Der 1. FFV Erfurt hat einen Wunsch: Carl Zeiss Jena

Erfurt.  FFV-Fußballerinnen schießen sich mit einem 3:1 gegen Phoenix Leipzig erstmals in die zweite Runde des DFB-Pokal.

Die Erfurterinnen jubelten über den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals.

Die Erfurterinnen jubelten über den Einzug in die zweite Runde des DFB-Pokals.

Foto: Sebastian Dühring

Sie hüpften im Kreis, sie jubelten, als wäre der Sprung in die zweite Liga geschafft worden. Dabei war es nur ein Spiel und doch etwas, was es beim 1. FFV Erfurt noch nicht gab. Acht Mal hatten die Regionalliga-Fußballerinnen Anlauf genommen, acht Mal waren sie in der ersten Runde des DFB-Pokals gescheitert. Bis Sonntag.

Sand, Niederkirchen, Sindelfingen, Leverkusen, zweimal Lok Leipzig, Magdeburg, 1. FC Köln. Nie war etwas zu holen: Im neunten Versuch nun beendeten die Erfurterinnen um Kapitänin Mandy Uhl den Negativlauf. Mit einem hoch verdienten 3:1 (1:0) über den Mitkonkurrenten Phoenix Leipzig sicherten sie sich erstmals seit der Vereinsgründung vor 23 Jahren die Teilnahme an der zweiten Runde.

Gino Heinze, im vierten Spieljahr als Trainer der FFV-Ersten, schwärmte einen Tag danach noch von der Leistung. Er genoss das Weiterkommen vielleicht mehr, als es in einem anderen Jahr der Fall gewesen wäre. „Wer weiß, ob wir so etwas noch einmal erreichen“, sagte er.

Wenig freudvoll schaut der 28-Jährige dabei Richtung kommendes Wochenende. Am Sonntag startet der neue Landespokal-Wettbewerb. Der Weg in den DFB-Pokal beginnt für die Nummer zwei im Thüringer Frauenfußball wenig erbaulich.

Eine von zwei (!) Partien zum Auftakt heißt Carl Zeiss Jena II gegen 1. FFV Erfurt. Neben den Landesligisten Dingelstädt und Bad Langensalza treffen so zu Beginn die einzigen Regionalligisten aufeinander. Und 14 un­terklassigere Teams marschieren per Freilos ins Achtelfinale.

Unterschiede beim Modus zwischen Frauen und Männern

Pech, eine unglückliche Fügung des Schicksals oder die Pointe eines seltsamen Pokal-Protokolls im Corona-Jahr? „Weder Jena noch wir können das nachvollziehen“, sagt Heinze und schüttelt den Kopf . Der Modus und die Unterschiede zwischen den Geschlechtern wurmen ihn. Während die Regionalligisten bei den Männern in der dritten Runde in den Landespokal einsteigen, waren sie bei den Frauen gleich im Topf. Über die zunächst als Qualifikation deklarierte erste Runde sollen sich die ranghöchsten Teams so qualifizieren, während Landesligisten und Kreispokalsieger weiter sind. Dass Jenas Zweite nicht am DFB-Pokal teilnehmen darf, macht das Ganze zusätzlich unverständlich für die Erfurter. Bei den Herren sind Reserveteams im Landespokal seit einigen Jahren tabu. „Unsere Zweite darf auch nicht mitspielen“, merkt Heinze kritisch an. Möglich, dass im Fall eines Pokalerfolges der Jenaer Zweiten nun Meiningen, Saalfeld oder Oberlind im Sommer 2021 DFB-Pokal-Luft schnuppern dürfen. „Aber wir nehmen es so hin“, sagt der FFV-Trainer. Sein Team hat es noch in der Hand, den sportlich dicksten Brocken am Sonntag aus dem Weg zu räumen.

Nach dem 1:3 um Punkte vor gut einer Woche stellt die Neuauflage im Landespokal, noch dazu unterhalb der Kernberge, indes eine sehr schwere Aufgabe dar, zumal die Lage mit einigen angeschlagenen Spielerinnen beim FFV angespannt ist. Selbstvertrauen nehmen die Frauen um Heinze aber mit.

Vor allem die Art, wie Doppeltorschützin Stefanie Nehlert (26., 55.) und Co. den Gegner aus Leipzig beherrscht haben, ehe Mandy Uhl per Kopfball nach Nehlert-Freistoß den Deckel drauf gemacht hatte (73.), stimmt den Trainer zuversichtlich. „Man hat gemerkt, dass alle in die zweite Runde wollen“, sagt er. Einige gute Ansätze nimmt er so mit. Vor allem für den wichtigen Punktekampf, um sich einen Platz unter den ersten vier zu erkämpfen und so sicher weiter in der Regionalliga zu sein. Einen Wunsch für die zweite DFB-Pokalrunde hätte er schon. Nicht Wolfsburg, nicht Bayern, sondern die Erste von Carl Zeiss Jena. „Wobei“, sagt der FFV-Trainer, „alles, was jetzt kommt, ist Bonus“.