Abenteurer Jan Hähnlein: Auf zu unbekannten Ufern

Erfurt.  Diesmal steigt der Marbacher ins Kajak – für den guten Zweck und gegen gut gemeinte Ratschläge.

Jungfernfahrt: Bei seinem ersten Versuch im Kajak kenterte Jan Hähnlein. Am Montag nimmt er die 700-Kilometer-Strecke nach Cuxhaven in Angriff, die er in zwölf Tagen schaffen will.

Jungfernfahrt: Bei seinem ersten Versuch im Kajak kenterte Jan Hähnlein. Am Montag nimmt er die 700-Kilometer-Strecke nach Cuxhaven in Angriff, die er in zwölf Tagen schaffen will.

Foto: Nicole Geißler

Die Jungfernfahrt ging schief. Obwohl nur auf dem ruhigen See am Nordstrand, kippte das neue Gefährt von Jan Hähnlein mitten im See um. Wasser rausschöpfen klappte nicht, also musste Hähnlein mit dem roten Kajak im Schlepptau ans Ufer schwimmen. Nur ein zarter Vorgeschmack auf das, was den Marbacher ab Montag erwartet.

Denn dann wagt er sein bislang waghalsigstes Projekt. Für die NCL-Stiftung, die die bisher unheilbare Kinderlähmung erforscht, will er mit dem Kajak von Erfurt nach Cuxhaven fahren, über die Gera, Unstrut, Saale und Elbe bis zur Nordsee. Als er gehört hat, dass jemand die gleiche Strecke mal in zwei Wochen bewältigt hat, hat ihn das angestachelt. Er will das unterbieten und die 700 Kilometer in zwölf Tagen schaffen, also fast 60 Kilometer pro Tag. „Das habe ich im Training bisher noch nicht an einem Tag geschafft. Trotzdem habe ich schon offene Stellen an den Händen. Es wird ein großes Abenteuer, vor dem ich riesigen Respekt habe“, sagt Hähnlein, der bei seinen bisherigen Spendentouren stets mit dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs war.

Nun wartet also eine völlig neue Belastung auf ihn, bei der vor allem die Oberkörpermuskulatur beansprucht wird und Gefahren wie Stromschnellen und Schiffe lauern. Und dann sind da noch die Schleusen und Wehre, die mit Wartezeiten oder Aussteigen verbunden sind. Bereits in Straußfurt muss er das 28-Kilo-Boot plus etwa 30 Kilo Gepäck 600 Meter an der B4 entlang ziehen, um es danach wieder zu Wasser zu lassen. Und allein in der Unstrut warten 18 Schleusen.

Treffen in Hamburg mit Stiftungund betroffenen Familien

Entsprechend skeptisch sind die Kommentare, die der 49-jährige Abenteurer, der auch ein Eishockeyteam gegründet hat und Vereinspräsident der Sport-Freunde Marbach ist, im Internet von Wassersportexperten erntet. Viele raten ihm davon ab, zumal er auf der Tour allein unterwegs ist. Auch Tochter Antonia und seine Freundin sorgen sich um ihn. „Auf jeden Fall kann mich kein Lkw über den Haufen fahren wie bei meinen Radtouren“, wischt er die Bedenken mit Galgenhumor beiseite.

Er weiß zwar um die Gefahren, kennt aber seine Grenzen und hat ein Ziel vor Augen. Denn für jeden Kilometer, den er schafft, bekommt er von Etappensponsoren und anderen Unterstützern der Aktion größere oder kleinere Beträge für die NCL-Stiftung. Für die hat er bereits einige tausend Euro gesammelt, die dabei geholfen haben, verschiedene Projekte zu finanzieren. Und vielleicht sogar ein bisschen dabei, dass inzwischen zumindest eine der 13 Formen der Kinderdemenz heilbar ist. „Die Stiftung sitzt in Hamburg, ich freue mich sehr, wenn ich dort vorbeikomme und wir uns treffen. Es werden sicher auch ein paar Familien mit betroffenen Kindern dort sein, das wird emotional“, blickt Hähnlein voraus und ist guter Hoffnung, dass wieder eine ordentliche vierstellige Spendensumme zusammenkommt.

Bei allem Respekt ist er optimistisch, dass er am Freitagabend in zwei Wochen, nach zwölf Tagen Fahrt mit Zelt, Schlafsack, Gaskocher, Verpflegung und ein paar Klamotten an Bord, dazu mehreren Powerbanks als Stromquelle (vier hat er selbst, ein paar will er sich ausborgen), das Ziel erreicht. Die Wetteraussichten seien ganz gut, und zur Not paddle er eben 14 Stunden am Tag, es sei ja im Juni schon lange hell. „Es haben mir auch wenige zugetraut, dass ich mit dem Fahrrad 130, 160 Kilometer am Tag schaffe. Aber bei so einer Challenge ist das eine andere Situation, man ist dann im Tunnel“, sagt die Erfurter „Puffbohne“ vor der Fahrt zu unbekannten Ufern. Und wenn alle Stricke reißen, hat Hähnlein noch zwei Tage Puffer, um mit dem Boot, das ihm für die Tour von einem Fachgeschäft in Bad Langensalza zur Verfügung gestellt wurde und welches er auf den Namen „Erfurt“ getauft hat, das Ziel zu erreichen. „Wenn ich erst am Sonntag ankomme, dann ist es eben so. Hauptsache, ich bin am Montag wieder pünktlich auf Arbeit.“

Unter www.spendenmarsch.org kann man sich über die Aktionen von Jan Hähnlein zugunsten der NCL-Stiftung sowie Hilfsmöglichkeiten im Kampf gegen Kinderlähmung informieren.