Weitere Corona-Fälle: Sömmerda schließt das Rathaus

Landkreis.  Eine zweite infizierte Person ist gestorben. Landrat Harald Henning bittet eindringlich um die Einhaltung der Regeln und Beschränkungen.

Verzögerungseffekt: Was sind die besten Corona-Maßnahmen?

Die richtigen Corona-Maßnahmen brauchen Zeit, um ihre volle Wirkung zu entfalten. Was wirklich hilft, sieht man oft erst später. In der Wirtschaftspolitik heißt dieses Phänomen "Verzögerungseffekt" und er greift auch bei der Coronapandemie.

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Die Signale im Landkreis Sömmerda stehen kurz vor Rot. Fünf Corona-Neuinfektionen wurden dem Gesundheitsamt am 15. Oktober gemeldet, damit ist das Sars-CoV-2-Virus seit dem Ausbruch der Pandemie im Landkreis Sömmerda bei insgesamt 102 Personen nachgewiesen. Eine zweite an Covid-19 erkrankte Person ist gestorben, informierte das Landratsamt. Zwei Erkrankte werden stationär behandelt. Die anderen Infizierten befinden sich in häuslicher Isolation.

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Aktuell gibt es im Landkreis Sömmerda damit 38 aktive Covid-19-Fälle. Aufgrund der Dynamik des Infektionsgeschehens im Landkreis kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche in den nächsten Tagen erreicht wird, heißt es aus dem Landratsamt. Man befinde sich bereits kurz vor Rot, betonte Landrat Harald Henning (CDU). Sollte der 50er-Wert überschritten werden, würden die Regelungen der Allgemeinverfügung vom 15. Oktober zu coronabedingten Einschränkungen nochmals verschärft.

Henning bittet die Bevölkerung eindringlich darum, die in der aktuellen Verordnung festgelegten Maßnahmen und Beschränkungen unbedingt einzuhalten. Jeder sollte zudem streng auf die Einhaltung der AHA-Regeln (Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen) achten. Da nicht auszuschließen sei, dass der Landkreis die rote Phase bereits am Wochenende erreicht, bittet der Landrat auch darum, sich über die aktuelle Situation zu informieren. Auf der Website des Robert-Koch-Instituts (https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/nCoV.html) würden die Fallzahlen täglich aktualisiert.

Zusätzliche Mitarbeiter verstärken Gesundheitsamt

Unterdessen wurde das Gesundheitsamt des Landratsamts durch Personal aus anderen Bereichen weiter verstärkt. Sechs zusätzliche Mitarbeiter seien an der Hotline und bei der Nachverfolgung von Kontakten eingesetzt, so Henning. Zwei Kontrollteams wurden zudem gebildet, die auch am Wochenende im Einsatz seien. In den nächsten Tagen sollen noch mehr Kollegen einbezogen werden. Damit komme man zurzeit noch ohne Unterstützung etwa durch die Bundeswehr zurecht, schätzt der Landrat ein.

Am Montag trifft sich der sogenannte kleine Pandemie-Stab zur Beratung weiterer Schritte. Dabei soll auch die Einrichtung einer zentralen Abstrichstelle eine Rolle spielen. Bisher sei dies nach Einschätzung von Ärzten und der Amtsärztin zwar noch nicht notwendig, doch man wolle vorbereitet sein, sagte Harald Henning. Der Landkreis hat in der Leubinger Straße, wo einmal das Feuerwehrtechnische Zentrum entstehen soll, ein Gebäude angemietet. Dort sollen Räume hergerichtet und eine Überdachung angebaut werden, um Abstriche auch im Freien durchführen zu können.

Aufgrund neuer Corona-Fälle von Mitarbeitern in der Sömmerdaer Stadtverwaltung und der damit notwendigen Verhinderung von Infektionsketten bleibt das Rathaus bis einschließlich 29. Oktober für den Besucherverkehr geschlossen, teilte die Stadtverwaltung am Freitag mit. Bürgermeister Ralf Hauboldt (Linke) war am Freitag den ersten Tag aus dem Urlaub in Mecklenburg zurückgekehrt in den Dienst, als ihn der Anruf aus dem Gesundheitsamt überraschte mit der Nachricht, dass bis auf zwei alle im Rathaus arbeitenden Mitarbeiter in Quarantäne gehen müssen.

Standesamt bleibt weiterhin erreichbar

Zwei weitere Mitarbeiter und damit nun insgesamt sechs sind positiv auf Corona getestet. Alle anderen stehen wegen des Kontakts zu den Infizierten unter Quarantäne und werden am Montag getestet. Er hoffe, dass die Ergebnisse negativ seien und die Mitarbeiter Ende des Monats ihre Arbeit wieder aufnehmen können, so Hauboldt.

Vorerst aber ist das Rathaus dicht, alle bis 29. Oktober vereinbarten Termine im Rathaus entfallen. Das Standesamt sei davon ausgenommen, eine Terminvereinbarung dort sei weiterhin möglich. Das gesamte Hauptamt einschließlich Abteilung Personal, Pressestelle sowie Stadtratsbüro ist dagegen nicht zu erreichen, heißt es weiter. Das Bau- und Umweltamt bleibe ebenso weiterhin vorsorglich geschlossen. Generell könne es dort zu Verzögerungen bei der Bearbeitung aller Vorgänge kommen.

Die für den 21. Oktober geplante Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses wird nach Informationen aus dem Rathaus vorsorglich abgesagt. Der Werkausschuss und der Vergabeausschuss soll tagen, dort gehe es um wichtige Vergaben, so der Bürgermeister. Allerdings wurden die Sitzungen ins Volkshaus verlegt, wo es ausreichend Platz für die wenigen Ausschuss-Mitglieder gebe.

Die Stadt nehme generell Abstand von allen Veranstaltungen in ihren Gebäuden. Die Jugendweihen am heutigen Samstag bilden eine Ausnahme, allerdings hat Ralf Hauboldt seine geplante Jugendweihe-Rede abgesagt. Mit Blick auf das Infektionsgeschehen im Rathaus halte er dies für geboten. Ausfallen wird auch die für Samstag geplante Fahrradcodierung im Verkehrszentrum, wie Evelyn Dahlke von der Kreisverkehrswacht am Freitag informierte. Die Veranstaltung werde im kommenden Jahr nachgeholt.

Infotreffen zum Gartenberg ist abgesagt

Die vor dem Baubeginn zum Kanalneubau am Gartenberg für den 22. Oktober geplante Anliegerversammlung hat die Stadtverwaltung ebenfalls abgesagt. Sie reagiert damit auf die Allgemeinverfügung des Landkreises vom 15. Oktober und deren verschärfte Schutzmaßnahmen. Angesichts einer geplanten Teilnehmerzahl von etwa 120 Personen habe die Werkleitung nach Abstimmung mit dem Gesundheitsamt entschieden, die Informationsveranstaltung, die im Volkshaus hatte stattfinden sollen, aus Sicherheitsgründen abzusagen. Die in der Vorwoche schriftlich eingeladenen Anlieger erhalten über die Absage ebenfalls schriftlich Kenntnis.