Wie Rot-Weiß Erfurt von seinem neuen Trainer profitieren könnte

Erfurt.  Der neue Trainer des FC Rot-Weiß Erfurt Goran Miscevic arbeitete in acht Ländern – nun ist er in Erfurt gelandet.

Neu-Trainer Goran Miscevic beim Training im Sportzentrum Cyriaksgebreite.

Neu-Trainer Goran Miscevic beim Training im Sportzentrum Cyriaksgebreite.

Foto: Frank Steinhorst

Für Goran Miscevic ist es eine Reise in die Vergangenheit. Einst flüchtete der Kroate vor fast 30 Jahren vor dem Krieg in seiner Heimat nach Deutschland, beendete hier seine Karriere als Fußballer, wurde in Pforzheim Trainer. Er arbeitete später in Kanada, Katar, Saudi-Arabien, für den Irak und in China. Zuletzt saß er im Oman auf der Bank. Nun ist Goran Miscevic zurück in Deutschland. Ausgerechnet ein Weltenbummler will in der Thüringer Fußball-Provinz mithelfen, dass Rot-Weiß irgendwann die Niederungen der Fünftklassigkeit verlassen kann.

„Ich war überrascht über den Anruf“, sagt der 57-Jährige über die Anfrage von Erfurts Sportdirektor Franz Gerber. Beide kennen sich seit mehr als zehn Jahren. Miscevic jedoch hatte eigentlich nie den Plan, nach Deutschland zu gehen. Aber als auf seiner letzten Station im Oman die Saison wegen der Corona-Pandemie abgebrochen wurde, war ihm eine Vertragsverlängerung zu unsicher. „Ich war ungebunden und konnte deshalb sofort in Erfurt anfangen“, sagt der neue Trainer des FC Rot-Weiß, der nun zum ersten Mal an der Seite von Manuel Rost auf dem Platz stand.

Ungleicher kann das neue Gespann neben Sportdirektor Gerber beim Regionalliga-Absteiger kaum sein. Rost, gerade mal 31 Jahre, trainierte noch nie eine Männermannschaft, betreute zuletzt die U17-Elf des FC Rot-Weiß. Nun steht er auf Augenhöhe mit Goran Miscevic – einem Mann, von dem man getrost behaupten kann, dass er schon die große Fußball-Welt gesehen hat. Zu den Höhepunkten seiner Karriere gehörte die nur wenige Monate dauernde Amtszeit als Co-Trainer der irakischen Nationalmannschaft. An der Seite von Bora Milutinovic betreute er die Elf im Juni 2009 beim Konföderationen-Cup in Südafrika und verlor gegen den späteren Weltmeister Spanien nur knapp mit 0:1.

Auch als Trainer auf seinen Stationen mit Mittleren Osten traf er auf Gegner mit klangvollen Namen auf der Bank wie etwa Winfried Schäfer, Uli Stielike oder den argentinischen Vizeweltmeister Gabriel Calderon. „Ich glaube, wir passen perfekt zusammen. Von seiner Erfahrung kann auch ich profitieren“, sagt Rost über seinen weit gereisten Kollegen. Gestern Vormittag teilten sich beide Übungsleiter die Aufgaben auf dem Trainingsplatz. „Ich bin geholt worden, weil hier in Erfurt in einer Gruppe gemeinsam etwas entstehen soll. Genau diese Art der Zusammenarbeit macht mir Spaß“, sagt der neue RWE-Trainer.

Als klar war, dass er nach Erfurt wechseln würde, hat er sich im Internet über die Stadt informiert. „Dass der Klub in Sachen Fußball über eine lange Tradition verfügt, das wusste ich aber schon vorher.“

Seinen Wechsel in die fünfte Liga von Deutschland begründet er mit dem Stellenwert des Fußballs hierzulande. „Ich habe schon mitbekommen, dass in Erfurt selbst in der Oberliga mehr als 2000 Zuschauer ins Stadion kommen.“

Auf die Frage nach seiner Heimat braucht er nicht lange zu überlegen. „Ich bin überall auf der Welt zu Hause“, sagt Miscevic. Seine Frau lebt in Serbien, die Mutter ist in Lugano in der Schweiz beheimatet, während die Tochter sich ein Leben im kanadischen Toronto aufgebaut hat, wo er einst selbst sieben Jahre als Trainer tätig war.

Obwohl er beim FC Rot-Weiß zunächst einen Vertrag bis zum Saisonende unterzeichnet hat, kann sich Miscevic gut vorstellen, hier zwei, drei Jahre oder noch länger zu bleiben. „Wir müssen noch hart arbeiten und brauchen Zeit. Aber in zwei, drei Monaten wird man schon sehen können, was wir erreichen wollen“, versprach der Weltbummler in der Fußball-Provinz.

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