Rot-Weiß Erfurt und das Glück des Tüchtigen

Erfurt.  Fußball-Oberligist FC Rot-Weiß Erfurt ist seit sieben Spielen unbesiegt. Gegen den VfL Halle gelang im letzten Spiel vor der Corona-Pause ein 2:1.

Artur Mergel segelt durch den Strafraum und erzielt in der 72. Minute den 2:1-Siegtreffer.

Artur Mergel segelt durch den Strafraum und erzielt in der 72. Minute den 2:1-Siegtreffer.

Foto: Sascha Fromm

Vom Rasen drangen die Anweisungen der Trainer bis unters Arenadach, die Präsentation der Tore durch Stadionsprecher Tom Bertram fanden auf den Rängen keinen Widerhall, die sonst stimmgewaltige Südkurve blieb stumm. Aber umso mehr hallte der Jubel der Erfurter Spieler nach dem glücklichen 2:1 (1:1) gegen den VfL Halle durch das weite Rund des leeren Steigerwaldstadions.

„Wir wollten diesen Sieg unbedingt. Jetzt hoffe ich mal, dass die Saison wie geplant zu Ende gespielt werden kann“, sagte Erfurts Kapitän Andrej Startsev nach dem Oberliga-Geisterspiel als letztem Auftritt vor der Corona-Zwangspause.

Bei weiteren Siegen winkt RWE sogar Tabellenführung

Bei Fortsetzung der Serie winkt Erfurt sogar die Tabellenführung. Mit dem siebten Spiel ohne Niederlage pirschte sich der RWE immerhin als Dritter an den punktgleichen Spitzenreiter aus Eilenburg sowie die erstmals in dieser Serie geschlagenen Hallenser heran.

Es war derweil nicht das erste Geisterspiel im Steigerwaldstadion. Im August 2008 musste Rot-Weiß den Drittligakick gegen Werder Bremen II (3:1) ohne Fanunterstützung bestreiten, nachdem der Verband wegen rassistischer Rufe jene Strafe neben einer Geldbuße von 10.000 Euro verhängte. Damals verfolgten 1500 Anhänger vor den Toren der Arena das Spiel. Diesmal versammelten sich nur ganz wenige Fans am Stadion, an dessen Zufahrten einige Einsatzfahrzeuge der Polizei postiert waren, um Menschenansammlungen zu verhindern.

Ruhig auf den Rängen, turbulent auf dem Rasen

So ruhig es nun auf den Rängen blieb, so turbulent ging es auf dem Rasen zu. Nils Morten Bolz zog aus 16 Metern und halbrechter Position einfach mal ab und traf mit seinem Sonntagsschuss zum 1:0 (17.) für die Gäste. Auf Erfurter Seite belohnte sich der erstmals von Beginn an spielende Kevin Nsimba als Wegbereiter zum Ausgleich. „Da hat er Verantwortung übernommen. Seinen Einsatz hat sich Kevin in den vergangenen Wochen verdient“, sagte Trainer Manuel Rost.

Der 23-Jährige behauptete sich sehenswert auf der linken Seite, flankte die Kugel vors Tor, wo Hedy Chaabi den Ausgleich erzielte (37.). Zwar kratzte Halles Torhüter Nick Waite den Ball scheinbar von der Linie, das Schiedsrichtergespann entschied jedoch auf Tor für Erfurt. Um ein Haar hätte der Gast postwendend zurückgeschlagen. Rot-Weiß hatte nämlich Glück, als der Kopfball von Tommy Kind nur an den linken Pfosten knallte (41.). Halle strahlte auch in Halbzeit zwei stets Gefahr aus. Erfurt hielt indes mit hoher Einsatzbereitschaft und dem Glück des Tüchtigen dagegen.

RWE eiskalt

Ausgerechnet als der Gegner den Druck deutlich erhöhte, schlug Erfurt eiskalt zu. Marcel Bär suchte auf der rechten Seite die Grundlinie, katapultierte den Ball in den Strafraum, wo Artur Mergel mit einem wuchtigen Kopfball unhaltbar zum 2:1 traf (72.) und sein siebentes Saisontor erzielte. „Das hat Marcel auch im Training schon öfter erfolgreich probiert. Ich wusste, dass wir den Rückstand zu unseren Gunsten noch drehen können“, sagte der glückliche Torschütze.

Bis zum Schluss aber versuchte Halle mit langen Bällen das Glück – vergeblich. „Am Ende ist es egal, wie wir die Punkte geholt haben“, sagte Mergel erleichtert.

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