Andrew Aris über seinen Verein Spirit of Football: „Wir haben gerade so überlebt“

Andrew Aris, Vorsitzender des Erfurter Vereins Spirit of Football, sprach im Interview über ein Jahr zum Vergessen, eine Spende des DFB-Präsidenten sowie Projekte mit Jürgen Klopp und Flüchtlingen auf Lesbos.

Ein Ball, eine Welt: Das ist der Leitspruch von Spirit of Football und seinem Gründer Andrew Aris. Auch bei der Buga wird der Verein präsent sein und jede Woche für Schulklassen einen Theater- und einen Fair-Play-Football-Workshop anbieten. Lehrkräfte können sich auf der Homepage des Events unter dem Stichwort Buga-Klassenzimmer darüber informieren und Kurse buchen.

Ein Ball, eine Welt: Das ist der Leitspruch von Spirit of Football und seinem Gründer Andrew Aris. Auch bei der Buga wird der Verein präsent sein und jede Woche für Schulklassen einen Theater- und einen Fair-Play-Football-Workshop anbieten. Lehrkräfte können sich auf der Homepage des Events unter dem Stichwort Buga-Klassenzimmer darüber informieren und Kurse buchen.

Foto: Jacob Schröter

Erfurt. Egal wo man Andrew Aris antrifft, er trägt immer ein Lächeln oder zumindest einen optimistischen Blick im Gesicht. Doch das Jahr 2020 hat auch den Vorsitzenden des Erfurter Vereins Spirit of Football nachdenklich gemacht. Gerade bei seinem Verein, der soziale, integrative Projekte in Thüringen und auf der ganzen Welt durchführt, hat Corona ganze Arbeit geleistet und fast alle Pläne über den Haufen geworfen.

Wir sprachen mit dem ehemaligen Rot-Weiß-Fußballer über ein Katastrophenjahr, künftige Projekte, langfristige Schwierigkeiten, eine Spende von DFB-Präsident Fritz Keller, einen verhinderten Startschuss von Jürgen Klopp und Graffiti-Botschaften mit Flüchtlingen.

Das Jahr 2020 war eigentlich für jeden aufgrund der Pandemie ein besonders negatives. Auch für Spirit of Football?

Es war ein sehr schwieriges Jahr. Wir hatten viel geplant, doch durch Corona mussten wir fast alles canceln. Zum Beispiel unsere Bildungsreise zur Europameisterschaft mit Elektroauto durch die EM-Länder, die bei Jürgen Klopp in Liverpool starten sollte. Im Spätsommer und Herbst gab es neue Hoffnung und Pläne, doch dann kam wieder der Lockdown. Das Jahr 2020 hat unseren Verein ans Limit gebracht, wir haben, auch dank einer großzügigen Spende, gerade so überlebt.

Eine weitere, überraschende Zuwendung gab es durch DFB-Präsident Fritz Keller, der im Zuge der Initiative „Common Goal“ ankündigte, ein Prozent seines Jahresgehalts an Ihren Verein zu spenden. Wie kam es dazu?

Dadurch, dass wir 2016 den DFB-Integrationspreis und 2020 den Julius-Hirsch-Preis erhalten haben, waren wir auf seinem Radar. Das ist natürlich eine tolle Sache. Das Geld hilft uns weiter, aber eine noch wichtigere Auszeichnung ist es, dass wir vom Präsidenten des größten deutschen Sportverbandes für unsere nachhaltige Arbeit unterstützt werden und nun mit seinem Namen für uns werben können.

Was stellen Sie mit dem Geld, einer vierstelligen Summe, an?

Wie viel es genau ist, wissen wir noch nicht. Wir werden es für unser „Fair Play Future“-Projekt verwenden. Bei diesem Projekt, das wir bisher an über 20 Schulen in fünf Bundesländern durchgeführt haben, geht es darum, Schüler spielerisch für Nachhaltigkeit und Integration zu sensibilisieren. Etwa, indem wir Teams bilden und eines nur in Zeitlupe oder in der eigenen Hälfte spielen darf. So vermitteln wir ihnen, wie man sich bei einer Dürre oder in einem Flüchtlingscamp fühlt, und haben einen Zugang, um es ihnen dann genauer zu erklären.

Gab es überhaupt Projekte, die 2020 stattfinden konnten?

Ja, allerdings nur sehr eingeschränkt. Dort, wo wir Hygieneauflagen einhalten konnten, waren wir auch aktiv. Wir haben zum Jahresende mit der Marie-Elise-Kayser-Schule ein digitales Pilotprojekt gestartet, das Thema wird ja in solchen Zeiten immer wichtiger. Die freigewordene Zeit haben wir genutzt, um neue Ideen zu sammeln und Anträge zu schreiben.

Sind Sie zuversichtlich, dass 2021 ein besseres Jahr wird und Sie Projekte wie das zur EM mit Jürgen Klopp noch nachholen können?

Unser Bildungsprojekt im Zusammenhang mit der Tatsache, dass es in diesem Jahr seit 1700 Jahren jüdisches Leben in Deutschland gibt, wurde bewilligt und soll im März starten. Wir wollen in zehn Thüringer Schulen gehen, zudem können sich die Schüler am Erfurter Erinnerungsort Topf & Söhne bei der Dauerausstellung ein Bild vom Holocaust machen. Auch das Projekt Integration durch Fußball im ländlichen Raum wollen wir angehen. Zudem hoffe ich, dass wir bald auf Lesbos ins Flüchtlingscamp können. Dort wollten wir eigentlich schon im letzten Jahr Betreuer der Flüchtlinge schulen, wie sie ihnen bestimmte Sachen spielerisch vermitteln können. Auch ein Kunstprojekt mit Graffiti-Künstlern aus Erfurt, die dort gemeinsam mit Flüchtlingen eine Wand mit Botschaften gestalten wollen, ist geplant. Aus dem EM-Projekt wird aber wohl leider nichts, das ist von der Planung her momentan einfach zu ungewiss.

Haben Sie, wenn Sie an die Zukunft denken, Existenzangst um Ihren Verein?

Hätten Sie mich vor Corona gefragt, hätte ich gesagt: Alles ist super. Wir sind Jahr für Jahr gewachsen. Jetzt sieht das anders aus. Auch wenn ich ein optimistischer Mensch bin und wir ein optimistischer Verein sind, ist es einfach eine Tatsache, dass es künftig weniger Geld für soziale Projekte geben wird. Insofern steht uns ein großer Kampf um Fördermöglichkeiten bevor. Aber wir machen gute Sachen und haben ein gutes Netzwerk, das stimmt mich zuversichtlich.

Vor ein paar Tagen hatte Ihr ehemaliger Rot-Weiß-Mitspieler Ronny Hebestreit Geburtstag. Haben Sie noch Verbindungen zum Verein?

Anlässlich eines Benefizspiels vor 15 Jahren gegen Bayern München hat mich mein Kollege Sven Soederberg kürzlich interviewt, da kamen ein paar Erinnerungen hoch. Aber Kontakte zu alten Teamkollegen habe ich kaum noch.

Kicken Sie noch regelmäßig mit Freunden?

Normalerweise schon. Am liebsten mit meinem Sohn Paul. Der spielt bei den C-Junioren von Rot-Weiß. Die hatten in der Regionalliga einen guten Saisonstart, deshalb war er traurig über den Abbruch. Mit einem Spirit-Team will ich, wenn es wieder erlaubt ist, gegen seine Truppe mal ein Freundschaftsspiel machen.