Sportmediziner Stanek: „Wir sind gerade erst am Anfang“

Jena.  Sport in Zeiten von Corona: Der Jenaer Sportmediziner Dr. Frank-Detlef Stanek sieht frühestens im Oktober wieder Chancen für einen Spielbetrieb in Kontaktsportarten.

Dr. Frank-Detlef Stanek untersucht das Knie von Basketballer Oliver Braun. Physiotherapeut Andreas Krause betreut den Sportler in seiner Praxis.

Dr. Frank-Detlef Stanek untersucht das Knie von Basketballer Oliver Braun. Physiotherapeut Andreas Krause betreut den Sportler in seiner Praxis.

Foto: Tino Zippel

Die Praxis war schlagartig leer. Lediglich drei Patienten kamen an jenem Montag bei Frank-Detlef Stanek vorbei, an dem das Sportgymnasium wegen der Corona-Pandemie seine Türen schloss. „Das habe ich in all den Jahren, in denen ich an der Schule bin, noch nicht erlebt“, sagt Stanek rückblickend über den 16. März.

Seit 1991 hat er die medizinische Betreuung über die Athleten der Jenaer Sportschule inne, doch noch nie sei seine Praxis derartig verwaist gewesen wie an jenem Tag im März. Doch nicht nur die Schüler blieben weg, auch andere Sportler sahen von einem Besuch bei ihm damals lieber ab.

„Man hat die Verunsicherung gespürt“, sagt der Mediziner, der auch noch betont, dass er im ersten Moment geschluckt habe, als er seine leere Praxis sah.

Mittlerweile habe sich aber wieder etwas Alltag eingestellt, berichtet Stanek, allein die Klientel habe sich in den vergangenen Wochen etwas gewandelt. Hatte er vor dem Shutdown zahlreiche Sportunfälle vom Wochenende zu behandeln, würden ihn nun vermehrt Leute aufsuchen, die aufgrund der Arbeit im Homeoffice körperliche Beschwerden haben.

Dazu gesellen sich dieser Tage noch jene Patienten, die sich nun in den eigenen vier Wänden dem Sport widmen – und sich dabei gnadenlos übernehmen. Und dann gibt es eben noch jene Sportler, die er erst einmal nur aus der Ferne betreuen kann, da sie in ihrer Heimat verweilen wie beispielsweise zahlreiche Basketballer von Science City Jena. Dafür greife er auf Telefon, E-Mail oder Whatsapp zurück, um Anamnese und Behandlung gewährleisten zu können. Mitunter sind die Praxen in den heimischen Gefilden der Sportler aufgrund der Pandemie geschlossen, sodass er sehr viel organisieren müsse. „Die Sprechstunde hat sich auf jeden Fall gewandelt. Da ist jetzt viel Neues dabei“, resümiert Stanek.

Und natürlich haben sich in seinen Behandlungsräumen auch die Sicherheitsmaßnahmen drastisch verschärft: nur vier Patienten dürfen gleichzeitig in der Praxis zugegen sein, alle müssen Mundschutz tragen, nur mit Termin darf man vorbeischauen. Die akute Unfallbehandlung sei dieser Tage eher die Ausnahme, so der 63-Jährige, der in Görlitz das Licht der Welt erblickte und für sein Medizinstudium 1975 an die Saale zog.

Ja, alles sei dieser Tage etwas anders, fühle sich mitunter auch komisch an, sagt Frank-Detlef Stanek, der derzeit jedoch auch eine gewisse Entschleunigung erlebt. Dass dem so ist, ist natürlich dem Umstand geschuldet, dass der Spielbetrieb in allen Ligen ruht. Von daher verbringt er nicht mehr seine Wochenenden in der Arena in Burgau, wo er die medizinische Betreuung bei den Heimspielen von Science City Jena absicherte. Mitunter war er aber auch bei den Auswärtsterminen mit von der Partie. Doch damit nicht genug, saß er doch auch regelmäßig bei den Handballern des HBV Jena 90 aus der Mitteldeutschen Oberliga mit auf der Bank, um sich deren Leiden anzunehmen. Nicht selten kam es vor, dass er an einem Tag auf beiden Sport-Hochzeiten, Basketball und Handball, tanzte.

Aktuelle Situation birgt völlig neues Gefühl

„Das ist ein ganz neues Gefühl für mich. Die Wochenenden waren fast immer vollgepackt. Es ist ungewohnt, aber auch schön“, sagt Stanek, der seit 2002 die Basketballer aus Jena betreut und auch jenem Ärzteteam angehört, das die Basketball-Nationalmannschaft medizinisch absichert. Ende Februar war er mit der Auswahl noch im englischen Newcastle, dann gab es noch ein Heimspiel von Science City – und dann war ad hoc Ruhe.

Seit seinem sechsten Lebensjahr widmet sich Stanek dem Handball, spielte während seiner Tage an der Hochschule und war zudem auch Gründungsmitglied des HBV Jena im Jahr 1990. Im nunmehr fortgeschrittenen Alter greift er noch bei der 3. Mannschaft aktiv in das Geschehen auf der Platte ein.

„Mittlerweile verbringe ich aber mehr Zeit auf der Bank“, sagt Stanek und lacht. Auch seine Frau Sylvia ist dem kleinen Leder verfallen. Einst spielte sie in der 2. Bundesliga mit den Damen des HBV Jena, wo sie mittlerweile als Nachwuchstrainerin tätig ist.

Darüber hinaus fungiert Stanek auch als Gesellschafter bei der 1. Männermannschaft des HBV Jena. Derzeit macht er sich mit seinen Mitstreitern auch darüber Gedanken, wie man eine GmbH in einer solchen Krisenzeit, in welcher der Spielbetrieb für unbestimmte Zeit unterbrochen ist, finanzieren kann.

Apropos Krise. Die Diskussionen um mögliche Lockerungen in Sachen Shutdown-Maßnahmen halte er für verfrüht – gerade im Sport. Stanek gibt zu bedenken, dass bei Kontaktsportarten wie Fußball, Handball oder Basketball nur ein Teammitglied das Corona-Virus haben müsse – und schnurstracks begibt sich die gesamte Mannschaft samt Trainer und Betreuer in Quarantäne.

Die Welle schwappt noch nach oben

„Wir sind gerade erst am Anfang, die Welle schwappt noch nach oben“, warnt der Mediziner. Die Bevölkerung müsse sich noch etwas in Geduld üben. Stanek rechnet damit, dass man frühestens im Oktober den Spielbetrieb in den Ligen wieder aufnehmen könne.

Ach ja, so schön sich die freien Wochenenden auch anfühlen würden, einen Haken gibt es dabei dennoch. „Jetzt hat man auf einmal Zeit, kann aber die Enkel nicht sehen. Das ist wirklich schade“, sagt Frank-Detlef Stanek, der zweifacher Großvater ist und drei Kinder sein Eigen nennen darf.