Sprachkurs für Frauen in der Ludothek – und die Kinder dürfen mit

Sömmerda. Während des Deutsch-Unterrichts ihrer Mütter werden die Mädchen und Jungen in der Einrichtung betreut.

Kevin Köllner gibt Sprachunterricht für weibliche Flüchtlinge in der Ludothek. Die Frauen sind wissbegierig und mit Spaß dabei. Foto: Ilona Stark

Kevin Köllner gibt Sprachunterricht für weibliche Flüchtlinge in der Ludothek. Die Frauen sind wissbegierig und mit Spaß dabei. Foto: Ilona Stark

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Wie kann ich im Geschäft fragen, wonach ich suche? Wie heißen die Speisen und was wird in Deutschland überhaupt so gegessen? Welche Bräuche gibt es hier?

Fragen wie diese stehen im Mittelpunkt eines Sprachkurses, der seit drei Wochen in der Sömmerdaer Ludothek angeboten wird. Die Teilnehmer sind ausschließlich Frauen, fast alle junge Mütter, deren Kinder parrallel zum Unterricht in der vom Arbeiter-Samariter-Bund betriebenen Einrichtung betreut werden. Sie kommen aus Syrien, dem Irak, Albanien und Afghanistan und leben jetzt in Sömmerda, Kölleda oder Weißensee.

Jeden Vormittag kommen sie in die Ludothek, um zu lernen. Und sie nehmen das sehr ernst, wollen jede Minute nutzen, schätzt Kevin Köllner ein. Der junge Mann aus Walschleben erfüllt den Lehrauftrag des Kursanbieters Nestor mit viel Kreativität. Richtige Lehrpläne gibt es nicht. Die Verständigung ist nicht einfach, auch die Frauen untereinander verstehen sich teilweise nicht. Am Anfang versuchte Kevin Köllner es mit Englisch, weit kam er damit nicht. Deshalb entschied er: Es wird nur noch Deutsch gesprochen.

Die Hauptkommunikation erfolgt dennoch vorwiegend mit Mimik und Gestik. Rollenspiele helfen und Situationen aus dem Alltag. Sie sehen sich gemeinsam Videos an und lachen zusammen über Episoden aus "Verstehen Sie Spaß?". Sie hören Musik von Bushido bis Helene Fischer und versuchen darüber zu reden. Das Blättern in Wörterbüchern gehört zum täglichen Standard.

Sie machen Fortschritte. Jene, die das deutsche Alphabet nicht kannten, können es langsam lesen. Andere sind schon etwas weiter, einige einfache Sätze gelingen bereits.

Den Unterricht gestaltet Kevin Köllner sehr offen. Manchmal kommen Kinder herein und setzen sich eine Weile dazu. Ein Baby muss zwischendurch gestillt werden. Er hat auch schon mal mit einem kleinen Kind auf dem Arm unterrichtet, damit die Mutter schreiben konnte.

Es ist der erste Frauenkurs, den der junge Mann, der Germanistik studiert hat, für Flüchtlinge gibt. Mit Männern hat er im Unterricht viel über Fußball geredet, Witze gerissen. Auch wenn das mit den Frauen etwas anders ist, eine lustige Truppe seien sie auch, sagt der Lehrer.

Es gab auch Missverständnisse aufzuklären. Er wunderte sich, dass einige Mütter Tüten voll Chips mitbrachten und sie ihren Kindern zum Frühstück gaben. Er erfuhr, dass man im Irak morgens gern Kartoffeln ist. Die Frauen hatten das Wort Kartoffel auf den Tüten entziffert und sich dann schon etwas über den Inhalt gewundert.

Einmal hatte Kevin Köllner selbst sein Frühstück vergessen. Die Frauen bemerkten dies und holten ihm Kuchen. Sie wissen zu schätzen, was ihnen hier gegeben wird, sagt Kevin Köllner. Er erlebt herzliche Freundlichkeit. Portmonee und Handy lässt der junge Mann immer auf dem Tisch liegen, wenn er den Raum verlässt. Er weiß um allerhand Vorurteile, bestätigt sah er sie nie.

Das Ziel für die Frauen im Alter von 17 bis 45 Jahren besteht darin, bis zum Januar Zertifikate für Deutsch abzulegen. Dass sie dies können, ist auch der Betreuung ihrer Kinder in der Ludothek zu verdanken. Während die Mütter lernen, übernimmt das Team um Petra Helbing die Mädchen und Jungen. Sie spielen oder basteln. Wegen der Sprachbarrieren ist das nicht immer ganz einfach, doch die Kinder fühlen sich wohl. Und wenn sie doch mal traurig sind, ist die Mama ja gleich nebenan.

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