Apoldas Ringerin Selmaier: „Habe mir nicht viel vorzuwerfen“

Stephan Klaus
| Lesedauer: 3 Minuten
Die Apoldaerin Maria Selmaier (in Rot) bei ihrem EM-Viertelfinale gegen die Bulgarin Yuliana Vasileva Yaneva.

Die Apoldaerin Maria Selmaier (in Rot) bei ihrem EM-Viertelfinale gegen die Bulgarin Yuliana Vasileva Yaneva.

Foto: Kadir Caliskan / dpa

Apolda.  Ringerin Maria Selmaier vom KSC „Deutsche Eiche“ Apolda plant als EM-Fünfte nun für Tokio.

„Man muss mit 120 Prozent in den Angriff gehen, damit er erfolgreich ist. In dieser Situation war ich leider zu zögerlich – das war die Schlüsselwertung für Dalma.“ Und gegen die erhoffte Bronzemedaille im wohl finalen EM-Wettbewerb der Karriere von Ringerin Maria Selmaier. Der 0:2-Rückstand durch den geschickten Konter der gebürtigen Genuesin Dalma Caneva war in Warschau im Kampf um Platz drei trotz der verbleibenden Kampfzeit von viereinhalb Minuten nicht mehr zu egalisieren, zumal eine Passivitätswertung Selmaier noch ein weiteres Stück zurückwarf.

„Es war uns beiden vorher klar, dass es ein sehr enger Kampf werden würde“, sagt Selmeier, die zum Ende auf 2:3 herankam. „Ich habe mir nicht viel vorzuwerfen, habe die gesamten sechs Minuten Gas gegeben. An sich hätte es auch genauso gut andersherum ausgehen können. Wir kennen uns seit vielen Jahren sehr gut. Da ist es für beide schwierig, einen Kampf zu gestalten.“ Zwar gab es zwischen den Kontrahentinnen in der Vergangenheit nicht enorm viele Wettkampfduelle, doch haben sie etwa in Rom 2019 gemeinsam trainiert. „Es hat sich schon so etwas wie einer Sportlerinnenfreundschaft entwickelt“, so Selmaier, die Caneva das Edelmetall entsprechend gönnt. „Auch wenn man natürlich selbst gewinnen will.“

Das letzte Kapitel in Maria Selmaiers Ringerwerk auf internationaler Bühne muss der verpasste Sprung aufs europäische Treppchen indes noch nicht zwangsläufig geschrieben haben. Bei den Olympischen Spielen wird sie sich voraussichtlich auf der „Ersatzbank“ bereithalten. Gesetzt für den Deutschen Ringer-Bund in der Klasse bis 68 Kilogramm ist die WM-Dritte von 2019, Anna Schell. „Selbstverständlich werde ich mich auf Tokio vorbereiten, als würde ich dort selbst auf der Matte stehen.“ Das bedeutet für Selmaier, mit der richtigen Ernährung das Gewicht zu reduzieren, da die Gewichtsklasse bis 72 Kilogramm, in der sie in Warschau am Start war, nicht olympisch ist. Zeitnah nach Olympia soll dann aber mit dem Leistungssport wirklich Schluss sein.

„Ich werde in diesem Jahr 30. Als Ringerin denkt man im Vier-Jahres-Zyklus. Aber dem Ringen selbst bleibe ich auch nach meiner aktiven Karriere treu.“ In ihrer heutigen sportlichen Heimat Apolda hat sie mit ihrer zweiten Sportlaufbahn bereits begonnen. Bisher hilft sie als Trainerin beim KSC „Deutsche Eiche“ lediglich aus. „Doch ich habe eine Menge Spaß daran, dem Nachwuchs mein Wissen weiterzugeben. Das erinnert mich noch an die Zeiten, als ich selbst so klein gewesen bin.“ Keine fünf Jährchen war sie damals jung, als sie zum Turntraining ihres Vereins in Magdeburg ein paar Minuten zu früh erschien. „Mein Bruder war schon bei den Ringern, und so hat mich der Trainer einfach mal mit auf die Matte genommen. Ich fand es recht witzig, die kleinen Jungs umherzuschubsen“, lacht Maria Selmaier heute.

Ihre spätere Heimat in Jena, wo ihre Entwicklung an der Sportschule ihren Lauf nahm, spielt bei den Zukunftsplänen eine ebensolche Rolle, wie Apolda. Beruflich die Kriminalpolizei in Jena, als Ausgleich dazu die Pflege der Ringergilde beim KSC. Da ist es nur praktisch für Maria Selmaier, dass sie in Kleinromstedt südlich von Apolda wohnt und keinen allzu langen Heimweg nach den Trainingseinheiten vom Verein hat.