Blankenhains Lucas Sorge – der Fußballer, der nie woanders spielte

Stephan Klaus
| Lesedauer: 5 Minuten
Lucas Sorge (Mitte) ist bei Grün-Weiß Blankenhain seit vielen Jahren eine der Stützen der ersten Männermannschaft.

Lucas Sorge (Mitte) ist bei Grün-Weiß Blankenhain seit vielen Jahren eine der Stützen der ersten Männermannschaft.

Foto: Jürgen Scheere

Blankenhain.  Das sagen die Kapitäne: Blankenhains Lucas Sorge über Engagement, den Team-Umbruch und privates Glück

„Ein Teil des Fußballvereins in Blankenhain zu sein, muss man erleben; das kann man nicht beschreiben. Ich konnte es nie übers Herz bringen, woanders hinzugehen.“

Die Liebesbekundung für seinen FSV Grün-Weiß lässt die Rarität bereits erahnen: Lucas Sorge, heute 33 Jahre alt, hat das Kunststück geschafft, in seiner nun mehr als ein Vierteljahrhundert währenden Karriere nie den Verein gewechselt zu haben. Er genießt das Vereinsleben mit jedem Atemzug, das Umfeld, die jüngere Geschichte mitsamt der Auf- und Abstiege beim aktuellen Kreisoberligisten.

Seit fünf Jahren ist Sorge, der sich selbst durchaus als Lautsprecher auf dem Fußballplatz einschätzt, Kapitän seines Teams. Er trägt die Binde des Spielführers mit Leidenschaft und Stolz.

Vier Buchstaben auf der Brust

Jenem Stolz, den er empfindet, wenn er an die jüngste Aktion der Männerteams eins und zwei verweist. Wenige Tage sind vergangen, als die Spieler die neuen Trikotsätze in Grün und Weiß vorgestellt haben. Die Besonderheit prangt in großen Lettern auf der Brust: DKMS. Die Idee, Werbung für die ehemals als Deutsche Knochenmarkspenderdatei bekannte gemeinnützige Organisation im Kampf gegen Blutkrebs kam aus den Teams heraus, ein Sponsor hat sie sofort unterstützt.

„Jetzt würden wir natürlich gern im Rahmen eines Fußballspiels die Möglichkeit einer Typisierung anbieten. Doch leider geht sportlich ja im Moment nichts.“

Der Sport und das Vereinsleben fehlen Lucas Sorge derzeit am meisten. Die Arbeit kann der Software-Entwickler neben dem Homeoffice zum Teil noch mit den wenigen Kollegen verrichten – was ihm als Teamplayer wichtig ist. „Das ist schöner, als allein zu arbeiten“, sagt Sorge bestimmt. Ein Grundsatz von ihm ist, die Dinge gemeinsam anzupacken, um sich auch gemeinsam über das Erreichte zu freuen.

Das sollte optimalerweise erfolgreich sein. „Ich würde mich schon als ziemlich ehrgeizig einstufen“, so der Kapitän. Aufgrund dieser Begebenheit ist sein Votum zum freiwilligen Abstieg 2020 aus der Landesklasse schon etwas überraschend. „Als wir im letzten Sommer über die Ligazugehörigkeit diskutierten, habe ich wohl zum ersten Mal für den Weg der unteren Spielklasse gestimmt. Wir waren ziemlich gespalten. Sonst will ich immer so weit vorn wie möglich sein. Doch wir befinden uns mitten im Umbruch. Ein weiteres Jahr Landesklasse wäre vermessen gewesen.“

Umbruch geht weiter

Aus der starken Mannschaft Mitte des vergangenen Jahrzehnts mit zwei Landesklasse-Aufstiegen und dem Kreispokalgewinn 2016 sind etliche Spieler altersbedingt ausgeschieden. Die Mischung aus Routine und Erfahrung ist voll im Gange. „Aber noch lange nicht abgeschlossen. Von einer notwendigen Konstanz im Spiel kann keine Rede sein, wir hatten zuletzt fast jede Woche mit einer anderen Mannschaft gespielt. Auch wenn es vor der Coronapause mit zwei Siegen ganz gut gelaufen war.“ Zum Zeitpunkt des Abbruchs steht Blankenhain auf Kreisoberliga-Rang zehn.

Ein Umbruch also – ein gestreckter, aber mächtiger: „Mit Vitalij Kraft vom SV Am Ettersberg haben wir schon den ersten Neuen“, erzählt Sorge. „Mit weiteren Spielern führen wir Gespräche. Namen verraten wir natürlich erst, wenn die Jungs bei uns angekommen sind.“

Das Gleiche gilt für den Trainer. Dessen Posten hatte jüngst ein weiteres Grün-Weiß-Urgestein inne: Jochen Wedekind. „Er hat bei uns bereits die A-Junioren trainiert und die zweite Mannschaft. Doch schon allein beruflich kann er es nicht einrichten, zu jedem Training zu kommen“, sagt Sorge, der Wedekind gemeinsam mit Teamkollege Tobias Simla beim Coachen unterstützt hatte. Eine Aufgabe, die dem Kapitän liegt, wie so vieles was mit dem Verein zu tun hat. Bezeichnend, dass er so ziemlich jede Position auf dem Spielfeld bereits irgendwann eingenommen hat. „Am liebsten spiele ich als Zehner“, ganz gemäß seiner Rückennummer. „Aber eingesprungen bin ich überall, wo jemand gefehlt hat.“ Ein Allrounder, der am Ende seiner Fußballerkarriere ein ähnlich facettenreiches Engagement auch im Verein für sehr wahrscheinlich hält.

Bis dahin will er noch eine Menge Tore schießen – und noch mehr vorbereiten, wie es die Statistik auf der Vereinshomepage ausweist. Den zwei schweren Verletzungen seiner Karriere soll keinesfalls eine weitere folgen, die ein abruptes Ende nach sich ziehen könnte.

Einen neuen Anfang hat Lucas Sorge bereits gemacht: Das Familienteam wächst. „Es wird ein Junge, er wird bestimmt in Blankenhain Fußballer“, sagt Sorge mit vollendeter Erwartung auf den Neuankömmling, der mit Sicherheit auch das Leben des Papas auf den Kopf stellen wird. „Es ist unser erstes Kind, wir freuen uns wahnsinnig.“ Im Juni soll es soweit sein.