Aus der Weimarer Sportgeschichte: „Die Olympiasiegerin Frl. D. Köring verteidigte ihren Titel nicht.“

Weimar.  Ein Blick ins Fotoalbum: Beim „Allgemeinen Weimarer Tennis-Turnier 1912“ nahmen einige hochrangige Athleten teil

Aus dem Archiv des Tennishistorikers Heiner Gillmeister stammt dieses Foto von Dora Köring und Heinrich Schomburgk bei den Olympischen Spielen 1912.

Aus dem Archiv des Tennishistorikers Heiner Gillmeister stammt dieses Foto von Dora Köring und Heinrich Schomburgk bei den Olympischen Spielen 1912.

Foto: Kremer

In Weimars Sportgeschichte gibt es eine ganze Reihe von international sehr erfolgreichen Sportlern, angefangen bei Siegfriede Weber-Dempe und Manfred Matuschewski in der Leichtathletik, bis zu der aus Weimar stammenden Ruderin Martina Schröder sowie der Eisschnellläuferin Constanze Moser-Scandolo. Ein fast sensationell zu nennender Fund vom Tennissport gelang jetzt bei Archivrecherchen.

In einem Zeitungsbericht vom Juli 1912 ist zu lesen, dass in Jena das VI. Allgemeine Weimarer Tennis-Turnier vom Tennis-Wettspielverein Jena (heute USV Jena) veranstaltet wurde. Es gab 272 Meldungen und in den verschiedensten Wertungen, wie Vorgabeturniere, Einzel-, Paar- und Mixturniere und eine Meisterschaft der Stadt Jena.

Hochrangige Spieler aus ganz Deutschland waren angereist. Die Hauptpreise waren vom Weimarer Großherzog gestiftet worden. Namhafte Teilnehmer waren u. a. G. K. Logie, Dr. F. A. Lindemann, O’Harra-Murey, W. und A. Knorr, Graf Sizzo-Noris und jetzt folgt der „entscheidende Satz“ für die Weimarer Sportgeschichte: „Die Olympiasiegerin Frl. D. Köring verteidigte ihren Titel nicht.“

Dora Köring mit Silber und Gold in Stockholm

Eine sofortige Suche in einschlägigen Siegerlisten ergab erst mal keinen Treffer. Im Internet war bei Wikipedia ein englischsprachiger Eintrag zu finden, dass Dora Köring 1880 in Chemnitz geboren wurde und am 13. Februar 1945 verstarb. Sie war bei den Bombenangriffen auf Dresden ums Leben gekommen. Bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm holte sie sich im Rasentennis die Silbermedaille und mit Dr. Heinrich Schomburgk aus Leipzig im Mix auf dem Rasen die Goldmedaille.

Über Heinrich Georg Schomburgk (1885 bis 1965) gibt es mehrere Einträge im Internet. Er wurde in Connewitz geboren, verstarb in Eppstein und wird als erfolgreicher Tennis- und Fußballspieler genannt. Er stammt aus einer Leipziger Industriellenfamilie. Einer seiner Vorfahren war der Leipziger Industriepionier Carl Heine, nachdem heute der Heinekanal benannt ist. Deutsche Meistertitel errang er 1908 im Herrendoppel, 1913 im Herreneinzel und im gemischten Doppel sowie 1922 im Herrendoppel und im gemischten Doppel.

In seiner erfolgreichsten Sportart, dem Tennis, war der Leipziger Sport-Club seine sportliche Heimat. Schomburgk der sportlich sehr vielseitig war, spielte eine Zeit lang beim VfB Leipzig Fußball, wo er 1906 Dritter bei den Deutschen Meisterschaften wurde. Beim Internationalen Lawn-Tennis-Turnier, welches seit 1907 abwechselnd in Weimar und Jena ausgetragen wurde, und welches vom Sportplatzbaupionier Hermann Peter initiiert worden war, errangen 1909 Heinrich Schomburgk den goldenen Pokal der Stadt Weimar und Dora Köring den großherzoglichen Wanderpreis. Beide gingen auch 1911 in Weimar „ans Netz“ und konnten ihre Wanderpreise verteidigen. 1912 waren Sie dann nicht mehr dabei.

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