Der Basketball soll in Weimar etabliert werden

Weimar.  Die Kooperation zwischen Science City Jena und dem KSSV Weimar geht weiter. Der Vertrag wurde bis 2022 verlängert.

Wollen den Basketball in Weimar etablieren (v.l.n.r.): Matthias Stieff (Vorstandsmitglied HSV Weimar), Torsten Rothämel (Leiter der Nachwuchsakademie von Science City Jena), Katrin Wolff (Vorstandsvorsitzende KSSV Victoria Weimar), Hagen Schmidt (Jugendleistungstrainer Science City Jena) und Hans-Georg Timmler (1. Vorsitzender des HSV Weimar).

Wollen den Basketball in Weimar etablieren (v.l.n.r.): Matthias Stieff (Vorstandsmitglied HSV Weimar), Torsten Rothämel (Leiter der Nachwuchsakademie von Science City Jena), Katrin Wolff (Vorstandsvorsitzende KSSV Victoria Weimar), Hagen Schmidt (Jugendleistungstrainer Science City Jena) und Hans-Georg Timmler (1. Vorsitzender des HSV Weimar).

Foto: Michael Ulbrich

Katrin Wolff seufzt. Was werde sie diesen fuchsteufelswilden, an der Seitenlinie voller Ingrimm herumtigernden Basketball-Lehrer vermissen. Die Vorsitzende des KSSV Weimar schmunzelt, breitet die Arme aus – ja, so gestenreich habe jener Litauer Marius Linartas doch das Team von Culture City Weimar gecoacht. Künftig soll er als Individualtrainer beim Zweitligisten in Jena arbeiten. Das Weimarer Projekt erhält dafür kompetenten Zuwachs aus der Saalestadt. Farsin Hamzei heißt der neue Trainer. Akademie-Chef Torsten Rothämel verspricht: „Auch Farsin kann laut werden“. Sagt's und lacht. Und Katrin Wolff registriert es mit einem zufriedenen Lächeln.

Auf die Pauke hauen – ja, das muss das Credo der Weimarer Basketballer fürderhin sein. Etwas schaffen, dass auch als „Team der Stadt“ angesehen wird, wie es Wolff erklärt. Denn bislang nahm man diese Regionalligamannschaft lediglich als Jenaer Außenposten wahr. Vor einem Jahr hat man tatsächlich Science City Jena II 25 Kilometer westwärts verpflanzt. Dabei hat die Kooperation bereits eine längere Tradition. „Seit 2013 arbeiten wir mit Jena zusammen“, erklärt Wolff. Noch länger, seit 2003 nämlich, besteht die Spielgemeinschaft mit dem HSV Weimar. „Beide Vereine hatten damals eigenständige Basketball-Mannschaften, unter denen die Spieler auch gern mal hin und her wechselten. Irgendwann haben wir dann gesagt: Komm, wir tun uns zusammen“, berichtet die KSSV-Chefin. Daraus sei eine echte Gemeinschaft erwachsen, die in ihrer Sportart durchaus eine Wellenfahrt der Gefühle hinlegte. „Wir waren mal in der Regionalliga, stiegen wieder ab. Die Auf und Abs hatten dabei immer viel mit Personen zu tun“, sagt Wolff. Fürs aktuelle Hoch sei Hagen Schmidt verantwortlich. Der stamme aus Weimar, habe sich in der Jenaer Akademie als Trainer die ersten Sporen verdient und strebt nun einen Aufbau des Weimarer Projektes an. Die Verlängerung der Kooperationsvereinbarung mit Science City Jena geht deswegen auch mit der Verlängerung des Arbeitspapieres von Schmidt einher.

Culture City soll weiter wachsen

Applaus dafür gibt's auch von Hans-Georg Timmler, dem Präsidenten des HSV Weimar. Er wünsche sich eine „Verstetigung“ des Erfolges, eine gewisse Nachhaltigkeit des Basketballs in Weimar. Culture City als Aushängeschild dürfe keine Eintagsfliege sein, sondern müsse weiter wachsen. Schmidt weist den Weg auf, spricht von den Erfolgen bislang. Von der geschaffenen Basis im Nachwuchs, gibt es doch inzwischen

neben der bisher personell dünn besetzten U-14-Mannschaft nun auch schon Teams in der U 12 und der U 10. Dieses Jahrgänge fördern und fordern müsse das Motto sein, erklärt Schmidt. Denn, da sei man wieder beim Ausgangsziel, dieses Regionalliga-Team von Culture City Weimar würde nur mit Identifikationsfiguren, die dann auch wirklich auf dem Parkett in der Asbachhalle stehen, in der Stadt angenommen. „Ich möchte die Jungs alle so fit machen, dass sie irgendwann hier in der Halle stehen und spielen. Dass am Ende eben auch Weimarer Jungs für ihre Stadt spielen“, erklärt Schmidt. Als weiterer Baustein ist dafür auch eine Grundschulliga geplant. Hier sollen sich die neun Lehranstalten der Stadt um den Titel des Besten streiten. Der Startschuss ist für dieses Jahr geplant, Vorbild ist auch hier das gleichnamige Projekt in Jena.

Und überhaupt: Die Zusammenarbeit mit Jena soll für beide Seite fruchtbar sein. Es können auch Spieler aus der Goethestadt so gut ausgebildet werden, dass sie dereinst als Profi für Jena in der Bundesliga auflaufen. Das Berufsbild des Basketballers kristallisiere sich immer mehr heraus und diese Perspektive will man eben auch den Weimarern bieten. Torsten Rothämel weiß da auch schon ein Beispiel, nennt Richard Rietschel. „Der hat es schon in den Trainingskader der Profis geschafft und soll in der nächsten Saison hier in Weimar auch als Identifikationsfigur diese Mannschaft anführen“, sagt Rothämel. Was man nicht erwarten darf, sei der sofortige Aufstieg in die drittklassige Pro B, dem Unterhaus der Zweiten Bundesliga. „Durch Corona haben auch wir finanzielle Einsparungen vorzunehmen, müssen auch wir kürzer treten“, sagt Rothämel. Man werde nun also auch nicht fünf Profis für Weimar verpflichten, die den Laden dann hier rocken. Nein, das sei auch nicht im Sinne des Modells.Man werde „Jugend forscht“ ins Rennen schicken und schauen, wie sich die Talente gegen durchaus ausgebuffte Profis anderer Teams dann schlagen.

Erstes Ziel: Klassenerhalt

Erstes Ziel sei deshalb der Klassenerhalt. Als Übergangsjahr sei die nächste Saison zu betrachten, bemerkt der Trainer aus Jena. Mit Farsin Hamzei, gleichzeitig U-19-Trainer in Jena, habe man dafür genau den richtigen Mann am richtigen Ort, der mit der richtigen Ansprache dem Nachwuchs Beine machen kann. Sogar mal etwas lauter. Das wiederum findet Katrin Wolff – augenzwinkernd – ganz beruhigend.