Dopingvorwürfe: Ermittlungsverfahren gegen Erfurter Sportmediziner Franke eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Erfurt hat das Verfahren in der Dopingaffäre gegen den Sportmediziner Andreas Franke eingestellt. Dies teilte die thüringische Justizbehörde am Mittwoch mit. In der Erklärung heißt es unter anderem: "Nach Bewertung des gesamten Akteninhalts besteht kein hinreichender Tatverdacht und ist eine Verurteilung nicht zu erwarten."

Franke soll Sportlern Blut entnommen, dieses mit UV-Licht behandelt und anschließend dem Körper der Sportler zu Dopingzwecken wieder zugeführt zu haben. Archivfoto: dapd

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Erfurt. Dem Beschuldigten war vorgeworfen worfen, 30 Sportlern Blut entnommen und mit UV-Licht behandelt und anschließend dem Körper der Sportler zu Dopingzwecken zugeführt zu haben. Etwaige Handlungen bis zum 1. November 2007 sind schon deshalb nicht strafbar, weil nach der alten Fassung des Arzneimittelgesetzes verbotene Methoden nicht von den Strafbarkeitsvorschriften des Arzneimittelgesetzes umfasst waren.

Im Hinblick auf etwaige Handlungen in der Zeit vom 1. November 2007 bis 11. April 2011 kann nicht nachgewiesen werden, dass Beschuldigte diese zu Dopingzwecken, also mit dem Ziel einer Leistungssteigerung im Sport, angewendet hat. Zwar handelt es sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft bei der vom Beschuldigten vorgenommenen UV-Bestrahlung um einen objektiven Verstoß zumindest gegen Buchstabe M 1.1. der Anlage zum Übereinkommen gegen Doping im Sport und damit eine verbotene Methode, ein zielgerichteter Einsatz zu Dopingzwecken im Sport ist aber nicht nachweisbar.

Komplette Erklärung der Staatsanwaltschaft

Vielmehr ist die Einlassung des Beschuldigten, er habe die Methode zur Verbesserung der Immunabwehr angewandt, nicht zu wiederlegen. Dafür spricht zunächst, dass die Behandlungsmethode keine wissenschaftlich belastbare leistungsfördernde Wirkung hat und dass der Beschuldigte die von ihm angewandte Methode nicht verschleiert, sondern seit Jahren sowohl auf seiner Internetseite benennt, als auch gegenüber dem Olympiastützpunkt bekannt gemacht hat. Im Ergebnis der Ermittlungen ist darüber hinaus weder eine systematische noch eine zielgerichtete Behandlung von Sportlern zu erkennen.

Auch steht fest, dass die dem Beschuldigten vorgeworfene Methode bei "Nicht-Sportlern" angewandt wurde. Zumindest hier liegt die behauptete Heilbehandlung durchaus nahe. Letztlich haben auch sämtliche als Zeugen - und damit zur Wahrheit verpflichteten - gehörte Sportler eine zielgerichtete Behandlung zur Leistungssteigerung von sich gewiesen. Die Zeugen haben vielmehr bekundet, dass sie den Beschuldigten aufgrund aktueller Erkrankungen aufgesucht hätten.

In der vergangenen Woche hatten sich Deutschlands Nationale Anti Doping Agentur (NADA) und die Welt Anti-Doping Agentur (WADA) über ein gemeinsames Vorgehen in den Fällen von UV-Blutbehandlung am Erfurter Olympia-Stützpunkt geeinigt. "Um weitere Komplikationen im Umgang mit den Fällen zu vermeiden, verständigten sich beide Parteien auf eine zukünftig noch engere Zusammenarbeit auf allen Ebenen", hieß es in einer gemeinsamen Erklärung.

WADA-Generaldirektor David Howman, WADA-Justiziar Olivier Niggli sowie die Vorstandsvorsitzende der NADA, Dr. Andrea Gotzmann, der Aufsichtsratsvorsitzende Prof. Hans Georg Näder und Chefjustiziar Dr. Lars Mortsiefer waren zuvor zu einem gemeinsamen Treffen zusammengekommen.

Howman bezeichnete das Treffen in der Erklärung als "hilfreiche und aufschlussreiche Diskussion - sowohl WADA als auch NADA sind jetzt in einer besseren Position, die Fälle von UV-Blutbehandlungen, insbesondere die am Olympia-Stützpunkt Erfurt, aufzuklären".

Zwischen WADA und NADA hatte es im Zuge der Erfurter Ermittlungen erhebliche Dissonanzen gegeben. Im Mittelpunkt stand der Streit darüber, ob die UV-Blutbestrahlung bereits vor dem 1. Januar 2011 gemäß dem WADA-Code verboten war. Die WADA hatte zunächst der NADA mitgeteilt, dass diese Behandlung erst seit dem 1. Januar 2011 verboten sei, dies aber später widerrufen.

In einer Reaktion des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erklärte Pressesprecher Christian Klaue: "Dies beantwortet lediglich die strafrechtliche Frage. Das sportrechtliche bzw. disziplinarrechtliche Instrumentarium ist vom Strafrecht unabhängig und weitergehend. Deshalb wird sich das DOSB-Präsidium mit den Vorgängen um den Arzt beschäftigen und gegebenenfalls Maßnahmen ergreifen. Die Zusammenarbeit des Arztes mit dem OSP ist bereits seit Bekanntwerden der Vorwürfe beendet." Die Bewertung des Verhaltens der Sportler liege in den Händen der NADA.

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