Vom Dederon-Hemd bis zum Polyester-Kleid

Sömmerda  Mit einer Retromodenschau wird die Sonderausstellung im Historisch-Technischen Museum im Sömmerdaer Dreyse-Haus eröffnet

Bei der Modenschau zeigten Ramon Jäckel und andere Models Mode aus der DDR.

Bei der Modenschau zeigten Ramon Jäckel und andere Models Mode aus der DDR.

Foto: Jens König

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sommerkleider aus Präsent 20, ein Nadelcord-Anzug, ein Parka in Olivgrün, Dederon-Hemden – Mode aus der DDR wurde gestern im Hof des Dreyse-Hauses präsentiert. So viele wollten sehen, was der Leipziger Verein „Chic im Osten“ auf dem Laufsteg zeigte, dass zusätzliche Stühle aufgestellt werden mussten.

Museumsleiter Ulf Molzahn begrüßte die Gäste und bekannte, dass er am Morgen einigermaßen erschrocken gewesen sei, als er ins Museum kam. In Vitrinen, in denen sonst Waffen stehen, wird seit gestern Mode und Produktdesign präsentiert.

Die Idee zu der Sonderausstellung sei entstanden, als sich die Montagsrunde vom Schaudepot in Vorbereitung der Ausstellung 200 Jahre Industriegeschichte zahlreiche Produktfotos von Geräten ansah, die in Sömmerda hergestellt wurden. Dabei sei die Mode der Models aufgefallen. Für die Gestaltung der jetzigen Sonderschau habe sich das Museum dann Partner gesucht. So Wolfgang Schneider aus Sprötau, der für zahlreiche Sömmerdaer Designs steht. Und den Leipziger Verein „Chic im Osten“, der seit 2011 Mode aus der DDR sammelt.

Ute Scheffler vom Verein, die die Modenschau moderierte, habe es auch geschafft, ihn selbst in ein bügelfreies Hemd und ein Sakko aus DDR-Zeit zu stecken, sagte Molzahn. Der Mantel, den er trage, habe sein Vater gekauft, als er 1967 geboren wurde. Auch Museums-Mitarbeiterin Barbara Speiser war im 60er-Jahre-Outfit eingekleidet worden, trug Kasack und Rock aus jener Zeit.

Sichtlich vergnügt genoss das Publikum dann den Auftritt der Models. Es gab Gelächter, anerkennende Worte, spontanen Beifall und das eine oder andere Mal die Erinnerung: Das hatte ich auch. Gezeigt wurde Alltags- und Festmode aus den 60er- bis 80er-Jahren, vom Bananen-Rock über das Hawaii-Hemd und den Herrentrenchcoat bis zum Lurex-Pullover oder das Umschlagtuch aus dem Exquisit.

Eine der leitenden Designerinnen des Exquisit war auch zur Ausstellungseröffnung gekommen. Hannelore Gabriel wurde in Sömmerda geboren und verbrachte ihre Jugend hier, bevor sie 1963 nach Berlin ging, um an der Kunsthochschule zu studieren. Von 1968 bis 1980 war die heute 78-Jährige Chefdesignerin Strickwaren im Modeinstitut, danach leitende Designerin für Sport und Freizeit bei Exquisit.

In der Sonderschau im Dreyse-Haus sind einige ihrer Modellzeichnungen zu sehen. Außerdem Mode für Kinder, Damen und Herren, Nacht- und Unterwäsche, Modezeitschriften, Taschen, Handschuhe, Schmuck und andere Accesoires. Gezeigt wird die Sonderausstellung „Mode & Produkt-Design“ im Historisch-Technischen Museum bis zum 10. November.

Öffnungszeiten: Montag, Dienstag, Donnerstag 10-18 Uhr, Freitag 10-13 Uhr, Sonntag 14-17 Uhr, Mittwoch und Samstag geschlossen; Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren