3:2 nach 0:2: Mühlhausen knackt Bergneustadt und verabschiedet Lubomir Jancarik

Thomas Rudolph
| Lesedauer: 5 Minuten
Pure Freude: Lubomir Jancarik (gelbes Trikot) und Daniel Habesohn gewannen das Abschlussdoppel nervenstark mit 3:0.

Pure Freude: Lubomir Jancarik (gelbes Trikot) und Daniel Habesohn gewannen das Abschlussdoppel nervenstark mit 3:0.

Foto: Sascha Fromm

Mühlhausen  Nach über dreieinhalb Stunden Spielzeit ringt Post den unmittelbaren Konkurrenten nieder. Sonntag sind die Thüringer in Düsseldorf klarer Außenseiter.

Kurz nach 22.30 Uhr schlug Lubomir Jancarik seinen vorerst letzten Bundesliga-Ball an der heimischen Halle am Kristanplatz. Es war der wichtigste des Abends, denn seinen langen Aufschlag returnierte Alvaro Robles über den Tisch, und der 3:0-Sieg des Mühlhäuser Doppels flimmerte auf der Anzeigetafel.

12:10, 11:8 und 13:11 siegte Jancarik mit seinem "Neudoppelpartner" Daniel Habesohn und feierte so seinen perfekten Heimabschied vom Post SV. Vier Jahre trug der Tscheche, der 2017 vom französischen Club Saint Denis kam und vor dem Spiel feierlich mit einem Geschenkkorb verabschiedet wurde, das Trikot der Thüringer, erarbeitete sich mitunter den Status eines "Einser-Knackers".

In der diesjährigen Saison wurden seine Einsätze übersichtlicher. In acht Partien kam der 33-Jährige zum Einsatz, erspielte sich eine 3:5-Bilanz. Doch auch wenn Jancarik im Einzel nicht mehr die allererste Geige spielte, waren seine Doppelbegegnungen mit Ovidiu Ionescu zumeist ein Garant für Erfolg. Vier Siegen stand nur eine Niederlage gegenüber - kurioserweise bei der 2:3-Niederlage in Bergneustadt in der Hinserie.

Nachdem sich alle in den Armen gelegen hatten und der gemütliche Teil begann, wurde Trainer Erik Schreyer noch einmal kurz wehmütig, als das Gespräch auf Jancarik schwang. "Er ist abseits des Tisches ein sehr ruhiger Typ, am Tisch aber ein Heißläufer. Er würde für das Team das letzte Hemd geben und hat in den Jahren bei uns nicht nur alle Entscheidungen sehr mannschaftsdienlich akzeptiert, sondern sich den Platz im Doppel auch verdient, weil er mit seinem positiven Charakter den Mitspieler mitbeflügelt", sagte Schreyer.

Dass die Bundesligabegegnung diesmal anders als im Hinspiel und vor allem positiv für die Thüringer ausging, lag an einer unglaublichen Aufholjagd. 0:2 lagen die Postler zurück, standen mit dem Rücken zur Wand, ehe nach über dreieinhalb Stunden Kampf (und mitunter auch Krampf) doch noch der elfte Saisonsieg zu Buche stand, der Mühlhausen vorübergehend auf den sechsten Platz springen lässt.

Dabei galt es für die Einheimischen zunächst, zwei Nackenschläge zu verkraften. Ovidiu Ionescu war als Favorit ins Duell der Freunde mit Robles gegangen, konnte diese Rolle diesmal aber nicht bestätigen. Beide kennen sich gut, wurden 2019 gemeinsam Vize-Doppelweltmeister. Doch im Gegensatz zur Partie in Bergneustadt, als Ionescu seinen Kontrahenten beim 3:0 beherrschte, spielte der Spanier diesmal sehr clever auf. Immer wieder brachte er den Mühlhäuser mit seiner Rückhand in Bedrängnis, las zudem die Aufschläge gut und gewann so verdient mit 3:1, wobei Ionescu nur im dritten Satz halbwegs zu seiner Form fand (8:11, 5:11, 11:6, 10:12).

Durch die Niederlage stand Kapitän Daniel Habesohn gegen den deutschen Nationalspieler Benedikt Duda schon unter Druck. In der Hinserie war der Österreicher ohne Chance gewesen. Diesmal entwickelte sich eine deutlich engere Begegnung, in der Habesohn mit etwas Glück auch 2:0 in den Sätzen hätte führen können. Auch im fünften Durchgang war zunächst alles offen. Doch Duda, bis dahin mit Aufs und Abs, legte ein 7:1 hin und sicherte sich den 3:2-Erfolg (14:12, 13:15, 8:11, 11:8, 6:11).

Etwas Hoffnung keimte, als Steffen Mengel auf Position drei seiner Favoritenrolle gegen Alberto Mino gerecht wurde und diesen mit 3:1 in Schach hielt (12:14, 11:7, 11:8, 12:10). Das Duell begeisterte nicht unbedingt mit Paradebällen, hielt Mühlhausen aber im Spiel, weil Mengel nach einem geklauten Satz in den engen Situationen präsenter wirkte.

So kam es zum Spiel der beiden Einser, in dem sich Ionescu gegen Duda wie ausgewechselt präsentierte. Der Rumäne wirkte im positiven Sinn gallig und ließ sich nicht abschütteln. Nach 6:10 fing er Duda im ersten Satz noch mit 12:10 ab und legte sogleich mit 11:8 nach. Auf einmal war der Ausgleich greifbar, doch gab sich der Bergneustädter nicht kampflos geschlagen. Zunächst wehrte er Matchball ab und gewann Satz drei, ehe er danach wieder in der engen Situation abgeklärter agierte und so egalisierte. Im finalen Durchgang konnte sich kein Akteur entscheidend absetzen. Allerdings lag Ionescu immer leicht in Front und nutzte letztlich seinen fünften Matchball zum 3:2-Sieg (12:10, 11:8, 10:12, 9:11, 13:11).

Das 2:2 war geschafft und auf einmal sah sich Mühlhausen sogar in der Favoritenrolle. Diesen Eindruck bestätigten Habesohn/Jancarik gegen Robles/Mino, auch wenn sie im ersten Satz zwei Satzbälle abwehren mussten, ehe das Paar auf Kurs kam.

"Das Spiel hätte ein ausverkauftes Haus verdient gehabt. Genauso haben wir uns den Abschluss vorgestellt", sagte Schreyer gelöst. Zwei Auswärtsspiele runden die Bundesligasaison ab. Zunächst sind die Postler am Sonntag beim Rekordsieger Borussia Düsseldorf gefordert (15 Uhr). Ende März steht zudem die Begegnung in Grünwettersbach an.