Bleicherodes Liebergesell: „Habe nicht ein Spiel mitgemacht“

Sebastian Fernschild
| Lesedauer: 5 Minuten
Tobias Liebergesell in seinem Element.

Tobias Liebergesell in seinem Element.

Foto: Christoph Keil

Bleicherode.  Im Interview spricht Tischtennisspieler Tobias Liebergesell aus Bleicherode über seinem neuerlichen Wechsel.

Alle halbe Jahre wieder, könnte man meinen. So sieht aktuell das Wechselprozedere von Tischtennisspieler Tobias Liebergesell aus. Nun schlägt er wieder für seinen Heimatverein, den TTV Bleicherode auf. Wir sprachen mit dem 28-jährigen Maschinenbauingenieur über seine Rückkehr, die Gründe und was in naher Zukunft ansteht.

Alle halbe Jahre sind Sie nun zwischen Bayern und Bleicherode gewechselt. Das erlebt man auch nicht allzu oft.

In den letzten zwei Jahren ist es tatsächlich so. Zuvor war das nie der Fall. Ich bin mit fünf, sechs Jahren zum TTV gekommen und war knapp 21 Jahre hier. Von daher weiß ich, was Vereinstreue bedeutet. Ich hatte eigentlich nie vor, irgendwo anders hin zu wechseln. Bleicherode ist mein Heimatverein.

Warum sind Sie dann gewechselt und wann war das genau?

Das war vor etwa zwei Jahren, im September 2019. Ich bin seit 2017 in Coburg und arbeite dort. Zwangsläufig wurde Coburg mein Lebensmittelpunkt und so ging es irgendwann wegen Beruf und Fahrerei nicht anders.

Welcher Verein war es damals?

Der TTC 1964 Wohlbach. Sie hatten eine Mannschaft, die auf meinem Niveau gespielt hat. Wir wollten dann aufsteigen in die Verbandsliga Bayern, sind auch Meister geworden. Aber dann kam Corona und die Saison wurde abgebrochen. Unglücklicherweise hat sich dann die Mannschaft aus internen Gründen aufgelöst. Das war sehr ärgerlich, hatte aber meines Erachtens nichts mit Corona zu tun.

Dann ging es wie weiter?

Plötzlich stand ich da und hatte keinen Verein. Mein Kontakt zu Bleicherode war immer da und dann bin ich wieder zum TTV gegangen, um den Jungs zu helfen, nicht abzusteigen. Das war im Frühsommer 2020 und die Saison ging im September los. Dort haben wir richtig gut gespielt und sind am Ende Dritter geworden.

Bis zur damaligen Zwangspause im November waren Sie in Bleicherode. Dann ging es zum TTV Rödental bei Coburg. Das war so abgemacht?

Ja richtig, darauf hatten wir uns alle verständigt. Die erste Halbserie in Bleicherode und die zweite in Rödental. Dadurch, dass wir in Bleicherode Dritter waren, war das Vorhaben Klassenerhalt in trockenen Tüchern. So konnte ich mit ruhigem Gewissen und gutem Gefühl wechseln.

Als Sie gewechselt sind, war Zwangspause und dann kam der Abbruch. Haben Sie dort überhaupt ein Spiel gemacht?

Nein, kurioserweise nicht. Das kann man eigentlich nicht glauben. Damit hätte niemand gerechnet. Ich bin gewechselt, weil ich spielen wollte.

Also haben Sie dort auch nicht trainiert?

Doch, ich habe gute Kontakte zum Verein und damals schon dort mittrainiert. Rödental wollte aufsteigen, dabei wollte ich helfen. So war mal der Plan.

Und nun ohne ein Spiel gemacht zu haben wieder Bleicherode…

Die Entscheidung dafür ist etwas komplexer. Ich hab ein Jobangebot in Südkorea bekommen. Ich und meine Freundin werden im September dorthin gehen. Ich arbeite bei Brose Fahrzeugteile. Wir entwickeln weltweit Sitzsysteme für Fahrzeuge. Für die nächsten zwei Jahre werde ich dort an Projekten mitarbeiten.

Aber warum dann der Wechsel wieder nach Bleicherode?

Wenn ich beispielsweise Weihnachten Heimaturlaub mache, werde ich in Bleicherode sein. Dann möchte ich die Möglichkeit haben, auch dort zu spielen. Ob das eintritt, weiß ich nicht. Die Chancen sind eher gering. Aber ich möchte einfach meinem Heimatverein verbunden sein und wenn, dann für den TTV spielen.

Wie lange haben Sie denn kein Tischtennis mehr gespielt?

Ich glaube mein letztes Spiel war im Oktober. Irgendwie ist man raus.

Ist es Ihnen schwer gefallen, die Entscheidung für Südkorea zu fällen?

Ja, das kann schon sagen. Für mich war das ein super Angebot. Aber für meine Freundin ist es schwieriger, da sie als Erzieherin dort erst noch einen Job finden muss. Aber solch eine Chance bekommt man wahrscheinlich nur einmal im Leben.

In der aktuellen Lage stellt man sich solch ein Unterfangen sehr schwer vor.

Es ist auch alles andere als einfach, einzureisen, was ich schon bei den Dienstreisen gemerkt habe. Ich hoffe einfach, dass es bis dahin mehr Lockerungen gibt und wir vielleicht geimpft sind. Aber an sich hat Südkorea die Pandemie gut im Griff, im Vergleich zu Deutschland.

Werden Sie dort auch spielen?

Ich will mich fit halten. Letztendlich bin ich dort, um zu arbeiten, aber ein paar Turniere möchte ich schon spielen.

Können Sie koreanisch?

Meine Freundin und ich wollen einen Sprachkurs machen. Aber an sich spreche ich dort an der Arbeit englisch. Ich bin ehrlich, wenn wir nach den zwei Jahren wieder da sind, sprechen wir nicht unbedingt fließend koreanisch.