Mühlberg. Sportler und Sportlerinnen aus 21 Ländern waren gekommen, um die Weltmeister in der Dryland-Kategorie zu ermitteln.

„Wuff, Wuff, Wuff… Auuuuu, Auuuuu” hallt es über das gesamte Gelände des Golfclubs in Mühlberg. Die Lautstärke ist beeindruckend und steht im völligen Kontrast zur eigentlich auf dem Gut Ringhofen gespielten Sportart. Während man hier von Frühjahr bis Herbst allenfalls einen kurzen Knall vernimmt, wenn der Schläger den Ball trifft, haben am Wochenende die Vierbeiner das „Sagen“ übernommen.

Mühlberg ist an diesem Wochenende Austragungsort der Schlittenhunde-WM. Über 17 Jahre nach dem Winterspektakel in Frauenwald findet sich die Weltelite nun im ältesten Dorf Thüringens ein, um die Variante im „Dryland“, frei übersetzt Trockenland, auszutragen. „Man kann auch Dreck dazu sagen“, meint Anke Schiller-Mönch und lacht.

Verschiedenste Klassen sorgen für Spannung

Seit den Morgenstunden ist die Vorsitzende de Schlittenhundesportclubs Thüringen und zugleich Cheforganisatorin mit vielen Helfern auf den Beinen, um für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen. Die Abfolge der vielen verschiedenen Klassen ist minutiös geplant. Für die Zuschauer ergeben sich beim Blick auf die Starter immer wieder Veränderungen bei der Zusammensetzung der jeweiligen Einheiten. In der kleinsten Einheit wird ein Hund von einem „Musher“, dem Führer eines Schlittenhundes, pilotiert. Aber es gibt auch Varianten mit zwei, vier, sechs oder acht Hunden.

Eine weitere Klassifizierung erfolgt durch die verschiedenen Hunderassen und das Gespann, das entweder drei- oder vierrädrig ist. Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist sehr eng. Wer diesen Sport betreibt, macht das nicht aus Zufall. „Es ist eine Lebenseinstellung, denn es dreht sich alles um die Hunde“, weiß die Cheforganisatorin.

Und dann geht es auch schon los. Die Musher werden mit ihren Tieren an den Startbereich gebeten. Die lautstarken Rufe der Hunde verschwinden, der Countdown läuft. „Fünf, vier, drei, zwei, eins – los“, ruft die Startsprecherin, und das Gespann setzt sich in Bewegung. Je nach Landessprache spornen die Musher ihre Hunde an, diese rasen sofort los und bringen den Wagen auf Touren. Der Start/Zielbereich in Mühlberg ist recht flach, zwischendurch sorgen aber einige Höhenmeter und die durch den auftauenden Boden recht schmutzige Strecke für Anspruch für Mann und Tier.

Mit bis zu 40 km/h auf der Strecke unterwegs

6,8 Kilometer für eine Runde werden in allen Klassen mit mehreren Hunden gelaufen, 4,2 sind mit einem Tier zu absolvieren. Wenn die Gespanne an den Zuschauern vorbeirasen, bekommt man erst einmal einen Eindruck davon, wie viel Kraft hinter dem Ganzen steckt. „Auf den schnellsten Passagen kommen sie an die 40 km/h ran“, sagt Schiller-Mönch und lässt einen so erahnen, wieviel Energie die Protagonisten in ein Rennen investieren.

Da es sich um die Dryland-Variante handelt, ist die Erschöpfung aller nach den Rennen nicht zu groß. Auf den Winterstrecken werden meist mehr Kilometer gelaufen, hier wird gesprintet. „Der Husky beispielsweise hat einen intensiven Willen, ist aber auch ein Sturkopf. Er will immer arbeiten und eine Aufgabe ausfüllen. Die Kunst des Fahrers mit seinem Tier ist, so gut wie möglich zu kommunizieren“, so Schiller-Mönch.

Dafür sind Hunde und Fahrer beim Zieleintritt gezeichnet. Die hohe Zugkraft, verbunden mit dem matschigen Untergrund, hinterlässt Spuren. Einige Musher sind topfschwarz, selbst das gesamte Gesicht ist mit Dreck bedeckt. Die Vorfreude auf eine heiße Dusche dürfte riesig sein. Aber auch die so hübschen Tiere verändern ihre Fellfarbe. Gerade die hellen Huskys sind nach dem Parcour kaum wiederzuerkennen. Da bedarf es wohl einiger Zeit, die ursprüngliche Farbe wieder herzustellen.

Neuer und alter Vize-Weltmeister: Mathias Klatt aus Gerstungen mit dem fünfjährigen Husky Gordie.
Neuer und alter Vize-Weltmeister: Mathias Klatt aus Gerstungen mit dem fünfjährigen Husky Gordie. © Christian Heilwagen

Zwei Thüringer ganz vorn mit dabei

Nach zwei Tagen werden am späten Sonntagnachmittag schließlich alle Sieger ermittelt und geehrt. Dass die Titel meist an ausländische Starter gehen – insgesamt sind neben Deutschland 20 andere Nationen dabei – überrascht nicht wirklich. „Wir sind nicht die Schnellsten, international gibt es andere Länder, bei denen die Leistungsdichte höher ist“, weiß Schiller-Mönch.

Dennoch: Die wenigen Thüringer landen ganz vorn: Selma Teichmann holt sich im Junior-Rennen des Canicross den Sieg. Canicross ist ein Geländelauf. Die Vierbeiner sind durch eine Leine mit den Hundeführern verbunden – sie laufen voraus, die Läufer hinterher. Dank eines überragenden Laufs am Samstag gewinnt die 13-Jährige aus Oberhof die Wertung. Mathias Klatt, 35, kann seinen Vize-WM-Titel im Bikejöring verteidigen. Mit Husky Gordie voraus, fährt der Gerstunger auf dem Mountainbike am Samstag sowie Sonntag auf den zweiten Platz.