Berufliche Zukunft überdacht: Kammlott drückt nochmal Schulbank

Bad Frankenhausen.  Der Fußball-Angreifer Carsten Kammlott, der zum Schlusslicht der Fußball-Thüringenliga wechselt, macht künftig auch eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten.

Schnürt künftig die Schuhe für Blau-Weiß Bad Frankenhausen: Carsten Kammlott.

Schnürt künftig die Schuhe für Blau-Weiß Bad Frankenhausen: Carsten Kammlott.

Foto: Sascha Fromm

Verblüffte und glückliche Gesichter am Kyffhäuser. Fußball-Torjäger Carsten Kammlott wechselt zum SV Blau-Weiß 91 Bad Frankenhausen, dem Tabellenletzten der Thüringenliga. „Am Dienstag ist das erste Training und ich freue mich auf meine Mannschaftskameraden“, sagte der Ex-Profi, der zuletzt für Wacker Nordhausen gespielt hatte.

„Es hat einfach alles gepasst. Sie haben sich sehr um mich bemüht und es war von Anfang an echte Sympathie da“, sagte Kammlott, der vor 30 Jahren im Krankenhaus von Bad Frankenhausen geboren wurde. Dem Stürmer, der einst bei RB Leipzig und Rot-Weiß Erfurt kickte, geht es bei dem Engagement in der sechsten Liga vor allem um seine berufliche Zukunft und die Nähe zur Heimat. „Ich werde nochmal die Schulbank drücken“, sagte Kammlott, der in der Kurstadt eine Umschulung als Verwaltungsfachangestellter machen wird, unserer Zeitung. „Das ist ein wichtiger Schritt für mich, denn ich hatte ja immer alles auf den Fußball gesetzt und nur einmal eine Lehre als Bürokaufmann angefangen. Doch mit 30 muss man an die berufliche Zukunft, an Familie und auch an die Rente denken“, sagte Kammlott.

86 Treffer in über 300 Spielen

Die Tabellenposition der Frankenhäuser habe ihn nicht verschreckt, sagte der Mann, der es in über 300 Spielen in der 3. und 4. Liga auf 86 Treffer brachte. Er hofft nun, dass der TLV-Verbandstag am Sonnabend vorzugsweise auf einen Saisonabbruch ohne Absteiger entscheidet, damit er mit seinen neuen Kollegen weiter in der Landesliga spielen kann.

Wacker Nordhausens Präsident Torsten Klaus und dessen Vize Philipp Hoinkis sagte Kammlott übrigens zuvor persönlich ab. „Sie hatten für mich ein ähnliches Angebot. Ich hätte auch bei Wacker in der Oberliga weiter Bock gehabt. Wichtig war aber für mich auch, dass ich von meinem Wohnort Nausitz nun nur zwanzig Minuten bis zum Training brauche“, erklärte Kammlott.

Mannschaftsbetreuerin fädelt Deal ein

Eingefädelt hatte den unglaublichen Kammlott-Deal übrigens Julia Ritter, die Mannschaftsbetreuerin und Tochter des Blau-Weiß-Präsidenten Achim Ritter. „Julia sagte, ich rufe ihn einfach mal an. Ja, mach' mal, dachte ich so. Dann haben wir uns mit Carsten getroffen. Er ist ein sehr angenehmer junger Mann. Finanziell hätten wir bei den anderen Angeboten, die er wohl hatte, natürlich nicht mithalten können. Aber durch die berufliche Perspektive, die er hier bei uns jetzt hat, und durch glückliche Umstände spielt Carsten nun in Bad Frankenhausen", sagte Achim Ritter, der mit seinem Stellvertreter Joachim Musche den Transfer unter Dach und Fach brachte.

Blau-Weiß-Kapitän Tino Auerbach ist jedenfalls begeistert: „So richtig konnte man es gar nicht glauben, als uns der Präsident diese Mitteilung verkündete. Überall waren große Augen und freudestrahlende Gesichter zu sehen.“

Kammlotts erste Tore werden nicht lange auf sich warten lassen. Erster Test ist am 25. Juli (14 Uhr) gegen Großwechsungen.

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