Bobfahrer Krenz: „Meine emotionalste Saison“

Henschleben.  Bobfahrer Paul Krenz will mit Juniorenweltmeister Oelsner im kommenden Winter eine WM-Fahrkarte erobern.

Paul Krenz (rechts) hier mit seinem ehemaligen Piloten Nico Walther.

Paul Krenz (rechts) hier mit seinem ehemaligen Piloten Nico Walther.

Foto: Ed Gar / imago

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Seit einigen Tagen ist Paul Krenz wieder zu Hause in Henschleben bei Gebesee. Nach einer packenden Saison, die mit WM-Bronze für den Bob-Anschieber überglücklich endete, erholte sich der Nordthüringer, der aus Heringen stammt, ein paar Tage in Ägypten. Nun richtet sich der Blick schon wieder nach vorn, denn für den 28-jährigen einstigen Judoka ändert sich im kommenden Winter einiges.

Waren Sie froh, mit dem Flieger noch nach Hause gekommen zu sein?

Alles normal. Es gab keine Probleme mit dem Flug von Hurghada nach Leipzig. Die Woche in der Sonne hat mir gut getan nach dieser schier unglaublichen Saison.

Haben sie noch Schmerzen am gebrochenen Fußknöchel?

Nein. Es tut nicht mehr weh. Der Bruch ist aber natürlich noch nicht ganz verheilt. Nun habe ich noch ein bisschen Zeit zur Erholung, weil die Ausbildung bei der Bundespolizei bis nach Ostern auf den 19. April verschoben wurde.

WM-Bronze im Vierer mit so einer Verletzung. Was bleibt ihnen von diesem Bob-Winter auf ewig in Erinnerung?

Es war sicher die emotionalste Saison meiner Karriere. Ich bin wohl so oft gestürzt, wie in meinen sechs Bob-Jahren zusammen. Dass ich mit einem gebrochenen Fuß noch WM-Bronze mit unserem Team geholt habe, ist ein Triumph des Willens. Das zeigt, was körperlich möglich ist, wenn man es wirklich will.

Ihr Pilot Nico Walther erklärte bei der WM noch im Ziel seinen Rücktritt. Wussten Sie zuvor davon?

Nein. Wir haben es auch erst im Ziel erfahren. Nach dem Glück der Medaille brach dann eine Welt zusammen. Wir haben inzwischen darüber gesprochen, dass er nach den vielen Stürzen einfach nicht mehr weiterfahren will. Ich kann es nachvollziehen.

Haben Sie noch Kontakt zu Walther?

Fast täglich. Das ist keine dienstliche Verbindung. Nico ist ein sehr guter Freund von mir. Er war der erste, der mir in der obersten Liga das Vertrauen schenkte. Das werde ich ihm nie vergessen.

Und nun wechseln Sie zum nächsten Dresdner Piloten. Warum Richard Oelsner?

Richie hat mich nach der WM gefragt, ob ich mit ihm zusammenzuarbeiten möchte. Ich kenne ihn lange. Wir haben 2015 bei der Junioren-WM Bronze im Zweier geholt und zuletzt in der Oberbärenburger Trainingsgruppe gearbeitet.

Warum nicht die Topteams von Friedrich oder Lochner?

Bei Franz ist der Bob voll mit seinen Stammanschiebern. Ich will ja fahren und nicht vielleicht als Ersatzmann nur an der Seite stehen. Ich glaube, Richard Oelsner ist der erste Kandidat auf den freien dritten Platz für den Weltcup. Er war bei der Weltmeisterschaft jetzt erstmals immerhin als Fünfter im Zweier dabei. Seine Entwicklung geht in die richtige Richtung und dabei möchte ich helfen.

Sie sind einer der besten Anschieber Deutschlands. Denken Sie auch über Änderungen im Training nach, um sich zu verbessern?

Ich habe mich jetzt jedes Jahr gesteigert. Daran möchte ich anknüpfen. Man muss immer alles auf den Prüfstand stellen. Aber ich werde mit meinem Athletik-Trainer Norman Dannhauer in Erfurt sicher nichts groß ändern. Never stop a running system heißt es auf Englisch.

Sie haben jetzt schon zweimal Bronze bei einer WM geholt. Wie lauten die Ziele für die Titelkämpfe 2021 und für Olympia in Peking ein Jahr später?

Ich will mich nicht so weit aus dem Fenster lehnen. Aber in Peking will ich nicht am Rand der Bahn stehen wie bei meinem Olympia-Debüt in Pyeongchang, wo ich damals als Ersatzmann aber sehr glücklich war. Mit Richard will ich den Weltcupplatz bei der nationalen Selektion im Herbst erobern und am Ende der Saison zur WM nach Lake Placid in die USA fahren. Dort wird es aber sicher sehr viel schwerer als bei der Heim-WM in Altenberg. In Lake Placid haben wir deutschen Bobs noch nicht so viel gewonnen.

Es gibt noch ein Leben neben dem Bob, wie wir jetzt in Corona-Zeiten auch mal schmerzlich erkennen müssen. Wie organisieren Sie das Zusammensein mit ihrer Tochter Lina, die bei ihrer Mutter lebt?

Lina ist ja im Moment auch nicht in der Schule. Wenn sie dann wieder bei mir ist, können wir hier auf dem Land viel Radfahren. Ich habe zudem ein großes Klettergerüst im Garten aufgebaut. Lina wird es bestimmt nicht langweilig.

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