Vor Abfallumladestation türmen sich Müllsäcke im Straßengraben

Sömmerda  Betriebsleiter Jan Daume will Umweltsündern das Handwerk legen. Für Hinweise ist er dankbar

Fast täglich aufs Neue packt Jan Daume (Foto) das kalte Entsetzen über das Ausmaß der illegalen Abfallentsorgung rund um das Gelände der Abfallumladestation des Abfallwirtschaftszentrums Michelshöhe. Hier am Lutherweg entledigte sich jemand dieses Toilettenbeckens.

Fast täglich aufs Neue packt Jan Daume (Foto) das kalte Entsetzen über das Ausmaß der illegalen Abfallentsorgung rund um das Gelände der Abfallumladestation des Abfallwirtschaftszentrums Michelshöhe. Hier am Lutherweg entledigte sich jemand dieses Toilettenbeckens.

Foto: Jens König

Für Jan Daume ist es kein Kavaliersdelikt. „Ermitteln wir einen Umweltsünder, der seinen Müll illegal in der Natur entsorgt, wird Anzeige erstattet. Über Hinweise bin ich dankbar“, erklärt der Betriebsleiter des Abfallwirtschaftlichen Zentrums des Landkreises Sömmerda auf der Michelshöhe.

Im gesamten Landkreis Sömmerda habe die illegale Müllentsorgung zugenommen. Kommunen und das Landratsamt könnten ein Lied davon singen, weiß er zu berichten. Jan Daume jedoch müsse gar nicht weit blicken, um Müllberge zu entdecken. Der Lutherweg, der von der Michelshöhe direkt nach Weißensee verläuft, haben Umweltfrevler als beliebten Ort ausgemacht, um ihre Abfälle zu entsorgen. Neben Laub und Grünschnitt, der sich am Straßenrand türmt, finden sich hier auch Plastesäcke mit gebrauchten Windeln. Gestern haben er und seine Mitarbeiter in einer Tüte ein Toilettenbecken entdeckt.

Wilder Müll wird zur Last für Mitarbeiter

„Ich bin bestürzt und verärgert über manche Menschen, die meinen, sie könnten sich ihrer Abfälle einfach am Straßenrand entledigen. So eine Unverfrorenheit habe ich schon lange nicht mehr erlebt“, sagt der Betriebsleiter, der von keinem Einzelfall spricht. So hätten bislang Unbekannte im Frühjahr ein komplettes Plastedach am Lutherweg entsorgt. Auf Asbestabfälle und jede Menge Bauschutt sind die Mitarbeiter des Zentrums auf der Straße in Richtung Tunzenhausen gestoßen. „Wir sammeln das regelmäßig ein. Doch der Müll nimmt immer mehr zu und wird zur Last für unsere Mitarbeiter. Die aber brauche ich hier im Abfallbetrieb,“ sagt Daume. Sechs Mitarbeiter sind auf der Deponie und drei Mitarbeiter als Fahrer beschäftigt.

Nicht verstehen kann er, warum die Frevler nicht die paar Meter weiter fahren und den Müll legal im Abfallwirtschaftlichen Zentrum entsorgen. „Unsere Preis sind doch moderat“, sagt er und gibt 50 Cent für einen Sack mit Laub und Grünschnitt an. Für einen vollen Kofferraum seien zwei Euro, für einen Pkw-Anhänger fünf Euro zu berappen. „Das ist ein Schnäppchen“, ist Daume überzeugt. Die Annahme von Baum- und Strauchschnitt ist ganzjährig komplett kostenfrei. Der Landkreis und der Umweltdienst Sömmerda hatten im Vorjahr die neue Vereinbarung getroffen. Für gemischten Siedlungsabfall, darunter zählen Farbreste, Bauschutt oder Gipskarton, werden für eine Kofferraumladung zehn Euro fällig. Auch das sei eine Regelung, die der Landkreis festgelegt habe. Sperrmüll und Schrott im Umfang von drei Kubikmetern könne zweimal im Jahr kostenlos entsorgt werden. „Die dafür notwendigen Karten liegen dem Abfallkalender bei“, erklärt der Betriebsleiter.

Plastetüten gehören nicht in die Biotonne

Während der gesamte Schrott zur thermischen Verwertung nach Leuna gebracht wird, gelangt der Sperrmüll nach Ilmenau und wird dort sortiert und geschreddert. Baum- und Strauchschnitt wird auf der Michelshöhe zu Kompost verarbeitet. Dafür müsse das Material, nach dem es geschreddert, gehäckselt und mehrfach umgesetzt wurde, ein halbes Jahr liegen. Den Kompost verkaufen die Mitarbeiter als Gütegemeinschaftskompost an Landwirte, aber auch an Kleinkunden wie Kleingärtner, erzählt Jan Daume. Hergestellt werden auf der Michelshöhe pro Jahr 5600 Tonnen Kompost. 2000 Tonnen davon stammen aus den Biotonnen aus dem gesamten Landkreis. Hier sieht er eine Möglichkeit, Umweltschutz zu betreiben. Wie er sagt, gibt es einfach noch zu viele Plastiktüten in der Biotonne. „Der Biomüll wird mitsamt den Fremdbestandteilen auf Mieten aufgeschichtet, mehrmals umgeschichtet und gesiebt. Bei jeder dieser Umschichtungen entstehen kleinere Plastikfetzen und -stückchen, die mit dem Müll verkleben. Was durchs Sieb fällt, bleibt im Kompost“, erklärt er das Problem. Er rät daher, den Müll in Papiertüten oder Zeitungspapier einzuwickeln.

Noch in den Knochen stecke Jan Daume und seinem Team das Feuer, dass Mitte Oktober auf der Michelshöhe gewütet hatte. Das auf Mieten geschichtete Biomaterial hatte sich durch den hohen Druck selbst entzündet und daraufhin 50 Feuerwehrleute mehrere Tage in Zaum gehalten. Wie Daume berichtet, ist die Gefahr gebannt, 400 Tonnen Material sind umgesetzt worden.

Die Abfallumladestation ist wochentags jeweils von 7 bis 16 Uhr geöffnet. Außerdem kann sie donnerstags bis 17.30 sowie samstags in der Zeit von 7.30 bis 12.30 angefahren werden.

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