Ausgebremste Black Dragons stehen vor Hammerprogramm

Erfurts Eishockey-Oberligist muss nach zweiter Corona-Pause noch 33 Spiele binnen zwei Monaten absolvieren. Vereinspräsident sieht Saisonabbruch aber nicht als Option.

Im Wartestand: Kyle Beach, der seinen 31. Geburtstag am Mittwoch in Quarantäne verbringen musste (hier vor dem letzten Heimspiel am 6. Januar gegen Hamm), und seine Black Dragons müssen coronabedingt erneut pausieren.

Im Wartestand: Kyle Beach, der seinen 31. Geburtstag am Mittwoch in Quarantäne verbringen musste (hier vor dem letzten Heimspiel am 6. Januar gegen Hamm), und seine Black Dragons müssen coronabedingt erneut pausieren.

Erfurt. Lange Zeit waren die TecArt Black Dragons Erfurt, abgesehen vom allgegenwärtigen Zuschauerverbot, relativ unbehelligt vom Coronavirus durch die Saison gekommen. Und hatten, angeführt von ihrem innovativen neuen Headcoach Raphael Joly, der das Team taktisch, in Sachen Einteilung der Kräfte und in den Special Teams, also dem Über- und Unterzahlspiel, enorm verbessert hat, einen überraschend starken Saisonstart hingelegt, der sie in der Oberliga Nord zwischenzeitlich auf einen direkten Playoff-Platz brachte.

Mitte Dezember gab es dann aber auch bei den Erfurtern die ersten positiven Tests. Nachdem sich drei Spieler mit Covid-19 infiziert hatten, musste das gesamte Team in die obligatorische Quarantäne. Ab dem 30. Dezember konnten die schwarzen Drachen ihre Saison dann fortsetzen.

Durchwachsene Bilanz nach der ersten Corona-Zwangspause

Mit durchwachsener Bilanz: Direkt das erste Spiel nach der Zwangspause ging gegen den Aufsteiger EG Diez-Limburg zuhause verloren. Diese Enttäuschung schüttelten das Joly-Team aber eindrucksvoll ab: Am 2. Januar gewannen sie 4:3 nach Overtime bei den Tilburg Trappers – ihr erster Sieg überhaupt beim Überteam der letzten Jahre. Einen Tag später hielten sie beim gleichen Gegner ebenfalls gut mit, auch wenn sie 1:3 verloren.

Just, als es so schien, dass sie die Zwangspause doch aus ihrem zuvor guten Rhythmus gebracht hatte und sie gegen Schlusslicht Hamm 1:3 zurücklagen, zeigten die Erfurter abermals ihr gestiegenes Niveau und drehten die Partie auf 6:3. Zwei Tage später folgte dann aber der erneute Rückschlag gegen Diez-Limburg. Wieder kamen die Erfurter mit dem hessischen Außenseiter nicht zurecht und mussten sich 4:6 geschlagen geben.

Deutschmann: „Kann passieren, dass Spiele nicht gespielt, aber gewertet werden“

Ehe sie ihre Resilienz gegenüber Rückschlägen abermals unter Beweis stellen konnten, wurden sie nun von der nächsten Corona-Welle ausgebremst. Sie erfasste das Team am vergangenen Samstag, als beim obligatorischen, regelmäßigen Schnelltest ein Spieler positiv war. Somit fiel das Heimspiel tags darauf gegen Herford aus. Die täglichen Testungen gingen weiter, am Montag wurden drei weitere Spieler positiv getestet, am Dienstag wurden alle vier Fälle vom Labor bestätigt. Also mussten die Drachen knapp einen Monat nach der ersten ihre zweite Zwangspause antreten und hoffen, Ende Januar wieder in die Saison einsteigen zu können.

Auf die Frage, ob nun die Gefahr bestünde, dass die Saison nicht zu Ende gespielt wird, antwortete EHC Präsident Martin Deutschmann: „Ich denke nicht. Es kann natürlich passieren, dass Spiele nicht gespielt, aber trotzdem gewertet werden müssen.“ Am Donnerstagabend gibt es zu diesem Thema eine Videokonferenz mit dem Deutschen Eishockey-Bund.

Stand vergangenen Freitag konnten in der Oberliga Nord, in der neben den Erfurtern zwölf weitere Teams spielen, von 132 angesetzten Partien 120 ausgetragen werden. Von den bis dahin 27 wegen Corona ausgefallenen Spielen wurden 15 bereits nachgeholt. Fast 40 Prozent der Hauptrunde haben die Teams somit schon hinter sich gebracht. „Eigentlich keine schlechte Quote“, befindet Deutschmann ob dieser Zahlen.

Doppelrunde mit vier Spielen gegen jeden Gegner rächt sich nun

Da seine Erfurter jedoch erst 15 ihrer 48 Hauptrundenspiele absolviert haben, befürchtet er, dass sie nach ihrem Re-Start im Februar und März fast jeden zweiten Tag spielen müssen. Das liegt auf der Hand, denn bis zum 5. April, wenn das letzte Spiel angesetzt ist, stehen noch 33 Spiele aus, also fast vier pro Woche. „Das ist hart, aber in dieser Pandemiesaison nicht zu ändern.“ Wobei sich aus seiner Sicht nun die Doppelrunde räche, mit vier Spielen gegen jeden Gegner. Die hielt der EHC-Präsident angesichts der zu erwartenden Probleme von Anfang an für zu viel, da man so kaum Spielraum für Nachholtermine habe.

Doch Deutschmann stellt klar: „Am Ende geht es darum, zu spielen, um zu überleben. Einfach ein Jahr gar nicht zu spielen oder jetzt abzubrechen könnte den ganzen Standort gefährden, bei uns und anderen. Dann lieber die Zähne zusammenbeißen und durch.“

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