Tunzenhausen: Der Schatz aus der Hülse

Tunzenhausen.  In einem Gottesdienst wurde das Geheimnis gelüftet, was sich im Turmknopf der Kirche St. Peter und Paul in Tunzenhausen befand.

Pfarrerin Juliane Baumann und der Kirchenälteste Alfred Schmidt präsentierten Münzen und Dokumente aus der Hülse.

Pfarrerin Juliane Baumann und der Kirchenälteste Alfred Schmidt präsentierten Münzen und Dokumente aus der Hülse.

Foto: Jens König

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Was wird wohl drin sein in der Hülse, die Jahrzehnte lang unberührt im Turmknopf der Kirche St. Peter und Paul zu Tunzenhausen lag, bevor sie im November mit dem Knopf vom Dach geholt wurde? Antwort auf diese Frage erhielten gestern die Besucher des Gottesdienstes in dem Sömmerdaer Ortsteil.

Bevor das Geheimnis gelüftet wurde, unterstrich Pfarrerin Juliane Baumann, welch besonderer Tag dies für Tunzenhausen sei. Man schaue nach, was unsere Vorfahren uns in der Zeitkapsel mitgegeben haben und was ihnen wichtig war. „Das ist ein Fest, das feiern wir.“ Im Turmknopf, dem höchsten Punkt zwischen Himmel und Erde, werde das Gute und Kostbare wie ein Schatz bewahrt. Weil das einsturzgefährdete Kirchturmdach saniert werden muss, gibt es nun Einblick in die Geschichte.

Das Dach sei im Laufe der Jahre immer undichter geworden und zahlreiche Tauben hatten sich oben im Turm eingenistet, begründete der Kirchenälteste Alfred Schmidt noch einmal die Notwendigkeit der Sanierung. Seit 2017 sei in der Regionalgemeinde ein Sanierungskonzept erarbeitet worden. Weil aus mehreren Töpfen Geld fließt und auch dank vieler Spenden können die notwendigen 177.000 Euro aufgebracht werden.

Knopffest voraussichtlich noch in diesem Jahr

Nun werden in den kommenden Monaten die Mauerkronen instandgesetzt, die Dachkonstruktion ertüchtigt und das Dach neu mit Schiefer eingedeckt. Die Turmbekrönung wird in ihrer alten barocken Form restauriert. Derzeit werde gerade das Bauholz vorbereitet, so Schmidt. Noch in diesem Jahr soll das Knopffest gefeiert werden.

Nach der Eindeckung des Turmdaches mit Schiefer im Jahr 1956 war der Knopf zuletzt 2004 abgenommen worden, weil der Kaiserstiel der Wetterfahne erneuert werden musste. Den alten Stiel hatte Alfred Schmidt in der Kirche aufgestellt, außerdem die beiden Glocken aus dem Turm. Man habe ganz schön scheuern müssen, um sie vom Taubendreck zu befreien.

Münzen, Gemeindebrief und eine Postkarte

Dann war es so weit. Um die Hülse öffnen zu können, war der Deckel im Vorfeld schon aufgelötet worden. Allerdings habe man nicht hinein geschaut, versicherte Pfarrerin Julian Baumann. Zum Vorschein kamen als erstes zwei kleine Päckchen. Darin befanden sich Alu-Münzen aus dem Jahr 1956. Der Gemeindebrief vom Oktober 2004 sieht von der Gestaltung her fast genauso aus wie heute, eine Postkarte bietet einen Gruß aus Tunzenhausen und zeigt die Kirche, das Gutshaus, das Kriegerdenkmal und die ehemalige Schule.

Kopien von Artikeln aus der Thüringer Allgemeine, in denen 1993 über Tunzenhausen berichtetet wurde, kamen als nächstes zum Vorschein. Und auch eine komplette TA vom 22. Oktober 2004. Weitere Silber-, Kupfer- und Nickelmünzen aus verschiedenen Zeiträumen folgten – von 1760 über 1836 und die DDR- bis in die Euro-Zeit.

Ein Verzeichnis der Pfarrer der Kirche in Tunzenhausen von 1566 bis 1833, ein Bescheid über die Pflichtabgabe landwirtschaftlicher Erzeugnisse aus dem Jahr 1956 und viele weitere Dokumente holte die Pfarrerin aus der Hülse. Auch mehrere Verzeichnisse von Schülern aus Tunzenhausen.

Namensverzeichnisse von Schülern aus Tunzenhausen

Auf eine dieser Listen hatte auch Gerhard Grüsen seinen Namen geschrieben. Der heute 72-Jährige ging damals in die 2. oder 3. Klasse und erinnert sich, dass die Kinder in einer Pause gebeten wurden, sich einzutragen. Damals habe er die Bedeutung gar nicht so wahrgenommen, aber heute sei es schon schön, wenn man auf diese Weise etwas aus der Vergangenheit höre.

Die Gelegenheit, sich den Schatz aus der Hülse genauer anzusehen, nutzten fast alle Gottesdienst-Besucher. Pfarrerin Baumann kündigte an, dass die Dokumente in den nächsten Wochen aus digitalisiert werden und dann im Gemeindebüro zu erhalten sind.

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