Die Thüringenliga wird zweigleisig

Sebastian Fernschild, Mike El Antaki
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Björn Harder (am Ball) kennt die Vorzüge eines Derby. Der Mühlhäuser, hier im Duell gegen Goldbach/Hochheim spielte auch schon für die gegnerische Mannschaft.

Björn Harder (am Ball) kennt die Vorzüge eines Derby. Der Mühlhäuser, hier im Duell gegen Goldbach/Hochheim spielte auch schon für die gegnerische Mannschaft.

Foto: Andrea Fernschild

Nordhausen/Artern.  Der Thüringer Handball-Verband plant für 2021/22 mit verkleinerten Staffeln mit maximal acht Mannschaften

Der Handball ist ein emotionaler Sport. Gerade deshalb sind Derbys das Salz in der Suppe. Diese waren im Nordthüringer Raum in jüngster Vergangenheit eher selten. Der Nordhäuser SV und der HV Artern spielen nicht in einer Liga und so wird es Derbys in dem Sinne nicht geben. Für die Nordhäuser war es unter anderem das Landesliga-Spiel gegen Sömmerda. Ein Duell mit gewisser Würze. Aber auch dies könnte demnächst nicht mehr stattfinden. Dieses Duell gab es in der zuletzt abgebrochenen vergangenen Saison noch. Nordhausen gewann den Vergleich am 17. Oktober 2020 29:26. Lange ist es her, fühlt sich wie eine halbe Ewigkeit an.

Nun hat aus den beiden abgebrochenen „Null-Saisons“ der Thüringer Handball-Verband (THV) Lehren gezogen und wird in allen Ligen grundsätzlich mit sechs, in Ausnahmen maximal mit acht Mannschaften planen. Dies hat der THV in der kürzlich an die Vereine versendeten Ausschreibung festgelegt. „Damit wollen wir absichern, dass wir diesmal ein sportlich verwertbares Ergebnis bekommen“, begründet Martin Tews, THV-Vizepräsident Spielbetrieb/Recht, die Ligenverkleinerung. Der Spielausschuss könne dadurch flexibler auf Unwägbarkeiten reagieren. „Je nachdem, wann wir in den Spielbetrieb wieder einsteigen, wird nach Ende der Vor- und Rückrunde eine weiterführende Runde gespielt. Bereits gegeneinander ausgetragene Spiele werden übernommen. Somit ist es im besten Fall möglich, dass wir eine komplette Saison nach bisherigem Muster spielen,“ benennt Tews entscheiden Vorteile dieses Modells.

Für die Thüringenliga der Männer, zuletzt die einzige Staffel mit einer zweistelligen Mannschaftszahl (12), heißt dies: Die Liga wird für die Vorrunde geteilt. Jedoch nicht nach Ost und West oder Süd und Nord, sondern anhand einer Mehrjahreswertung, berechnet vermutlich ab 2018, so Tews. Dies sei fairer und habe den Vorteil, dass kein Leistungsgefälle wie bei einem territorialen Schnitt entstehen könnte. So ergab die Splittung der Landesliga vor der Saison 2020/21 eine schwächere Staffel und eine starke, in der sich die meisten Spitzenteams des Vorjahres tummelten. In einer dieser Staffeln spielt Nordhausen und die beiden Spiele bis zum Abbruch gewonnen. Auf Platz eins gelegen ist der Blick nach oben gestattet. Aber aufsteigen will man in Nordhausen nicht.

Apropos Aufsteiger: Vereine dürfen für eine höhere Liga melden. Obwohl die Saison im Februar offiziell ohne Wertung annulliert wurde. Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Tews erklärt dies so: „In meinem Grundverständnis gehört ein Aufstieg zum Sport dazu. Es gab sicher Mannschaften, die gingen in die Serie, um Erster zu werden. Denen möchte ich den Aufstieg nicht verwehren, damit wird ja niemand benachteiligt. Dass keiner absteigt, finde ich übrigens richtig.“ Nie war es so einfach aufzusteigen.

„Der Aufstieg ist für uns Utopie. Das war nicht unser Ziel vor der Saison. Und das funktioniert auch aktuell gar nicht. Also sportlich wäre das bei uns nicht machbar. Irgendwann kann man darüber vielleicht mal wieder reden. Aber jetzt nicht“, gabt Matthias Thiele, Trainer der Männer des Nordhäuser SV, zur Möglichkeit kommende Saison Thüringenliga spielen zu können.

Auch wenn die Thüringenliga kleiner wird, ist es für den NSV keine Option, zumal noch nicht alle Unklarheiten beseitigt sind, seitens des THV. „Ich bastel noch am genauen Modus“, sagt Spieltechniker Tews. An der Zweigleisigkeit der Thüringenliga wird er jedoch festhalten, auch weil man damit für den „Worst-Case“, also erneute Saisonunterbrechungen, gewappnet wäre. Gemäß Thüringer Spielordnung können in 6er-Staffeln schon nach fünf absolvierten Spieltagen Auf- und Absteiger nach Quotientenregel feststehen, bei zwei Staffeln wäre dann nur noch ein Entscheidungsspiel nötig.

Eine Etage tiefer, wo der HV 90 Artern seine Sporen verdient, müsste aufgrund der neuen Verordnung, die Liga neu aufgeteilt werden. Aus bisher zwei Verbandsligen wird es dann womöglich drei geben. Aktuell sind neun Mannschaften in der Staffel 2. Artern schaffte einen guten Saisonstart. Ein Sieg und ein Remis standen zu Buche, dann war Schluss. Dennoch wurde auch dort das Wort Aufstieg nicht in den Mund genommen. „Das würde aktuell nicht funktionieren. Keiner weiß, wer noch dabei ist und wie es weitergeht. Unsere Ambitionen sind es schon, wieder Landesliga zu spielen, aber dafür brauchen wir noch ein wenig Zeit“, sagt Stefan Saxe, Präsident beim HV Artern.

Für beide Vereine ist es ungewiss, mit welchen Gegnern es in der neuen Spielzeit weitergeht. Prognosen oder Ziele zu setzen sind verfrüht. Aktuell warten alle darauf, wieder trainieren zu können. Dann wird durchgezählt, wer noch alles da ist.