Weimars Basketballer Vincent Garrett erlebt in den USA die Proteste hautnah

Weimar.  Der US-Amerikaner befindet sich gerade in seiner Heimat. Von dort erzählt er, was er gerade erlebt.

Vincent Garrett ist Basketballer in Weimar. Der US-Amerikaner weilt gerade in seiner Heimat und ist besorgt eingedenk der Unruhen.

Vincent Garrett ist Basketballer in Weimar. Der US-Amerikaner weilt gerade in seiner Heimat und ist besorgt eingedenk der Unruhen.

Foto: Jürgen Scheere

Er ist gerade in Arizona, im Grand-Canyon-State der USA. Vincent Garrett, Basketballer bei Culture City Weimar, nutzt die aktuelle Pause für einen Heimatbesuch – und um seinem Bruder beim Umzug zu helfen. Dass er dabei in die schwersten inneren Unruhen seines Heimatlandes seit den 1990er-Jahren geraten würde, hätte er sich wohl nicht träumen lassen. „Wir haben hier tatsächlich ein paar Plünderungen erlebt. Zum Glück hat das aber nicht lang angehalten“, erzählt er. Inzwischen sei man in seiner Kommune aber eher positiv gestimmt; Proteste: ja – die aber bitteschön friedlich.

Vor etwa drei Wochen kam in Minneapolis der Afro-Amerikaner Georg Floyd in Folge von Polizeigewalt ums Leben. Hernach brach sich ein Sturm des Protests, aber eben auch der Gewalt über die USA bahn. Plünderungen, angezündete Autos und Krawall bestimmten die Schlagzeilen. Vincent Garrett selbst bleibt da lieber in der Zuschauerrolle. „Man darf nicht vergessen, dass da noch immer dieses gefährliche Coronavirus ist. Meine Familie und ich bleiben deswegen lieber zuhause, lieber in Sicherheit“, sagt er. Man selbst könne eben nur sich selbst unter Kontrolle halten – was andere tun, nicht. „Aber so können wir den Unterschied für uns ausmachen“, sagt er.

Keine Erfahrungen mit Rassismus von Seiten der Cops gemacht

Aufgewachsen ist er in Chicago, einem wahrhaftigen Brennpunkt der Kriminalität in den Vereinigten Staaten. „Wenn man in einem Bezirk aufwächst wie ich dort, hat man automatisch auch seine Erfahrungen mit der Polizei“, berichtet er. Mit den „Cops“, wie er sie nennt, habe er aber keinerlei Auseinandersetzungen gehabt. Und bis jetzt, fügt er an, auch keine Erfahrungen mit Rassismus von deren Seite.

Der Vorfall um Georg Floyd bringt nun aber die Menschen auf die Straße, lässt sie protestieren gegen Rassismus innerhalb der Polizei, gegen Gewalt – aber leider artet manch Demonstration gewaltig aus. „Der richtige Weg des Protests wäre aus meiner Sicht, für einen wichtigen Grund aufzustehen, etwas tun, dass Veränderungen bringt – aber zu allererst friedlich. Wenn wir Frieden haben wollen, müssen wir unter Beweis stellen, dass wir Frieden auch leben und zeigen können. Derzeit ist es aber nur Chaos – und das führt zu weiteren Unruhen. Frieden wird durch Frieden kreiert", sagt Garrett. Eine Form der Artikulation können Gesten sein; eben solche wie von Colin Kaepernick, dem früheren Quarterback der San Francisco 49ers. Vor jedem Spiel der National Football League wird in den USA die Nationalhymne gespielt – und Kaepernick ging währenddessen auf die Knie. Große Kritik kam deswegen auf, weil es in den Staaten als Affront oder als Respektlosigkeit angesehen wird. Kaepernick verlor in der Folge auch seinen Job als Profispieler. „Mit dem, was er getan hat, habe ich zum Beispiel kein Problem“, sagt Garrett.

Dass die Vereinigten Staaten derzeit gar nicht so vereinigt, eher getrennt sind, sei augenscheinlich, erzählt er. „Aber das ist doch nicht nur bei uns in den USA ein Problem, sondern auf der ganzen Welt. Schon allein wenn man irgendwo ein Formular ausfüllen muss, und man nach seiner Herkunft oder ‘Rasse’ befragt wird, obwohl das doch keine Rolle spielen sollte“, sagt der Basketballer.

„Black lives matter“ -- zu deutsch: schwarze Leben zählen! – Das ist das Credo der Bewegung, die gerade weltweit auf die Straßen zieht. Für Garrett hat dieser Ausspruch natürlich einen tieferen Sinn. „Ihr sollt auf unser Leben schauen, wie auf euer eigenes. Es sind unsere Leben, die in Gefahr sind, weil es Dinge gibt, die eben nur Afro-Amerikanern passieren. Punkt. Es geschieht immer nur schwarzen Menschen. Wenn wir also sagen ‘black lives matter’, heißt das nicht mehr, dass unsere Leben den gleichen Wert haben wie alle andere auch. Und mehr wünschen wir uns auch nicht“, sagt Garrett.

Und die Lösung? Vincent Garrett sieht die nur auf globaler Ebene möglich: „Präsident Donald Trump kann allein nichts tun, um die Gewalt zu beenden. Die Welt muss zusammenkommen und das tun.“

Mehr friedliche als gewalttätige Menschen auf den Straßen

Kritik übt Garrett dabei auch an einem Teil der Medien. Manche würden eben nur das zeigen, was sie zeigen wollen. „Dann sieht man eben nur die Plünderungen, die Gewalt – aber nicht den friedlichen Protest“, sagt er. „Ich garantiere, dass es mehr friedliche Menschen auf den Straßen gibt als gewalttätige“, fügt er an. Die Plünderungen seien inzwischen gestoppt. „Die Leute sind nur auf den Straßen, um nach Veränderungen fragen. Das Ziel muss nicht nur eine nationale Veränderung, nein eine weltweite Veränderung sein“, erklärt er. Es ergebe doch keinen Sinn, wenn es den einen oder anderen Ort auf der Erde gebe, an dem Frieden herrsche, Rassismus ausgemerzt sei. „Und dann kommt man woanders hin und wird wegen der Farbe seiner Haut benachteiligt.“