Apoldaer Ringer-Duo reist von Maßnahme zu Maßnahme

Apolda.  Für die beiden Ringerinnen Maria Selmaier und Anne Nürnberger wird es nochmal ernst.

Die Weltmeisterschaft, die offiziell keine ist, steht für Maria Selmaier vom KSC „Deutsche Eiche“ Apolda im Dezember an. Schon heute fährt sie zum letzten Lehrgang des Deutschen Ringerbundes.

Die Weltmeisterschaft, die offiziell keine ist, steht für Maria Selmaier vom KSC „Deutsche Eiche“ Apolda im Dezember an. Schon heute fährt sie zum letzten Lehrgang des Deutschen Ringerbundes.

Foto: Jürgen Scheere

Heute geht’s wieder los. Endlich. Anne Nürnberger und Maria Selmaier konnten es aber auch kaum erwarten – die beiden Ringerinnen des KSC „Deutsche Eiche“ Apolda fahren zum letzten Lehrgang des Jahres. Der Deutsche Ringerbund hat dazu auf den Herzogenhorn im Schwarzwald eingeladen.

Es gehe darum all jene Sportler vorzubereiten, die im Dezember noch einmal auf einer Matte stehen dürfen. Eine Weltmeisterschaft sollte eigentlich stattfinden, zumindest waren das die Pläne des Weltverbandes. Doch daraus wurde in dieser offiziellen Form coronabedingt gar nichts. „Es heißt jetzt ‘Individual-World-Cup’“, sagt Maria Selmaier. Und die Apoldaerin wird dabei sein. Warum die WM nicht WM heißen darf, weiß sie auch: „Es dürfen gerade nicht alle Nationen daran teilnehmen, insofern besteht ja auch keine Chancengleichheit für alle Länder. Also kann es auch keinen Weltmeister geben“, erklärt die Apoldaerin.

Jetzt erst einmal Herzogenhorn. Bis zum 29. November dauert dieses Trainingslager an, neun Tage, in denen mächtig geschwitzt werden wird, wie es Anne Nürnberger bemerkt. Sie wird im Dezember nicht mit zum World-Cup fahren, für sie dient dieser Lehrgang dazu, den eigenen Leistungsstand zu überprüfen, zu lernen und sich zu verbessern. Und genau diese Ziele werde sie gewohnt konzentriert angehen. Denn 2021 soll es schließlich endlich wieder besser werden, dann sollen endlich wieder Kämpfe auf der Matte anstehen, der Ringsport Stück für Stück zurück in die Normalität finden. Und dafür wolle sie bestens präpariert sein.

Coronatest in aller Früh beim Jenaer Sportarzt

2021 könnte auch für Maria Selmaier ein großes Jahr werden. Denn die Apoldaerin hat die Teilnahme an den Olympischen Spielen noch nicht ganz abgeschrieben. Zwar fehlt ihr das Ticket noch immer, aber sie ist erste Nachrückerin in ihrem Limit. Anna Schell ist qualifiziert. Verletzt sie sich aber oder ist sie aus anderen Gründen verhindert, fährt Selmaier nach Tokio. Die Spiele, das hat das Nationale Olympische Komitee von Japan zuletzt erklärt, sollen auf alle Fälle stattfinden – für Selmaier wäre es das Sahnehäubchen auf ihre Karriere, die eigentlich in diesen Wochen enden sollte. Corona aber hat auch diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Selmaier: „So lange der Traum von Olympia lebt, stehe ich auf der Matte.“ Im Vordergrund stehe dieser Gedanke aber gerade gar nicht. „Ich denke von Maßnahme zu Maßnahme und freue mich über jeden Lehrgang, der dann auch stattfindet“, sagt sie.

Die Vorsichtsmaßnahmen sind dabei für alle Aktiven gleich: Vor der Abreise muss ein Coronatest gemacht werden. Selmaier und Nürnberger waren dazu gestern in aller Früh beim Jenaer Sportarzt Frank-Detlef Stanek. „Die Proben wurden genommen und direkt ins Labor geschickt“, sagt Selmaier. Heute früh sollen die Resultate vorliegen – fallen die negativ aus, dürfen die beiden Apoldaerinnen sich auf die Socken in den Schwarzwald machen. Im Alltag versuchen natürlich beide, sich keinerlei Risiken auszusetzen. Nürnberger studiert von zuhause aus, Selmaier ist noch bis zum 31. März bei der Spurensicherung der Kriminalpolizei Jena im Dienst. Und die privaten Kontakte sind eben eingeschränkt.

Schließlich sollen die sportliche Ziele nicht durch Unachtsamkeiten gefährdet werden. Schon Anfang Dezember steht noch eine kurze und intensive Vorbereitung für die Weltmeisterschafts-, pardon: Individual-World-Cup-Teilnehmer an, ehe es am 12. Dezember, mithin der 29. Geburtstag Selmaiers, nach Belgrad in Serbien geht. Auf dem Balkan geht es dann nämlich gegen die starke internationale Konkurrenz um die inoffiziellen Titel der Weltbesten. Bis zum 18. Dezember sollen alle Medaillen vergeben sein. „Ich selbst werde wohl am 14. Dezember ins Geschehen eingreifen“, erzählt Selmaier. Über genaue Ziele mag sie gar nicht reden. „Wenn wir in diesem Jahr etwas nicht haben, dann ist es Wettkampfpraxis. Man muss also einfach schauen, wer wie in Form ist. Verlieren, so viel ist klar, möchte ich aber nicht freiwillig“, sagt Selmaier und lacht.