Die Handball-Thüringenliga wird zweigleisig

Mike El Antaki
| Lesedauer: 5 Minuten
Seit April 2019 warten Spieler und Fans von Goldbach/Hochheim (Oluic beim Wurf) und Behringen/Sonneborn auf die Neuauflage des Derbys. In beiden abgebrochenen Serien trafen die Rivalen nicht aufeinander.

Seit April 2019 warten Spieler und Fans von Goldbach/Hochheim (Oluic beim Wurf) und Behringen/Sonneborn auf die Neuauflage des Derbys. In beiden abgebrochenen Serien trafen die Rivalen nicht aufeinander.

Foto: Falk Böttger

Goldbach/Mühlhausen/Erfurt.  Der Spielausschuss des Handballverbandes plant für 2021/22 mit verkleinerten Staffeln mit maximal acht Mannschaften.

Der Handball ist ein emotionaler Sport. Gerade deshalb sind Derbys das Salz in der Suppe. Doch obwohl Blau-Weiß Goldbach/Hochheim und der SV Town & Country Behringen/Sonneborn in einer Liga spielen, trafen die Nachbarn schon seit über zwei Jahren nicht mehr zum Prestigeduell aufeinander. Jeweils machte Corona einen Strich durch die Rechnung. Und es ist nicht sicher, ob es in der Saison 2021/2022 ein Nessetal-Derby gibt.

Aus den beiden abgebrochenen „Null-Saisons“ hat der Thüringer Handball-Verband (THV) Lehren gezogen und wird in allen Ligen grundsätzlich mit sechs, in Ausnahmen maximal mit acht Mannschaften planen. Dies hat der THV in der kürzlich an die Vereine versendeten Ausschreibung festgelegt. „Damit wollen wir absichern, dass wir diesmal ein sportlich verwertbares Ergebnis bekommen“, begründet Martin Tews, THV-Vizepräsident Spielbetrieb/Recht, die Ligenverkleinerung. Der Spielausschuss könne dadurch flexibler auf Unwägbarkeiten reagieren. „Je nachdem, wann wir in den Spielbetrieb wieder einsteigen, wird nach Ende der Vor- und Rückrunde eine weiterführende Runde gespielt. Bereits gegeneinander ausgetragene Spiele werden übernommen. Somit ist es im besten Fall möglich, dass wir eine komplette Saison nach bisherigem Muster spielen“, benennt Tews entscheiden Vorteile dieses Modells.

Teilung nach Mehrjahreswertung

Für die Thüringenliga der Männer, zuletzt die einzige Staffel mit einer zweistelligen Mannschaftszahl (12), heißt dies: Die Liga wird für die Vorrunde geteilt. Jedoch nicht nach Ost und West oder Süd und Nord, sondern anhand einer Mehrjahreswertung, berechnet vermutlich ab 2018, so Tews. Dies sei fairer und habe den Vorteil, dass kein Leistungsgefälle wie bei einem territorialen Schnitt entstehen könnte. So ergab die Splittung der Landesliga vor der Saison 2020/21 eine schwächere Staffel und eine starke, in der sich die meisten Spitzenteams des Vorjahres tummelten.

Florian Schneegaß, Torhüter und Vorsitzender von Blau-Weiß Goldbach, kommentiert die geplante Variante kopfschüttelnd. „Ob sich der THV damit einen Gefallen tut, also ich weiß nicht. Das ist in meinen Augen kontraproduktiv. Wir brauchen, auch aus finanzieller Sicht, unsere Derbys“, betont der Keeper. Er plädiert vehement für regionale Staffeln. Aufwand und Reisekosten wären deutlich geringer. Zudem, so Schneegaß weiter, könne niemand voraussagen, in welcher Spielstärke sich die Teams nach Corona zurückmelden.

Mühlhäuser Trainer begrüßt Entscheidung

Der Mühlhäuser Trainer Knöfler kennt auch beide Seiten der Medaille: „Ich finde es prinzipiell eine gute Idee, dass die Liga geteilt wird. So gibt es mehr Spielraum. Grundsätzlich wäre ich aber dafür, dass man den territorialen Aspekt nicht vernachlässigen darf.“ Dennoch begrüßt Knöfler auch den Leistungsgedanken. „Aber letztendlich können wir auch Glück haben und spielen trotzdem gegen benachbarte Vereine, was die Sache deutlich attraktiver machen würde.“ Nur gen Osten zu fahren, was diese Idee mit sich bringt, wäre auch für die Mühlhäuser ein Unding, die die Spiele gegen Goldbach oder Eisenach II als Höhepunkt bezeichnen.

Das letzte Wort scheint ohnehin noch nicht gesprochen zu sein. „Ich bastel noch am genauen Modus“, sagt Spieltechniker Tews. An der Zweigleisigkeit der Thüringenliga wird er jedoch festhalten, auch weil man damit für den „Worst-Case“, also erneute Saisonunterbrechungen, gewappnet wäre. Gemäß Thüringer Spielordnung können in 6er-Staffeln schon nach fünf absolvierten Spieltagen Auf- und Absteiger nach Quotientenregel feststehen, bei zwei Staffeln wäre dann nur noch ein Entscheidungsspiel nötig.

Trotz Saisonannullierung können Vereine für höhere Liga melden

Apropos Aufsteiger: Vereine dürfen für eine höhere Liga melden. Obwohl die Saison im Februar offiziell ohne Wertung annulliert wurde. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Tews erklärt dies so: „In meinem Grundverständnis gehört ein Aufstieg zum Sport dazu. Es gab sicher Mannschaften, die gingen in die Serie, um Erster zu werden. Denen möchte ich den Aufstieg nicht verwehren, damit wird ja niemand benachteiligt. Dass keiner absteigt, finde ich übrigens richtig.“ Der Schluss daraus. Nie war es so einfach aufzusteigen. Melden mehrere Teams als Plätze in der höheren Liga frei sind, entscheide die spielleitende Stelle. Rein theoretisch könnte nun auch eine Mannschaft nach oben wollen, die bisher eher zu den Kellerkindern zählte. „Wenn das passieren sollte, werden wir uns diesen Fall genau anschauen“, kündigt Tews an.

Nur die Mitteldeutsche Oberliga nimmt keine Neulinge auf. In den Ligen darunter werden Thüringens Handballteams indes 2021/22 wohl trotz Saisonannullierung auf den einen oder anderen neuen Gegner treffen.

Weitere Details der Saisonausschreibung

Den Saisonbeginn hat der Thüringer Handball-Verband (THV) für das Wochenende 25./26. September vorgesehen. Voraussetzung ist aber: Zwischen Aufnahme eines geregelten Trainingsbetriebs und erstem Pflichtspiel sollen mindestens vier, besser sechs Wochen liegen.

Alle Mannschaften, auch im Erwachsenen-Bereich, können unter Vorbehalt gemeldet werden. Ein Rückzug (letzte Frist wird rechtzeitig vom THV bekanntgegeben) ist ohne Strafgeld möglich.

Geändert wird der Spielbetrieb in der weiblichen Jugend A. Während der ältere Jahrgang (2003) kein Spielrecht mehr in dieser Altersklasse hat, spielen die 2004 geborenen jungen Damen gemeinsam mit den B-Jugendlichen in der „B-Jugend+“. Aus der C-Jugend dürfen nur Spielerinnen des Jahrgangs 2007 eingesetzt werden.