert an. Er benannte die Fluchtursachenbekämpfung, die Schaffung von Lebensperspektiven in der jeweiligen Heimat, das Anregen von Investitionen mittelständischer deutscher Unternehmen u.a zur Produktion von Wasserstoff als wichtige Felder seiner Tätigkeit und warb um Vertrauen sowie darum, „mit Herz und Verstand um diesen Wahlkreis kämpfen“ zu dürfen.

Ein Rededuell mit Mohring gab es am Donnerstag nicht. Dessen Büro hatte zwar in der CDU-Kreisgeschäftsstelle vorab angefragt, ob eine Anwesenheit erwünscht sei, war aber auf das eingeschränkte Corona-Prozedere der Veranstaltung hingewiesen worden. Redebeiträge waren tatsächlich eigentlich nicht vorgesehen. Selle, der Landtagsabgeordnete Jörg Kellner und die neue Landesmitgliederbeauftragte Claudia Heber gaben kurze Statements in den Zählpausen nach den Abstimmungen ab.

Ohnehin war der Kreis relativ klein. Anfangs 34 und später 37 stimmberechtigte Mitglieder der Kreis-CDU hatten sich eingefunden. 260 waren eingeladen. Harald Henning berichtete, dass er über den Tag und in Folge der gerade erlassenen neuen Corona-Allgemeinverfügung Anfragen erhalten habe, ob die Versammlung denn stattfinde. Das tat sie – und das durfte sie. „Wir haben ein bestätigtes Hygienekonzept“, betonte Henning.

Letzte Absprachen mit Amtsärztin Dagmar Dammers resultierten in dem Hinweis, dass der Mund-Nase-Schutz besser während der gesamten Beratung, auch am Platz, getragen werden sollte. Die Bestuhlung im Volkshaus erfolgte auf Lücke – mit 1,50 Meter Luft ringsum. Auf einen Imbiss wurde verzichtet. Zudem herrschte im Saal Einbahnstraßenverkehr. Kreisgeschäftsführer Lars Pekarek gab den Einweiser: „Rechts raus, links rein!“

Angesichts des anstehenden Kandidaten-Duells – mit in Anbetracht der Kräfteverhältnisse nicht allzu ungewissem Ausgang – dachte Harald Henning schon einen Schritt weiter: „Den Wahlkreis zu behalten ist wichtig für uns“, betonte er und forderte dazu auf, den dann gemeinsamen Kandidaten auch gemeinschaftlich zu unterstützen. Auch den an die AfD verlorenen direkten Sitz im Landtag wollen die Christdemokraten zurückgewinnen – wann auch immer diese Wahl stattfinden werde.

In die Landesvertreterversammlung zur Aufstellung der Bewerber für die Landesliste zur Wahl des 20. Bundestags entsendet die Kreis-CDU Harald Henning, Lars Pekarek und Alexander Schmidtke.