Der ewige Kapitän von Preußen Bad Langensalza

Bad Langensalza.  Er ist für den FSV Preußen Bad Langensalza seit Jahren unverzichtbar – Kapitän Max Domeinski geht als Führungsspieler immer voran.

Den Schalk im Nacken: Bad Langensalzas damaliger Trainer Gabor Uslar (l.) bekommt von seinem Kapitän Max Domeinski 2019 nach dem Landespokal-Halbfinalsieg in Büßleben eine Sektdusche verabreicht.

Den Schalk im Nacken: Bad Langensalzas damaliger Trainer Gabor Uslar (l.) bekommt von seinem Kapitän Max Domeinski 2019 nach dem Landespokal-Halbfinalsieg in Büßleben eine Sektdusche verabreicht.

Foto: Sascha Fromm

Er ist zwar erst 31 Jahre jung, aber man kann ihn mit Fug und Recht schon als ein echtes Urgestein bezeichnen. Max Domeinski und der FSV Preußen Bad Langensalza, das ist eine Verbindung, die wie füreinander gemacht zu sein scheint.

Seit mehr als zehn Jahren führt Domeinski die erste Fußball-Mannschaft des FSV Preußen bereits als Kapitän an. „Ich habe mir nie Gedanken über einen Vereinswechsel gemacht. Ich fühle mich in diesem Verein und Umfeld einfach ultrawohl“, sagt der gebürtige Schlotheimer, der mit sechs Jahren im Verein anfing, gegen den Ball zu treten.

Nur bei Jürgen Klopp überlegt

Die eine oder andere Anfrage flatterte beim Defensivstrategen, der zumeist in der Innenverteidigung zum Zug kommt, im Laufe der Jahre zwar immer mal wieder auf den Tisch. „Aber da hätte schon sonst was kommen müssen, damit ich mich mit einem Wechsel beschäftige“, unterstreicht der Führungsspieler, der bereits seit 2009 in Erfurt wohnt und nach erfolgreich abgeschlossenem Studium inzwischen als Verkehrsplaner beim Thüringer Landesamt arbeitet.

„Vielleicht hätte ich es mir überlegt, wenn Jürgen Klopp angerufen hätte“, sagt der sympathische Domeinski und lacht – neben Bayer Leverkusen drückt der 1,83 Meter-Mann nämlich auch dem aktuellen englischen Meister FC Liverpool, den Klopp trainiert, die Daumen.

Vor allem Liverpool-Legende Steven Gerrard ist ein Vorbild für Domeinski, der mit Bad Langensalza einen prima Saisonstart hingelegt hat und derzeit nach neun absolvierten Partien auf dem sechsten Rang steht. „Viel besser als er kann man es nicht machen“, sagt der Preußen-Kapitän und meint damit nicht nur die fußballerische Klasse Gerrards, sondern vor allem auch dessen Führungsqualitäten auf und abseits des Rasens.

Fußballerisch im zweiten Frühling

Doch unverzichtbar wie der ehemalige englische Nationalspieler ist auch Domeinski für sein Team. „Max ist ein überragender Spielführer. Fußballerisch ist er im zweiten Frühling und nicht zu ersetzen. Er ist unheimlich wichtig für die Mannschaft, auf dem Spielfeld und in der Kabine. Mit ihm spreche ich vor jeder Partie den Matchplan ab“, erklärt Bad Langensalzas Trainer Thomas Wirth.

Statt mit Lautstärke – die der Preußen-Spielführer gleichwohl kraft seiner zentralen Position als Fußballer und Führungsfigur mit einbringt – überzeugt Domeinski mit Inhalten und Leistung. „Ich bin keiner, der große Reden schwingt. Ich gehe eher persönlich auf die Jungs zu“, verrät er. Auf dem Platz könne er verbal ab und an sogar noch etwas aktiver sein, weiß Domeinski: „Da kommt von mir manchmal vielleicht sogar ein bisschen zu wenig oder ich bin zu negativ.“

Seine Mitspieler wissen jedoch, dass ihr Leader stets nur das Beste für sie und den Verein will. Dafür wirft sich Domeinski in jeden Zweikampf und macht eine Menge Meter. „Ich bin keiner, der fünf Leute ausdribbelt. Ich spiele lieber den einfachen Ball und übergebe ihn an die kreativen Spieler“, beschreibt der Routinier mit einem Augenzwinkern. Torgefährlich ist der Abwehrchef gleichwohl, wie bereits drei Saisontreffer – zwei davon gegen Tabellenführer Wismut Gera – belegen.

Team leiten und führen

„Ich sehe es als Kapitän als eine meiner Hauptaufgaben an, die Mannschaft zusammenzuhalten und aufgrund meiner Position das Team zu leiten und zu führen“, beschreibt Domeinski, der verheiratet ist, sein eigenes Anspruchsdenken. Deshalb läuft auch der Spielaufbau von hinten heraus vorrangig über ihn. „Das Anforderungsprofil an einen Innenverteidiger hat sich in den vergangenen Jahren stark gewandelt. Früher stand man tief und hat die Bälle nach vorne geschlagen. Jetzt ist man der erste Spielmacher“, macht er klar.

Bis zur B-Jugend kickte Domeinski in Schlotheim. „Weil es dann dort aber keine A-Jugend gab, hatte ich die Wahl, entweder zu warten, bis ich gleich in die Männermannschaft aufrücke, oder nach Mühlhausen oder nach Bad Langensalza zu wechseln“, erinnert sich der 31-Jährige. Nach Trainingseinheiten bei beiden Vereinen stand schnell fest, dass sich Domeinski mit 16 Jahren auch „wegen des Umfelds“ Bad Langensalza anschließt.

Ins kalte Wasser geworfen

Dort ist der Chef auf dem Platz bis heute geblieben. Bereits als 17-Jähriger sammelte er erste Erfahrungen im Preußen-Männerteam, das damals in der Bezirksliga um Punkte kämpfte. „Das war ein Mega-Sprung“, erinnert sich Domeinski. Nicht nur fußballerisch und vom Tempo wehte im Männerbereich ein anderer Wind. Für die Youngster gab es von den etablierten, erfahrenen Haudegen wie Benno Harbauer oder Jürgen Schambach auch mal eine Ansage: „Da wurde man mal angefaucht oder die haben die Grätsche ausgepackt.“

Als im Kader ein Generationenwechsel erfolgte, wurde Domeinski, kaum 20 Jahre jung, auf einmal Kapitän. „Das war ein Sprung ins kalte Wasser. Ich habe bestimmt nicht immer alles richtig gemacht, aber es hat mir sehr geholfen. Und zum Glück war ich verletzungsfrei, konstant und immer verfügbar.“

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Domeinski hofft, dass er gemeinsam mit seinen Jungs in der Fremde und im neuen heimischen Stadion („Das ist ein echtes Schmuckkästchen geworden“) noch einige Spiele genießen kann. Nur ab und an merkt Bad Langensalzas Kapitän, dass mit 31 Jahren auch der Zahn der Zeit so langsam an ihm nagt: „Inzwischen bin ich viel häufiger beim Physiotherapeuten als früher.“