Alexander Schieke feiert mit Freunden in der alten Heimat

Bleicherode.  Tischtennis-Rekordlandesmeister Alexander Schieke gastierte mit einer Allstars-Auflage in Bleicherode und gewann das Freundschaftsspiel mit 11:4.

Alexander Schieke (beim Aufschlag), hier mit Andreas Wenzel beim Doppel, zeigte den Zuschauern, dass er nichts von seinem Können verloren hat.

Alexander Schieke (beim Aufschlag), hier mit Andreas Wenzel beim Doppel, zeigte den Zuschauern, dass er nichts von seinem Können verloren hat.

Foto: Christoph Keil

Weit nach Mitternacht trennten sich die Wege der übrig gebliebenen Truppe, die sich zuvor in gemütlicher Runde in einem Restaurant zusammengefunden hatte. Es war der perfekte Abschluss eines 3. Oktobers, der in jeder Hinsicht einem Feiertag gleichkam. „Von mir aus kann das gerne eine schöne Tradition werden. Ich finde die Idee nicht abwegig, dass wir wieder zusammenkommen und der Kern der Leute dabei ist. Vielleicht ist dann auch das eine oder andere neue Gesicht am Start“, so Alexander Schieke.

An eben jenem Samstag hatte der aus Bleicherode stammende Thüringer Rekord-Landesmeister im Tischtennis (insgesamt 17 Titel) Freunde und ehemalige Mitspieler in seine Heimatstadt zu einem Benefizspiel gegen den Thüringenligisten TTV Bleicherode eingeladen. „Die Idee ist mir gekommen, weil ich meinen Vater eigentlich gerne mal nach Töttelstädt zu einem Punktspiel von uns einladen wollte. Leider schreitet seine Krankheit schnell voran, und es war ihm unwohl, die weite Strecke zurückzulegen. Deshalb habe ich ihn gefragt, ob er in die Bleicheröder Halle kommen würde, denn die ist nur zwei Kilometer vom Haus entfernt. Als er dies bejahte, ging die Planung los“, sagt der 42-jährige Lehrer.

Schieke griff zum Telefon, sofort trafen die ersten Zusagen ein – nicht nur von den ehemaligen Mitspielern, sondern auch vom Vereinsvorsitzenden des TTV, Steffen Weber. Dieser war vom Plan, ein Benefizspiel auszutragen, begeistert und leitete alle notwendigen Schritte in die Wege. „Es ist eine wahnsinnig schöne Geschichte und toll, was Bleicherode auf die Beine gestellt hat“, sagt Schieke über die liebevolle Planung und Ausrichtung der Veranstaltung in der Löwentorhalle.

Diese hatte sich auch im Städtchen sowie darüber hinaus herumgesprochen. Rund 50 Leute waren gekommen, um guten Sport und ihren verlorenen Sohn wieder zu sehen. „Ich habe leider nicht mehr so viele Kontakte. Aber wenn ich hier her fahre, schaue ich immer bei den Eltern vorbei“, sagt der ehemalige Bundesliga-Trainer des Post SV Mühlhausen, der sein privates und berufliches Glück im sachsen-anhaltinischen Gardelegen nördlich von Magdeburg gefunden hat.

Ins Bild der gelungenen Veranstaltung passte der gutklassige Sport, den sein Allstar-Team gegen die Bleicheröder aufbot. So fanden sich in seiner Mannschaft illustre Namen wieder. Beginnend bei Carlos Lang, mit dem er lange beim Post SV spielte und nun beim Erfurter Kreisligisten SV Töttelstädt aufläuft. Dazu gesellten sich die ehemaligen Postler Andreas Wenzel (jetzt Hydro Nordhausen) und Lars Ortmann, der für den Termin extra eine Hochzeitseinladung absagte. Komplettiert wurde das Sextett von Michael Günzel sowie Robert Eckardt, die immer noch in Mühlhausen aktiv sind.

Aber auch der TTV schickte eine bunte Truppe ins Rennen; neben bekannten Namen wie den Liebergesell-Brüdern Tim und Tobias gaben sich Hanjo Hagemeier, Lennart Czosnyka und Michael Rutz ein Stelldichein. „Verstärkung“ erhielten sie durch Fabian Günzel (Mühlhausen) und Schiekes langjährigen Freund Sven Ebert, mit dem er einst 1987 bei der Kreis-Spartakiade Nordhausen im Doppel gewann.

Unter dem wachsamen Auge des Vaters

Die kurzweiligen Duelle endeten letztlich mit einem 11:4-Sieg für die Allstars – immer unter dem wachsamen Auge von Alex‘ Vater Joachim, der die Spiele von seinem elektronischen Gefährt aus mit Interesse verfolgte und unter anderem sah, dass sein Filius das Händchen noch lange nicht verloren hat. Die heimtückische Krankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), eine nicht heilbare Erkrankung des motorischen Nervensystems, schränkt den 77-Jährigen, der von allen „Jochen“ gerufen wird, drastisch ein. Dass der Lebensweg nicht mehr ewig verläuft, ist auch dem Sohn klar.

Umso schöner waren die Bilder, wenn das Vater-Sohn-Duo zusammenstand und ein Lächeln über den Mund Joachims kamen, als ihm Lang im Namen der Mannschaft ein Trikot überreichte. „Man kann am Tag der deutschen Einheit sicher auch andere Sachen machen. Dass dennoch so viele Leute gekommen sind, geholfen haben, Interesse zeigten – das macht mich glücklich“, befand Schieke, der wie seine Mitstreiter am späteren Abend beim gemütlichen Zusammensein mit Geschichten und Anekdoten aus der erfolgreichen Zeit glänzte.

Es werden, so die einhellige Meinung, nicht die letzten sein, die im Kreis erzählt werden. Vielleicht klappt es ja schon im nächsten Jahr mit einer zweiten Auflage – erneut mit Spiel und Spaß, vor allem aber, das ist der Wunsch aller, einem beiwohnenden Vater Jochen.