Alle 52 Minuten ein Treffer: Benjamin Zirpel mit Top-Quote

Eckardtshausen.  Der 29-jährige Eckardtshauser ist mit zwölf Treffern aus sieben Partien Westthüringens treffsicherster Kreisliga-Stürmer. Nur Corona konnte ihn stoppen.

Zwölf Tore in sieben Partien: Eckardtshausens Benjamin Zirpel (re.) zeigte sich im ersten Teil der Saison in bestechender Form.

Zwölf Tore in sieben Partien: Eckardtshausens Benjamin Zirpel (re.) zeigte sich im ersten Teil der Saison in bestechender Form.

Foto: Mike El Antaki

„Die Pause kam denkbar ungelegen“, sagt Benjamin Zirpel. Das meint der Eckardtshäuser Kreisliga-Fußballer ganz allgemein aus Sicht seiner Mannschaft, die in der Staffel 3 punktgleich mit Tabellenführer SV Emsetal Platz zwei einnimmt, und rein persönlich, denn der 29-Jährige hatte einen richtigen Lauf.

Stattliche zwölf Tore erzielte er in sieben Partien, was einem einem sagenhaften Schnitt von 1,71 Treffern pro Begegnung entspricht. Zirpel hat immer durchgespielt und erzielt somit rechnerisch alle 52,5 Minuten ein Tor. Es brauchte schon einen erneuten Lockdown, um seinen Tordrang zu stoppen.

Seit der Saison 2008/09 spielt Zirpel für Eckardtshausens Kreisligaelf. 141 Tore schoss er in 259 Pflichtspielen, doch auf so eine Quote wie jetzt kam er noch nie. Dass es so gut läuft, habe ihn selbst überrascht, gibt Zirpel zu.

Völliger Zufall ist es aber nicht. „Wir haben im Sommer viel und gut trainiert. Auch zuvor in der ersten Coronapause hatte ich privat einiges gemacht und ein paar Kilo abgenommen“, verweist er auf seine verbesserte Athletik.

Dabei hätte er um ein Haar vor drei Jahren fast die Schuhe an den Nagel gehängt, als er im September 2017 im Auswärtsspiel bei Eintracht Eisenach einen Kreuzbandriss erlitt. „Ohne meine Freundin, die mich immer unterstützt hat, wäre ich vermutlich nicht zurückgekommen“, erzählt Zirpel, der schon zuvor mehrfach wegen diverser Verletzungen (unter anderem Schulteckgelenksprengung) pausieren musste.

Aber ohne Fußball ging es eben doch nicht. Ganz zur Freude des SV 49, bei dem der Rechtsfuß momentan die zentrale Figur in der Offensive ist. Seine Stärken sind Schusskraft und Standards, wobei er bei drei Elfmetern bislang auch Nervenstärke bewies.

Beim furiosen Saisonauftakt, als es in Lauterbach nach 22 Minuten schon 8:0 stand, begnügte er sich noch mit einem Törchen. Danach schnürte er vier Doppelpacks und einen Dreierpack.

Er ist zweifelsfrei in der Form seines Lebens. Lediglich im Spitzenspiel beim SV Emsetal ging der Führende der Torschützenliste leer aus. „Leider habe ich bei meiner besten Chance da nur einen Gegner auf der Linie angeschossen. Insgesamt lief es dort bei uns nicht gut, wir waren nicht griffig genug und haben verdient verloren“, blickt Zirpel aufs 1:5 zurück.

Abgesehen von der einzigen Niederlage spielte die Elf vom Geißrain einen starken ersten Saisonabschnitt. Neu-Trainer Marcel Knauer hat frischen Schwung gebracht. „Wenn es bei uns läuft und wir ins Rollen kommen, dann sind wir nur schwer zu verteidigen“, sagt Zirpel.

Weitere Gründe für den Erfolg seien neben der Angriffspower die starken Talente aus dem Eckardtshäuser Ausnahme-Jahrgang um die Wiesner-Zwillinge, die inzwischen in Eisenach und beim FC An der Fahner Höhe spielen, und vor allem der Teamgeist.

Verschworene Einheit

„In Eckardtshausen waren wir schon immer eine geschlossene, verschworene Einheit, in der neue Spieler, wie die zu uns gekommene Jungs aus Oberrhon, schnell integriert werden.“ Dieser Zusammenhalt ist für Zirpel etwas ganz Entscheidendes. Das erklärt auch, weshalb der inzwischen mit seiner kleinen Familie in Förtha wohnende Vollblutstürmer seinem SV Eckardtshausen, wo er als Sechsjähriger mit dem Fußball anfing, immer treu blieb.

Natürlich würde er liebend gern schnell wieder auf Torejagd gehen, doch Zirpel rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr nochmal gespielt wird. „Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich hoffe, dass es wenigstens im Frühjahr wieder geordnet weitergehen kann“, lautet sein Wunsch für 2021.

Mit seinen Eckardtshäusern möchte er dann die gezeigten Leistungen bestätigen und einen Platz unter den ersten Vier erreichen. Der Aufstieg sei kein Thema. Auch wenn in so einer verrückten Saison Überraschungen möglich seien, den Staffelsieg dürften Behringen und Emsetal unter sich ausmachen, glaubt Zirpel. Bleibt noch die Frage nach seinem persönlichen Ziel. Zirpel: „Die 20-Tore-Marke würde ich schon gerne knacken.“