Andrew Aris: „Ein WM-Boykott wäre ein starkes Signal“

Andrew Aris (37) vom Erfurter Verein „Spirit of Football“ kritisiert Sepp Blatter und spricht über Korruption, Sponsoren und persönliche Konsequenzen

Mit seinem Projekt „The Ball“ reiste Andrew Aris voriges Jahr auch zum Weltturnier nach Brasilien, verfolgte dort aber kein Spiel im Stadion. Foto: Sebastian Wunderlich

Mit seinem Projekt „The Ball“ reiste Andrew Aris voriges Jahr auch zum Weltturnier nach Brasilien, verfolgte dort aber kein Spiel im Stadion. Foto: Sebastian Wunderlich

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Herr Aris, Sie beobachten seit Jahren die Fifa skeptisch. Was stört Sie am Weltverband?

Die Fifa spricht immer von Fairplay, von Respekt und wirbt mit diesen Begriffen. Aber hinter den Kulissen findet dann genau das Gegenteil statt: Korruption und Bestechung. Die Gier einer kleinen Gruppe verhindert die Entwicklung von vielen Menschen. Dabei ließen sich mit dem Geld der Fifa so viele Projekte für Kinder, Jugendliche oder Behinderte fördern. So wie unser integratives Bildungsprojekt „Ein Ball, Eine Welt“.

Blatter weigerte sich nach dem neuerlichen Korruptionsskandal zurückzutreten. Stattdessen wurde er wieder gewählt und wies die Verantwortung von sich.

Wahrscheinlich betrifft das System der Korruption noch mehr Personen – nicht nur die bisher Beschuldigten. Es scheint, dass viele Funktionäre etwas zu verbergen haben. Daher wählen sie jemanden, der ihre Interessen seit Jahren vertreten hat. Besonders die kleineren Verbände haben von den Zahlungen der Fifa profitiert.

Was erwarten Sie vom DFB?

Der DFB ist der größte Fußballverband der Welt und kann etwas verändern, wenn er sich Verbündete sucht. Wenn Deutschland mit anderen Ländern wie England oder Frankreich eine WM boykottieren würde, wäre das ein starkes Signal.

Sie haben mit dem Projekt „The Ball“ drei Pilgerreisen zu Weltmeisterschaften unternommen und Dutzende Länder bereist. Was denken die einfachen Fans von der Fifa?

Die große Mehrheit sagt: Wir lieben den Fußball, aber wir vertrauen dem Verband nicht. Da gibt es einen tiefen inneren Konflikt. Ich habe mehrere Tausend Menschen weltweit getroffen und das Erstaunliche war: Kaum jemand hat ein gutes Wort über die Fifa verloren.

Bei der WM vor einem Jahr in Brasilien haben Sie im Gegensatz zu anderen Turnieren kein einziges Spiel im Stadion verfolgt. Warum?

Uns wurden damals Karten für ein Spiel in Rio angeboten. Aber wir waren sehr enttäuscht, dass es den Menschen, die direkt neben dem Stadion wohnen, verboten war, in einem Zwei-km-Radius ums Stadion Getränke oder Snacks zu verkaufen. Sie sind meist arm und wurden in ihrem eigenen Land von der WM ausgeschlossen. Das hat mich traurig gemacht – und macht es noch immer.

Inwieweit beeinflusst die Entwicklung innerhalb des Weltverbandes Ihre Vereinsarbeit?

Spirit of Football wird weiter die Werte von positiver Fußballkultur weitergeben, mit denen sich die Fifa bisher nur schmückt. Insofern ändert sich an der Basisarbeit wenig. Im neuen Schuljahr suchen wir noch Schulen, die wir mit unserem Bildungsprojekt besuchen können.

Wäre bei aller Kritik der Weltfußball ohne die Fifa denkbar?

In der Theorie ließe sich unter Umständen ein alternativer Verband aufbauen. Doch im Fußball ist weltweit so viel Geld und Macht im Spiel, dass es praktisch unmöglich erscheint. Es ist ja auch nicht alles schlecht, was die Fifa tut, aber vieles kann einfach besser gemacht werden. Fußball ist nicht nur ein Spiel um Quoten, Umsätze und Gewinne.