Elxlebens Rollstuhlbasketballer wollen Vormachtstellung in der Königsklasse untermauern

Elxleben  In der Endrunde der Champions League treffen die RSB Thuringia Bulls diesen Freitag auf den RSV Lahn-Dill. Der Sieger tritt Samstag im Finale an.

Obenauf: Die letzten sechs Duelle gegen Rekordmeister RSV Lahn-Dill konnten die RSB Thuringia Bulls (am Ball: André Bienek) gewinnen.

Foto: Sascha Fromm

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Es ist nicht mal neun Jahre her, da löste das Aufeinandertreffen mit den Rollstuhlbasketballern aus Elxleben beim RSV Lahn-Dill maximal ein müdes Lächeln aus. Die RSB Thuringia Bulls, dereinst noch unter dem Namen Oettinger RSB Team Thüringen aktiv, waren zwar gerade auf dem Weg, in die erste Bundesliga aufzusteigen.

Doch der RSV Lahn-Dill aus Wetzlar, der damals im Pokal-Viertelfinale auf die Elxlebener traf, war eine ganz andere Hausnummer: deutscher Rekordmeister mit bis heute 13 Titeln, Rekord-Pokalsieger (14-mal), dazu sechsfacher Sieger des Champions Cups, dem Vorgänger-Wettbewerb der Champions League.

Damals, vor neun Jahren, fegte Lahn-Dill die Thüringer im Pokalspiel mit 40 Punkten Differenz vom Feld. Heute, am Tage des innerdeutschen Halbfinalduells in der europäischen Königsklasse, sieht sogar der deutsche Rekordmeister selbst die von ihm anfangs noch belächelten Thuringia Bulls in der Favoritenrolle. „Wir haben Lahn-Dill nun sechsmal in Folge bezwungen“, bejaht Lutz Leßmann, Teammanager der Thuringia Bulls, die Frage, ob die Wachablösung aktuell geschafft sei.

Leßmann, den man mit Fug und Recht als Vater des Erfolges bezeichnen kann, hat mit seinem Team eine beeindruckende Entwicklung hingelegt: 2016 gelang der erste deutsche Meistertitel plus Pokalsieg (Leßmann: „Die Wetzlarer waren so perplex, nach Jahren der Dominanz einen echten Gegner zu haben, dass sie uns nicht mal die Hände geschüttelt haben.“). Im vergangenen Jahr holten die Bulls Meisterschaft Nummer zwei und – als erste Thüringer Mannschaft in irgendeiner Sportart überhaupt – den Champions-League-Pokal als bestes Vereinsteam Europas.

Halbfinale gegen Dauerrivale Lahn-Dill

„Dass unsere Mannschaft nach der knappen Niederlage im Po­kal-Halbfinale gegen Lahn-Dill kurz darauf denselben Gegner im Meisterschaftsfinale und Champions-League-Halbfinale geschlagen hat, war gerade mental ein Quantensprung“, waren diese Wochen im April und Mai 2018 für Leßmann die entscheidenden auf dem Weg zur Wachablösung. Dank des Inputs ihres neuen Trainers Michael Engel waren die Bulls nun die beste und auch die am schnellsten spielende Mannschaft Europas. Zwei Attribute, die bis dato Dauerrivale Lahn-Dill für sich beansprucht hatte.

Im polnischen Walbrzych wollen die Thuringia Bulls den RSV Lahn-Dill am heutigen Freitagabend zum siebten Mal in Folge das Fürchten lehren. Denn nach den drei Erfolgen am Ende der letzten Saison haben die Elxlebener auch die drei direkten Duelle der aktuellen Spielzeit für sich entschieden. Zweimal in der Hauptrunde der Bundesliga, in der beide Teams im Meisterschaftsfinale erneut aufeinandertreffen werden, einmal im dramatischen Pokalfinale, das den Bulls mit 72:71 den ersten von drei möglichen Titeln bescherte.

„Dass ein Gegner mit der Qualität von Lahn-Dill ein Spiel jederzeit kippen kann, haben wir im Pokalfinale gesehen“, warnt Trainer Engel seine Spieler davor, sich auf einem größeren Vorsprung „auszuruhen“. Binnen weniger Minuten hatte Wetzlar vor vier Wochen einen 14-Punkte-Rückstand in ei­nen Neun-Punkte-Vorsprung verwandelt, ehe die Bulls mit einem starken Schlussviertel antworteten und sich den Pokalsieg sicherten. Doch Engel stellt klar: „Wir haben unsere Fehler in diesem Spiel analysiert. Wenn wir auch am Freitag unsere Hausaufgaben machen, sind wir nur schwer zu schlagen.“

Verzichten muss Engel beim Final Four der europäischen Topteams auf den am Ellbogen verletzten Kapitän Raimunds Beginskis, der Einsatz von Jitske Visser ist ungewiss. Dafür ist Matt Scott sensationell erstmals seit seiner schweren Blutvergiftung im November wieder mit dabei.

Champions-League-Halbfinale:

RSB Thuringia Bulls – RSV Lahn-Dill, Freitag 17.30 Uhr, Walbrzych (Polen). Der Sieger bestreitet am Samstag das Finale, der Verlierer das Spiel um Platz drei

Drei „Bullen“ im EM-Aufgebot

Mit Jens Albrecht, André Bienek und Alex Halouski stehen drei Spieler der RSB Thuringia Bulls im Aufgebot der deutschen Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft für die EM vom 28. August bis 9. September, die wie das Final Four der Champions League im polnischen Walbrzych stattfinden wird. Die Europameisterschaft ist gleichzeitig die Qualifikation für die Paralympics in Tokio 2020 – nur die ersten vier Teams der EM qualifizieren sich für Tokio. Neben den Favoriten Türkei (Titelverteidiger) und Großbritannien (Weltmeister) müssen Halouski, Bienek, Albrecht und Co. vor allem Gastgeber Polen sowie Italien, Spanien und die Niederlande beachten.

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