Senkrechtstarter Anselm Rein

Der Senkrechtstarter

Gotha/Erfurt.  Geburtstagskind und jüngster Spieler beim VC Gotha: Anselm Reim will in seiner zweiten Saison weiter durchstarten.

Anselm Rein will sich beim VC Gotha in der 2. Volleyball-Bundesliga beweisen.

Anselm Rein will sich beim VC Gotha in der 2. Volleyball-Bundesliga beweisen.

Foto: Foto: Niklas Kubitz

Punkt 0 Uhr erlebte Anselm Rein am späten Donnerstagabend ein einprägsames Lebensereignis. Seit dem gestrigen Freitag ist der Zuspieler des Volleyball-Zweitligisten VC Gotha 18 Jahre alt – der Schritt in den Erwachsenenbereich ist nun auch offiziell vollzogen. Auf dem Parkett hat der diese Rolle schon länger inne. Bereits im Vorjahr kam der Erfurter zu Einsätzen bei den BlueVolleys und schaffte mit ihnen den Klassenerhalt. Und dem nicht genug, nahm Rein im August mit der deutschen U19-Auswahl an der Weltmeisterschaft in Tunesien teil, wo am Ende Platz 13 heraussprang.

Es war der vorläufige Höhepunkt für den gebürtigen Münchner, den man getrost als Senkrechtstarter bezeichnen kann. Denn bis zur siebten Klasse hatte er mit dem Volleyball keine Berührungspunkte. Wie seine beiden älteren Brüder Clemens und Julius spielte Anselm zunächst Handball, fing diesen Sport mit sechs Jahren an. Doch nach dem Umzug der Familie nach Erfurt ebbte die Lust ab. „Mir fehlte die Motivation und der Spaß“, sagt Rein, der sein Glück in der Volleyball-AG seiner Schule, dem Evangelischen Ratsgymnasium, fand.

Da war er 14 und meldete sich beim Erfurter VC an. Beim neuen Hobby macht der Zwei-Meter-Athlet („Ich bin in der Familie und in meiner Klasse der Größte“) rasante Fortschritte. Dies liegt zum einen an seiner sportlichen Affinität mitsamt den Kenntnissen vom Handball. „Man braucht Ballgefühl und eine gute Hand-Augen-Koordination. Auch die Schlagbewegung ähnelt dem Wurf beim Handball“, wirft er ein. Andererseits ist Rein bereit, sich für seine Leidenschaft zu quälen. Aus der Spaß-AG entwickelt sich schnell ein beinahe tägliches Trainingspensum; der Gymnasiast wird gefühlt von Tag zu Tag besser.

Nach gerade einmal einem halben Jahr beruft ihn Landestrainer Jan Wunderlich in die Auswahl. „Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Aber er hat wohl Talent in mir gesehen“, blickt Rein zurück. Natürlich stellt sich aufgrund der sportlichen Entwicklung nur zwei Jahre nach der ersten Berührung mit dem Volleyball die Frage nach einem etwaigen Schulwechsel. Nicht nur Wunderlich würde den hochtalentierten „Schlacks“ gerne am Sportgymnasium sehen; auch ein Engagement am Bundesstützpunkt in Berlin steht zur Debatte. Am Ende bleibt er trotz aller Verlockungen dem Ratsgymnasium treu, zumal sich die Eltern dafür aussprechen. „Ich war glücklich in meinem Verein, die schulische Ausbildung ist mir sehr wichtig“, sagt er. Heute steht er hinter dieser Entscheidung. „Sie hat mir auch nicht zu viel verbaut.“

Seine weiteren Schritte sind Zeuge dieser Aussage. Mit 16 Jahren wechselt er von Erfurt nach Gotha und wird kurze Zeit später auch erstmalig für die U-Nationalmannschaft Deutschlands nominiert. Vorausgegangen war der Bundespokal, bei dem er sich innerhalb der Thüringenauswahl in den Fokus des Bundestrainers spielt. „Ich war selbst ein wenig verwundert, dass er mich nach dem Turnier in Kienbaum angerufen hat. Seitdem läuft das ganz gut und es ist immer wieder schön, dieses besondere Trikot zu tragen“, sagt der 18-Jährige, der sich gelegentlich mit den Thüringer Auswahlspielern Linus Weber aus Gera und Eric Burggräf aus Erfurt austauscht.

Es scheint, als ob es für ihn auf dem Weg nach oben keine Stolpersteine gibt. Sein germanischer Vorname, der übersetzt „unter dem Schutz der Götter stehend“ bedeutet („Den Wikipedia-Eintracht habe ich auswendig gelernt“), scheint immer Glück zu bringen. Nur einmal gilt es, einer schwierigen Phase zu trotzen. Bei der U19-WM erlebt Rein erstmalig, wo die Grenzen des Körpers liegen. Acht Spiele in zehn Tagen absolviert er mit dem deutschen Team, verpasst es, sich genug Auszeiten zu geben. „Die WM war die höchste sportliche Belastung, die ich bisher hatte. Das habe ich auch mit einigen Nachwehen gemerkt.“ Rund zwei Wochen nach der Rückkehr macht der Körper schlapp, Rein wird mit einer Erkältung ins Bett gezwungen und verpasst den Zweitliga-Auftakt des VC Gotha.

Pech für den jüngsten Spieler der BlueVolleys, der in dieser Saison mit Jonas Kronseder einen neuen Trainer hat. „Er ist auch noch jung und nah dran an uns Spielern. Man kann mit ihm auch neben dem Feld gut reden und er fordert uns. Es darf kein Ball reinfallen, ohne dass einer auf dem Boden liegt. Außerdem fordert er viel Konzentration und legt viel Wert auf die Taktik“ , so Rein, der sich in dieser Spielzeit weiter etablieren will.

Wie es danach, mit dem bestandenen Abi in der Tasche, weitergeht? Da ist er sich noch unschlüssig. Ein Studium soll es sein, aber ob es nach Übersee in die weite Welt geht oder er doch lieber heimisch bleibt, lässt er offen. Nur zwei Träume hat er fest im Blick: „Bundesliga- und Nationalspieler werden.“ Für einen Senkrechtstarter kein utopisches Ziel…

Zu den Kommentaren