Tanzen gegen Gewalt an Frauen in Sömmerda

Sömmerda/Beichlingen.  Die weltweite Aktion „One Billion Rising“ kommt am 14. Februar auch nach Sömmerda. Beichlinger Frauengruppe sucht noch Mittänzerinnen und Mittänzer.

In der Turnhalle Beichlingen wird jeden Dienstag ein Tanz geprobt, mit dem auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht werden soll.

In der Turnhalle Beichlingen wird jeden Dienstag ein Tanz geprobt, mit dem auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam gemacht werden soll.

Foto: Jens König

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Mit einem Tanz auf Gewalt an Frauen und Mädchen aufmerksam machen – dieser Gedanke steht hinter der Kampagne „One Billion Rising“, die am 14. Februar um 17 Uhr erstmals auch in Sömmerda auf die Straße gebracht werden soll. Die Bewegung wurde vor etwa acht Jahren von der Amerikanerin Eve Ensler ins Leben gerufen, sorgte in den vergangenen Jahren bereits weltweit für Aufsehen und findet immer mehr Anhänger.

So auch im Landkreis Sömmerda: Die Frauengruppe in Beichlingen hat vergangene Wochen mit den Proben für den großen Auftritt auf dem Sömmerdaer Marktplatz begonnen. Die Frauengruppe beschäftigte sich bei ihren Treffen auch mit politischen Themen, bei denen vor allem Frauenrechte im Vordergrund stehen. Deshalb sei sie gerade zu prädestiniert, um an der Protestaktion teilzunehmen, sagt Luna Anett Polzin aus Beichlingen.

Der 14. Februar, Valentinstag, sei ganz bewusst von den Initiatorinnen ausgewählt worden, so Polzin. An diesem Tag werden Frauen weltweit aufgerufen, ihrem Protest im Tanz Ausdruck zu verleihen. „Es ist der Tag der Liebe. An keinem anderen Tag könnte man besser gegen Gewalt demonstrieren.“

Choreographie nach dem amerikanischen Original

Und obwohl „One Billion Rising“ (Eine Milliarde erhebt sich) eine Frauenbewegung ist, tanzen in Beichlingen auch Männer und Kinder mit. „Hier wird niemand ausgeschlossen, der unsere Sache unterstützt und Spaß daran hat“, so Polzin.

Gewalt an Frauen und auch Frauenfeindlichkeit sei ein großes gesellschaftliches Thema, über das oft einfach geschwiegen werde. „Gewalt passiert meistens im Privaten, ohne dass es jemand mitbekommt. Deshalb gehen wir auf die Straße“, sagt Polzin.

Weil eine Demonstration nur mit Plakaten und einer Kundgebung nicht dem fraulichen Naturell entspreche und „weil das einfach zu wenig wäre“, mache die Bewegung mit Musik auf ihre Sache aufmerksam.

Getanzt wird zu dem Lied „Break the chain“ (Die Ketten brechen), das eigens für die Aktion komponiert wurde – die Choreographie gehört ebenfalls dazu. „Es gibt an unterschiedlichen Orten natürlich auch unterschiedliche Versionen“, sagt Maria Andersen. Sie ist ebenfalls Teil der Frauengruppe und leitet das Tanztraining in der Beichlinger Turnhalle.

Manche Gruppen in anderen Ländern übersetzten den Liedtext in ihre Muttersprache, andere ersetzten gleich den ganzen Text oder wandelten die Choreographie ab. „Wir haben uns dafür entschieden, nach dem Original zu tanzen, weil das weltweit am häufigsten verwendet wird“, sagt Andersen.

Die Choreographie sei eingängig. Während Maria Andersen selbst etwa drei Tage brauchte, hatte ihre Tochter Charline den kompletten Tanz bereits nach wenigen Stunden abgespeichert. Deshalb bringen Mutter und Tochter der Gruppe die Choreographie gemeinsam bei.

Waren es in der ersten Trainingsstunde noch um die zehn Tänzer, so ist die Gruppe bereits beim zweiten Treffen auf etwa 20 Leute gewachsen. „Und wir hoffen, dass es noch viele mehr werden“, sagt Luna Anett Polzin, die selbst schon bei einer solchen Tanzaktion in Berlin teilgenommen hat.

Idee kam aus Portugal nach Beichlingen

Nach Beichlingen kam die Idee allerdings mit Anna Fünfstück. Bevor sie in den Landkreis Sömmerda zog, lebte sie unter anderem in Portugal. Dort hörte sie zum ersten Mal von „One Billion Rising“.

„Bei einer solchen Aktion kommen viele Persönlichkeiten zusammen. Und ich hatte das Gefühl, dass es alle Menschen berührt“, so Fünfstück. Dass sie schon einmal mitgetanzt hat, hilft ihr allerdings bei den jetzigen Proben wenig, wie sie selbst sagt. „Ich hab alle Schritte wieder vergessen.“

Es gehe bei dem Tanz nicht um Perfektion, merkt Maria Andersen noch an. Am wichtigsten sei es, Spaß zu haben und mit Überzeugung an die Sache heran zu gehen.

In den vergangenen Jahren fand die Aktion in Thüringen auf dem Erfurter Anger statt. Wäre das auch dieses Jahr der Fall gewesen, hätten sich die Beichlinger den Erfurtern angeschlossen. Allerdings findet die Thüringer Demonstration dieses Mal in Gera statt. „Das ist uns zu weit. Deshalb holen wir die Aktion einfach nach Sömmerda“, sagt Polzin.

Noch fünf Proben liegen vor dem großen Auftritt auf dem Marktplatz in der Kreisstadt. Genug Zeit für Kurzentschlossene, sich noch an der Aktion zu beteiligen, sagt Maria Andersen. Sie hat noch einen kleinen Wunsch an ihre Tanzgruppe: „Ich fände es toll, wenn wir das Lied beim Tanzen alle mitsingen könnten. Das würde uns noch lauter machen.“ – Lauter für alle Frauen und gegen Gewalt.

Wer bei „One Billion Rising“ in Sömmerda mitmachen möchte, kann jeden Dienstag um 17 Uhr in die Sporthalle nach Beichlingen kommen, oder Luna Anett Polzin unter folgender Email-Adresse kontaktieren: sina-salome@web.de.

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