„Der eingetragene Verein ist ein Auslaufmodell im Profi-Fußball“

Weimar  Weimarer Sportrechts-Anwalt hält die Ausgliederung der Lizenzspieler-Abteilung beim FC Rot-Weiß für alternativlos.

Abstimmung: Heute Abend sollen die Rot-Weiß-Mitglieder entscheiden, ob sich der Verein neu strukturieren soll. Archivfoto: Sascha Fromm

Abstimmung: Heute Abend sollen die Rot-Weiß-Mitglieder entscheiden, ob sich der Verein neu strukturieren soll. Archivfoto: Sascha Fromm

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Der FC Rot-Weiß will sich strukturell für die Zukunft aufstellen und plant die Ausgliederung seiner Lizenzspieler-Abteilung aus dem Gesamtverein. Wir sprachen mit dem auf Sportrecht spezialisierten Weimarer Rechtsanwalt Johannes Arnhold (34) über Chancen und Risiken.

Welche Möglichkeiten bieten sich einem Club durch die Ausgliederung seiner Profis?

Eine Ausgliederung bietet einem Profi-Club die Möglichkeit, sich für Investoren zu öffnen bzw. strategische Partner langfristig zu binden. Gerade für die finanziell schwächer aufgestellten Vereine aus dem Osten sehe ich es als unumgängliche Notwendigkeit an, dass man den Schritt geht. Anders wird es kaum möglich sein, mittel- und langfristig konkurrenzfähig zu sein. Wenn Sie so wollen, ist es der nächste logische Schritt im Rahmen ei-ner Professionalisierung.

Wesentlich gewichtiger scheint mir ein vereinsrechtliches Argument, dass in der Diskussion bisher etwas kurz kommt. Denn in der aktuellen Organisationsform könnte dem Verein im schlimmsten Fall nämlich die Löschung aus dem Vereinsregister drohen. Diese bestehende Rechtsunsicherheit kann man durch eine Ausgliederung umgehen.

Würden Sie das erläutern?

Das Vereinsrecht geht beim e.V. vom Idealverein aus. Im Rahmen dessen wirtschaftlicher Tätigkeit muss der ideelle Zweck überwiegen. Das lässt sich etwa bei der Bewirtschaftung des Vereinslokals begründen, bei einem Spielertransfer in sechsstelliger Höhe dürfte es hingegen schon schwieriger aussehen.

Drittliga-Klubs ähneln ja schon kleinen bis mittelgroßen Wirtschaftsunternehmen. Spätestens, wenn der sportliche Weg weiter nach oben führen sollte, würde sich das Problem bei steigender Umsatzlage zuspitzen.

Warum gibt es dann sogar noch Bundesligisten wie Schalke, Mainz oder Darmstadt, die ih-re Profiabteilung noch immer im Stammverein halten?

Das liegt in erster Linie an der eher passiven Haltung der Registergerichte, denen der Entzug der Rechtsfähigkeit bzw.die Löschung aus dem Vereinsregister obliegen würde. Offensichtlich neigen die zuständigen Rechtspfleger bei den Amtsgerichten dazu, Konflikten mit einflussreichen und populären Vereinen aus zum Weg zu gehen. Wie lange das jedoch der Fall sein wird in Zeiten, in denen zuletzt sogar Kindertagesstätten wegen wirtschaftlicher Betätigung aus dem Vereinsregister gelöscht worden sind, ist nicht kalkulierbar.

Welche wirtschaftlichen Risiken birgt eine Ausgliederung?

Ein Ausgliederungsprozess kostet natürlich Geld, insbesondere wenn externe Beratung notwendig ist. Allerdings ist das finanzielle Risiko aus meiner Sicht überschaubar. Eine Ausgliederung bietet vielmehr die Chance, dass man zumindest kurz- oder mittelfristig neues Kapital beschaffen kann und so bei wirtschaftlich angeschlagenen Vereinen – wie dies wohl auch für Rot-Weiß Erfurt zutrifft – den Schuldenabbau vorantreiben, um wieder größere Handlungsspielräume ermöglichen kann.

Können andere Vereine als Vorbilder dienen?

Schwer zu sagen, da es ja immer einer vergleichbaren Ausgangslage bedarf. Aus der Bundesliga fällt mir spontan Hertha BSC ein, deren Ausgliederung rund zehn Jahre zurückliegt. Nachdem man erst mal ohne fremde Kapitalmittel ausgekommen ist, ist 2014 ein Investor eingestiegen. Seither haben sich die Handlungsspielräume vergrößert und die Strukturen stabilisiert, was sich auch sportlich widerspiegelt. Am Modell von Hannover 96 gefällt mir, dass überwiegend lokale Unternehmer zusammengefunden haben, um als Gruppe zu investieren.

Verstehen Sie Befürchtungen von Fans, dass der Einfluss von Dritten zu groß werden könnte?

Das kann ich verstehen, ja. Mittlerweile gibt es ja in Deutschland einige Negativbeispiele im Hinblick auf tatsächliche Einflussnahme von Investoren. Zunächst sollte man aber den handelnden Personen in Erfurt Vertrauen schenken, dass sie bei der Auswahl potenzieller Investoren genau hinsehen, wen man sich an den Steigerwald holt.

Und außerdem gilt ja immer noch die 50+1-Regel des DFB, die dann in einer künftigen ausgegliederten Kapitalgesellschaft Anwendung finden würde.

Gibt es Alternativen zu einer Kapitalgesellschaft?

Alternativen gibt es vielleicht bei der Auswahl der Rechtsform, also der Frage des Wie einer Ausgliederung. Die Frage des Ob gestaltet sich aus meiner Sicht hingegen alternativlos. Im Profifußball ist der eingetragene Verein ein Auslaufmodell.

Was wäre, wenn die Mitglieder am Mittwochabend das Vorhaben ablehnen würden?

Das wäre aus meiner Sicht dann ein Schritt in die falsche Richtung, da man die angesprochenen rechtlichen Risiken nicht minimieren und strategische Chancen nicht nutzen würde.

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