Bei Champions League-Spiel von RB Leipzig entging Stadt wohl nur mit viel Glück Ansteckungswelle

Leipzig.  Virologe: Bei RB Leipzigs Champions-League-Partie am 10. März bestand die Gefahr einer Massenansteckung

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann jubelt über den 3:0-Sieg seines Teams. RB Leipzig hat das Viertelfinale der Champions League erreicht und damit den bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert.

Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann jubelt über den 3:0-Sieg seines Teams. RB Leipzig hat das Viertelfinale der Champions League erreicht und damit den bisher größten Erfolg der Vereinsgeschichte gefeiert.

Foto: Jan Woitas / dpa

Es scheint eine Ewigkeit her. Und doch sind erst 20 Tage vergangenen, seit hierzulande das letzte große Fußballspiel in einem vollen Stadion ausgetragen wurde. Es war die Champions-League-Partie zwischen RB Leipzig und Tottenham Hotspur vor 42.000 Zuschauern, mit der sich RB für ein Viertelfinale qualifizierte, von dem niemand sagen kann, ob es je ausgetragen wird.

Die Corona-Pandemie hält die Welt im größten Lockdown der Geschichte. Sie hat auch den Fußball in die Zwangspause geschickt – und in dieser tauchte die Frage auf, wie gefährlich es eigentlich gewesen ist, dieses Spiel auszutragen. Gestellt hat sie unter anderem der Chef des Instituts für Virologie der Universität Leipzig, Prof. Dr. Uwe Gerd Liebert, der in einem MDR-Beitrag zu Protokoll gab, dass er den Bundesligisten auf die Gefahr einer Massenansteckung informiert hat. Er habe den „Director Operations“ bei RB, Ulrich Wolter, „darauf hingewiesen, dass wenn nur ein Infizierter im Stadion mit 40.000 Personen sitzt, ein hohes Risiko besteht, dass diese eine Person andere ansteckt.“

Wie Recherchen auch dieser Zeitung ergeben haben, befanden sich tatsächlich mindestens drei Unternehmer in den VIP-Räumen des Stadions, die sich am Wochenende zuvor im Corona-Hotspot Ischgl in Tirol mit dem Virus angesteckt hatten. Ein weiterer, später positiv getesteter, Mann besuchte die Partie mit seinem Sohn. Sind die Stadt Leipzig und Umgebung nur mit viel Glück einer Ansteckungswelle entgangen, wie sie sich etwa nach der Champions-League-Partie zwischen Atalanta Bergamo und dem FC Valencia ergeben hat?

Wahrscheinlich. Die Infektionszahlen in der Messestadt sind mit 270 Fällen (Stand 29. März, 14 Uhr) im deutschlandweiten Vergleich immer noch moderat. Im Landkreis drumherum sind nur 77 Fälle bekannt. Keine große Gruppe dieser Fälle wird mit der Partie in Verbindung gebracht. Trotzdem sagt Matthias Hasberg, Sprecher der Stadt Leipzig, die damals Grünes Licht für die Austragung des Spiels gegeben hatte, dieser Zeitung: „Mit dem Wissen von heute würde man anders entscheiden.“

Damals hatte das Leipziger Gesundheitsamt nach anfänglichen Bedenken die Partie freigegeben. Vier Infizierte in der Stadt und 18 im Landkreis hatten das Bewusstsein für die Risiken noch nicht geschärft. Zwar hatte die Stadt sechs Tage zuvor die Leipziger Buchmesser abgesagt, aber die hätte ja „drinnen“ stattgefunden, wie es hieß. Das Fußballspiel sei hingegen eine Freiluftveranstaltung.

Dass dies dem Virus gleich ist, weiß man heute. Allemal RB Leipzig über geschlossene VIP-Räume für gut 1500 Menschen verfügt und seinen Spielern bereits untersagt hatte, diese im Anschluss an die Tottenham-Partie aufzusuchen. Liebert hatte die Unterscheidung auch damals schon für Augenwischerei gehalten. Gehör verschaffte er sich damit nicht. „Ich habe immer gesagt, dass man mit dem Schlimmsten rechnen muss“, so der 65-Jährige, „und das Schlimmste ist, wenn Infizierte bei einem Spiel sind, das unter ganz falschen Voraussetzungen zugelassen wird.“ Falsch in dem Sinne, „dass ein Fußballspiel eine Freilichtveranstaltung ist. Das ist es definitiv nicht, nur weil da die Sonne oder der Mond reinscheint.“