Steuerberater in Sömmerda kümmern sich immer öfter um Rentner

Sömmerda  Die fehlenden Belege und Unwissenheiten führen zu häufigen Problemen bei Steuererklärungen in Sömmerda.

Immer öfter müssen auch Rentnerinnen und Rentner eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen. (Symbolbild)

Immer öfter müssen auch Rentnerinnen und Rentner eine Steuererklärung beim Finanzamt einreichen. (Symbolbild)

Foto: Oliver Berg / dpa

Immer mehr Rentnerinnen und Rentner müssen Steuererklärungen abgeben. Das beobachtet Yvonne Degel, Beratungsstellenleiterin der Vereinigten Lohnsteuerhilfe in Sömmerda. Wie viele Rentnerinnen und Rentner Mitglied in ihrem Lohnsteuerverein sind, kann sie aus Datenschutzgründen nicht sagen. Aber sie beobachtet, dass die Zahl der Mitglieder im Ruhestand und die Anzahl von Rentnerinnen und Rentnern seit Jahren steigen.

Viele Rentnerinnen und Rentner, berichtet Yvonne Degel, kämen, weil sie Sicherheit haben wollten, dass sie keine Steuererklärung abgeben müssen. Diese seien dann überrascht wenn die Prüfung ergebe, dass sie doch etwas nachzahlen müssten. Diese Entwicklung bestätigt Elvira Schäffner von der Deutschen Lohnsteuerhilfe.

Steuererklärung wird oft ignoriert bis das Finanzamt eingreift

Eine Neuregelung zur Besteuerung von Renten gilt seit 2005, sie ist also nicht neu. Trotzdem sind viele Menschen überrascht, dass sie verpflichtet sind, eine Steuererklärung zu machen. Yvonne Degel vermutet, dass viele sich nicht genug damit beschäftigen. „Viele ignorieren das und warten, bis das Finanzamt einen Brief schreibt“, schildert Yvonne Degel ihre Erfahrungen.

Ähnliches glaubt auch Elvira Schäffner. „Die Leute denken, das Finanzamt wird mich schon auffordern. Aber wenn es das tut, ist es meistens schon zu spät“, sagt sie. Dabei stehe es sogar im Rentenbescheid, dass eine Steuerpflicht anfallen könne. „Jeder könnte es also wissen“, so Elvira Schäffner.

Ein Teil der Rente unterliegt einem Steuerfreibetrag und muss nicht versteuert werden. Der Anteil der Rente, auf den Steuern anfallen, variiert je nach Renteneintrittsjahr. Ob Steuern auf die Rente zu zahlen sind, richtet sich auch nach der Höhe der Einkünfte. Vor allem, wenn zu der Altersrente eine Witwenrente komme, sei es häufig der Fall, dass eine Steuererklärung gemacht werden müsse, erklärt Elvira Schäffner.

Steuerschulden führen nicht direkt ins Gefängnis

In extremen Fällen kämen Rentnerinnen und Rentner in ihre Kanzlei und hätten Angst, dass sie wegen Steuerschulden ins Gefängnis müssten, berichtet Steuerberaterin Marina Michel von der Steuerberatung Michel und Klehm in Sömmerda. Diese könne sie beruhigen, dass sei noch nie passiert. Auch unter ihren Klientinnen und Klienten wachse der Anteil der Rentner.

Rentnerinnen und Rentner sind selbst dafür verantwortlich zu prüfen, ob sie eine Steuererklärung abgeben müssen. Sieben Jahre könne das Finanzamt die Steuererklärung rückwirkend nachfordern, erklärt Yvonne Degel. Besonders schwierig seien Fälle, in denen hochbetagte Menschen, die in Pflegeheimen wohnten und zu einer Steuererklärung aufgefordert würden. „Viele begreifen dann gar nicht, was da von ihnen verlangt wird“, berichtet Yvonne Degel.

Angehörige sollten einen Blick auf die Unterlagen haben

Wenn Angehörige die Post vom Finanzamt fänden, sei es oft schon zu spät um die Fristen einzuhalten, zu eventuellen Forderungen kämen dann noch Strafzahlungen. Manche Rentnerinnen und Rentner, die bei ihr Beratung suchten, seien regelrecht verzweifelt und wüssten nicht, wie sie Steuernachzahlungen in Höhe von manchmal hunderten oder tausenden Euro bezahlen sollten.

Elvira Schäffner rät, dass auch Angehörige einen Blick auf die Unterlagen haben und sich frühzeitig mit einer eventuellen Steuerpflicht beschäftigen. Auch das zuständige Finanzamt gebe dazu Auskunft. „Wichtig ist es auch, alle Belege aufzuheben, die Rentenbescheide, Aufwendungen für Krankheitskosten, Handwerkerrechnungen“, sagt Elvira Schäffner. Denn nicht jeder, der eine Steuererklärung abgeben müsse, müsse am Ende auch Steuern zahlen.