Beim Erfurt Indoor den Turbo gezündet

Erfurt.  Beim Erfurt Indoor glänzt ein Slowake im 60-Meter-Finale. Lokalmatador Wagner stellt persönliche Bestzeit auf.

Schnelle Beine: Bereits im Vorlauf hat Lokalmatador Julian Wagner (links) beim Erfurt Indoor in starken 6,68 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt.

Schnelle Beine: Bereits im Vorlauf hat Lokalmatador Julian Wagner (links) beim Erfurt Indoor in starken 6,68 Sekunden eine neue persönliche Bestzeit aufgestellt.

Foto: Sascha Fromm

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Jan Volko war vom Erfurter Leichtathletik-Meeting schon angetan, da war der erste Startschuss noch gar nicht gefallen. Tags zuvor hatte ihn Dieter Fromm vom Flughafen in Leipzig abgeholt und ihm auf der Autofahrt erzählt, dass er vor 51 Jahren selbst einmal Europameister geworden war. Der 60-Meter-Hallentitelträger war begeistert, zumal er sich noch genau an seinen Landsmann Jozef Plachy erinnern konnte. Der nämlich hatte einst bei den Titelkämpfen in Piräus gegen Fromm hauchdünn verloren.

Weil der Erfurter den Slowaken schnell und sicher nach Thüringen chauffierte, bedankte sich Volko via Instagram nicht nur mit einem historischen Foto von Fromm. „Manchmal dachte ich, er ist ein Formel-1-Fahrer“, schrieb augenzwinkernd der Slowake, der auf der Erfurter Tartanbahn beim Indoor selbst den Turbo zündete.

Im Halbfinale musste Volko mit 6,6 Sekunden allerdings im 60-m-Vorlauf einem Erfurter Youngster fast den Vortritt lassen. Julian Wagner verbesserte seine persönliche Bestzeit um unglaubliche 0,06 s den auf 6,67 s. Der 21-Jährige war dabei mehr als nur ein Ersatzmann für Julian Reus. Der schnellste Deutsche verzichtete auf sein Heimmeeting wegen wichtiger Olympia-Qualifikationspunkte beim Meeting am Dienstag in Düsseldorf, war als Organisator in der Halle aber dabei.

Im Finale schließlich war Volko nicht zu schlagen und gewann in ausgezeichneten 6,60 Sekunden. Wagner schaffte in 6,72 Sekunden noch einmal eine starke Zeit und wurde Siebenter.

Mit dem wilden Trommelwirbel vom Karneval-Klub Helau aus Erfurt ging das Indoor vor über 1000 Zuschauern stimmungsvoll in die erste Runde. Mit 154 Athleten aus 20 Ländern ist das Hallenmeeting nun auch richtig international geworden. Der erste Sieg des Abends ging dabei an die Bahamas. Devynne Charlton setzte sich über 60 Meter Hürden in 8,29 Sekunden durch. Einen Favoritensieg feierte auch die Staffel-Vizeweltmeisterin Patrycja Wyciszkiewicz-Zawadska aus Polen in 52,55 Sekunden.

Ein starkes 800-m-Rennen lieferten die Münchner Trainingskameradinnen Christina Hering und Katarina Trost, das die 1,85 Meter lange Hering in deutscher Jahresbestzeit von 1:02,93 Minuten knapp gewann. Auch bei den Männern gab es eine neue deutsche Bestmarke. Der nationale Titelträger Marc Reuther von der LG Eintracht Frankfurt schaffte die zweitbeste, jemals gelaufene 800-m-Zeit in Deutschland. Seine starken 1:45,39 Minuten bedeuteten gleichzeitig einen neuen Meeting-Rekord. Schnellste Indoor-Frau war Antonia Dellert (Wetzlar), die die 60 Meter in 7,43 Sekunden herunter trommelte.

Unter den Augen vieler Thüringer Leichtathletik-Legenden wie Hürden-Olympiasiegerin Johanna Klier lieferten die besten deutschen Hindernis-Männer ein tolles 1500-m-Rennen. Der Dresdner Hindernis-Meister Karl Bebendorf verteidigte seinen Vorjahressieg und verpasste den Meeting-Rekord in 3:43,19 Minuten nur knapp. Der Erfurter Martin Grau hielt als Dritter prima mit. Knapp 48 Stunden nach seiner Rückkehr aus dem Trainingslager in Südafrika spürte er seine müden Beine überhaupt nicht mehr. „Ich bin sehr zufrieden, denn ich wollte eine neue persönliche Hallenbestzeit auf dieser Strecke aufstellen. Und das ist mir gelungen“, sagte der 27-jährige Hindernisläufer, der nach 3:45,27 Minuten den Zielstrich überquerte und damit seine vor zwei Jahren beim Erfurter Meeting aufgestellte Bestmarke (3:46,62) nach unten schraubte.

Auch der Nachwuchs stand im Lichtkegel des Indoor-Meetings. Bei den 10-Jährigen lagen Carlo Wodarz und Oskar Schmidt in 7,81 Sekunden gleichauf und gewannen damit den Erfurter Sprint-Cup. Schnellste 14-jährige Erfurter Schülerin war Esra Sel in 7,56 Sekunden.

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