Mit Mut und Kopfschmerzen: Nordhäuser SV in Notbesetzung chancenlos

Hannover  Die Nordhäuser Bundesliga-Boxer verlieren den Meistertitel nach einem derbem 8:14 an Hannover-Seelze.

Es war leider kein Duell auf Augenhöhe zwischen Nordhausen und Hannover – nicht nur im Superschwergewicht. Steve Wasilewski (links) hielt eine Runde gegen den ukrainischen Riesen Olyksandr Babych durch. Der zeigte sich nach dem Sieg sprungewaltig.

Es war leider kein Duell auf Augenhöhe zwischen Nordhausen und Hannover – nicht nur im Superschwergewicht. Steve Wasilewski (links) hielt eine Runde gegen den ukrainischen Riesen Olyksandr Babych durch. Der zeigte sich nach dem Sieg sprungewaltig.

Foto: Christoph Keil

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Steve Wasilewski saß wippend im Kofferraum des Kleinbusses und hörte Musik. Der Nordhäuser versuchte sich vor dem ungleichen Kampf gegen den ukrainischen Meister abzulenken. Erst am Mittwoch hatte er erfahren, dass er im Superschwergewicht noch einmal für den NSV in Hannover antreten soll. „Meinen letzten Kampf hatte ich im Mai vorigen Jahres. Ich dachte eigentlich, die Karriere sein beendet. Doch ich bin ja jetzt nicht von der Couch gefallen. Ich habe aber zwar eine Schulterverletzung, aber wenn der Verein ruft, komme ich“, sagte der mutige Superschwergewichtler.

Im Schwergewicht fanden die Nordhäuser gar keinen Kämpfer, der wenigsten den einen Punkt auf der Waage geholt hätte. So war die deutsche Meisterschaft nach dem klaren 10:13 im Hinkampf schon vor dem finalen Gong für den BSK Hannover-Seelze entschieden. Am Ende war die Notbesetzung des Titelverteidigers mit 8:14 diesmal total chancenlos.

„Ich hatte diese Woche ziemlich Kopfschmerzen, weil ich nicht mehr wusste, wen ich noch aufstellen kann“, sagte Cheftrainer Andreas Dietrich-Scherfling mit waidwundem Blick. Gleich zehn Kämpfer seine Kaders hatten wegen Verletzungen abgesagt. Zwei Sportler mussten bei einem Turnier in Belgrad boxen. So reisten mit den Holländern Peter Mullenberg, Enrico LaCruz, dem Bulgaren Daniel Asenov und Magomed Ataev nur vier wirklich konkurrenzfähige NSV-Boxer ins mit 1000 Fans prall gefüllte Autohaus Kahle am Leineufer.

LaCruz gewann wie im Hinkampf. Mullenberg schaffte diesmal eine Klasse tiefer im Halbschwergewicht nur ein Unentschieden, sonst gab es mächtig Prügel für die aber couragiert auftretende Nordhäuser Rumpftruppe. Trotz eines deutlich stärkeren Auftritts des Fliegengewichts-Europameisters Daniel Asenov hieß gleich zu Beginn der Veranstaltung auch in Hannover der Sieger wieder Ramon Sharafa (BSK Seelze). Für Überraschungen konnten weder Ataev noch Fidan Gashi und Gevorg Kalavshyan sorgen. Die beiden blutjungen sachsen-anhaltinischen Nachwuchskräfte hatte der NSV kurzfristig verpflichtet. Sie kamen immerhin bis in die zweiten Runde, ehe richtigerweise das Handtuch flog.

Auch der wackere Steve Wasilewski „überlebte“ wenigstens die erste Runde gegen Olyksandr Babych aus dem früheren Boxstall der Klitschkos. Dann aber blieb Wasilewski die Luft weg. Das Autohaus dröhnte, Hannover feierte wild den ersten Titel für Trainer Arthur Matheis und seine Seelzer Boxer. Für die Verlierer aus Thüringen gab es höflichen Applaus.

„Wir gratulieren der besten Mannschaft und Arthur Matheis, die sich diesen ersten Titel verdient haben. Seelze war die konstantere, stabilere Mannschaft“, sagte NSV-Cheftrainer Dietrich-Scherfling und umarmte Andreas Meyer. Der Sportmarketing-Experte hatte mit seinem Einsatz erst die Bundesliga-Saison möglich gemacht. Zwar sei die Mission Titelverteidigung nicht geglückt, doch man sei immerhin deutscher Vizemeister geworden und könne darauf auch stolz sein, so Meyer. Ob Nordhausen auch im kommenden Jahr wieder in der Bundesliga boxen wird , ließ Meyer noch offen. „Auf jeden Fall wollen wir weiter unseren Weg erfolgreich mit jungen Thüringer Boxern gehen, wenn das in der Bundesliga möglich ist“, erklärte Meyer.

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