Black Dragons vor dem Saisonstart: Anpfiff ins Ungewisse

Erfurt.  Mit neuen Gesichtern und einem großen Fragezeichen im Kopf bereitet sich der Erfurter Eishockey-Oberligist auf die Saison vor.

Verschnaufen und zuhören: Die Trainingslagerwoche der Black Dragons war für die Spieler eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Übungen unterbrach der akribische neue Trainer Raphael Joly immer wieder für Erklärungen und Anweisungen.

Verschnaufen und zuhören: Die Trainingslagerwoche der Black Dragons war für die Spieler eine schweißtreibende Angelegenheit. Die Übungen unterbrach der akribische neue Trainer Raphael Joly immer wieder für Erklärungen und Anweisungen.

Foto: Jakob Maschke

Schrill tönen die Pfiffe durch die Halle, alle paar Sekunden unterbrechen sie eine Übung. Nichts

bleibt unerklärt. Der neue Coach der Black Dragons Erfurt, Raphael Joly, arbeitet akribisch daran, die Drachen für die Saison in der Eishockey-Oberliga Nord, die in drei Wochen starten soll, in Form zu bringen. Und zeigt ihnen, auf dem Eis, aber auch bei vielen Videoanalysen, vorzugsweise mit Szenen aus der besten Liga der Welt, der NHL, auf, wie sie sich noch verbessern können. „Ich will jeden Spieler voranbringen und eine professionelle Atmosphäre schaffen“, sagt der 31-jährige Trainernovize, der sich selbst als kommunikativ, ehrlich und direkt bezeichnet, im Brustton der Überzeugung.

Damit kommt der Neue bei den Spielern gut an. „Sein Training ist abwechslungsreich und innovativ, er führt viele Einzelgespräche und erklärt sehr gut“, lobt Maurice Keil den Mann, der mit Pfeife und Basecap bei jeder Übung mittendrin ist.

Das mit den vielen Unterbrechungen finden sie gar nicht so schlimm. Dann können sie den Helm absetzen, verschnaufen und einen Schluck aus der Pulle nehmen. So wie der neue Torwart Konstantin Kessler, dem man dabei ansieht, dass Jolys Training ziemlich anstrengend sein muss. Kessler, von dem sich der Verein konstanteres Torwartspiel als von dessen Vorgänger Benedict Roßberg verspricht, ist einer von sechs neuen Spielern, die sich in der Trainingslagerwoche, mit zehnmal Eistraining plus jeden Tag Athletik, in der altehrwürdigen Kartoffelhalle tummeln. Arnoldas Bosas, der hünenhafte litauische Flügelstürmer, der von den Hannover Indians kam, „soll uns mit seinem sehr guten Zug zum Tor und Abschluss mehr Durchschlagskraft verleihen“, sagt Henry Tews, sportlicher Leiter des EHC Erfurt, der den neuen Kader mit Vereinsikone, Scout und Nachwuchstrainer Christian Grosch federführend zusammengestellt hat.

Fischer soll als Verteidiger agieren

Thomas Schmid stößt aus der Oberliga Süd dazu. Der 26-Jährige versprüht beim Training gute Laune und soll in der Verteidigung neben Roberto Geiseler den defensiven Part übernehmen, während Petr Gulda und der nach hinten beorderte Sean Fischer die Offensivakzente setzen sollen. Die Verteidigung ergänzt auch Tilman Pfister, der nach einem einjährigen Abstecher in seine Heimat nach Schweinfurt zurück in Erfurt ist.

Für die Offensive wurden neben Bosas noch Victor Beck von Ligarivale Rostock, „ein starker Center“ (Tews), sowie Alexander Spister, der aus Duisburg dazustößt, geholt. Spister soll Paul Klein ersetzen, der unerwartet seine Karriere beendete.

Moment, fehlt da nicht einer? Richtig, das Engagement des kanadischen Centers Tyler Mosienko, der eigentlich der Königstransfer war, hat sich zerschlagen. „Wir waren in den letzten Wochen viel in Kontakt, haben faire, offene Gespräche geführt. Tyler hat sich entschieden, derzeit nicht aus der Heimat nach Deutschland zu kommen, weil er in der aktuellen Situation seine Familie nicht in Gefahr bringen will“, begründet EHC-Präsident Martin Deutschmann den geplatzten Transfer. Der Verein will die zweite Ausländerstelle zeitnah mit einem Leihspieler besetzen, um sich im Saisonverlauf für Mosienko ein Hintertürchen offen zu halten.

In diesem Zusammenhang offenbart sich die eine große Frage, die auch den Vereinsverantwortlichen in Erfurt immer wieder durch die Gedanken schwebt: Welche Auswirkungen wird die Corona-Pandemie auf die Saison haben?

EHC kritisiert Spielplan als zu eng

„Wirtschaftlich sind wir abgesichert, da wir vorsichtig geplant haben und der Spitzensport-Fonds des Landes als existenzielle Hilfe dazukam“, nimmt Deutschmann die Sorge, die Saison könne ein finanzielles Vabanquespiel werden. Jedoch darf die Halle nur von 315 Zuschauern genutzt werden, maximal in Zweiergruppen mit zwei Metern Abstand. „Die Lage ist ernst, es geht nur nach der Prämisse: So viele wie gesundheitlich vertretbar, nicht so viele wie irgendwie möglich“, stellt der Präsident klar.

Insofern plädierte die Führungsebene der Erfurter auch geschlossen gegen eine Doppelrunde mit 48 Spielen, je zweimal daheim und auswärts gegen alle zwölf Gegner. „Wir waren nur für eine anderthalbfache Runde, damit Spielraum im Terminplan für etwaige Nachholspiele bleibt, doch die Klubs haben mit sieben zu sechs für die Doppelrunde gestimmt“, bedauert Deutschmann das Votum. Tews findet kritische Worte: „Der Spielplan ist zu eng. Ich bin mir sicher, es wird einige Absagen wegen Quarantäne geben.“

Schon die Testspiele der Erfurter sind betroffen: Bei Süd-Oberligist Weiden, einem von drei Vorbereitungsgegnern, haben sich gleich 15 Spieler mit dem Virus infiziert.