Eine Wertschätzung für alle: Ehrung für Gewichtheber aus Gräfenroda

Gräfenroda.  Zum dritten Mal gewinnen die Gewichtheber des SV 90 Gräfenroda das „Grüne Band“.

Freude über 5000 Euro bei den Gräfenrodaer Gewichthebern (hinten von links): Isabel Menzel (Commerzbank), Rolf Heyer und Trainer René Holtmann. Vorn von links: Luisa Kurbanova, Kheda Dudorkhanova, Amelie Büschke und Hendrik Wahl.

Freude über 5000 Euro bei den Gräfenrodaer Gewichthebern (hinten von links): Isabel Menzel (Commerzbank), Rolf Heyer und Trainer René Holtmann. Vorn von links: Luisa Kurbanova, Kheda Dudorkhanova, Amelie Büschke und Hendrik Wahl.

Foto: Berit Richter

„Was hier, am Nordosthang des Thüringer Waldes im Tal der Gera, in den vergangenen Jahren an vorderen Platzierungen gehoben und gestemmt wurde, nimmt in der Bewerbung gleich einige Seiten ein. Gewichtheben ist angesagt in Gräfenroda. Der Verein ist sehr aktiv in der Mitgliedergewinnung und in aller Bescheidenheit stolz, in der Gemeinde eine große Nummer zu sein“, sagt Isabel Menzel, Marktbereichsleiterin der Commerzbank, als sie am Donnerstagnachmittag Pokal und Scheck an Trainer René Holtmann überreicht. Nach 2008 und 2014 gewinnt die Abteilung Gewichtheben des SV 90 Gräfenroda zum dritten Mal das „Das Grüne Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“.

Die Bank und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) vergeben in diesem Jahr „Das Grüne Band“ als Förderpreis für den Nachwuchsleistungssport im Verein zum 34. Mal. Eine hochkarätig besetzte Jury hat die 50 Gewinner ausgewählt, darunter fünf Thüringer – die Leichtathletik des LC Jena, den Rollschnelllaufverein RSV Blau-Weiß Gera, die Radsportler vom RSC Turbine Erfurt, die Flossenschwimmer vom Tauchsportclub Weimar und eben die Gräfenrodaer Gewichtheber. 5000 Euro Prämie gibt es dafür.

Im Nachwuchsbereich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt

Normalerweise wären die fünf Vereine in einer gemeinsamen großen Feier geehrt worden, doch im Corona-Jahr ist alles anders. So gibt es nur eine kleine Ehrung in der Gräfenrodaer Turnhalle. „Der SV 90 hat etwa 300 Mitglieder, ein Drittel davon sind Gewichtheber“, zählt René Holtmann auf.

Diese haben mittlerweile im Nachwuchsbereich alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. „Fast 200 Medaillen bei deutschen Meisterschaften“, sagt Holtmann. Mehrfach wurde der Verein in den letzten Jahren Mannschaftsmeister bei den Schülern und der Jugend, letztes Jahr auch erstmals bei den Junioren. 18 Athleten sind Landeskader, zwei Bundeskader. All das trägt dazu bei, dass der SV 90 der erfolgreichste Gewichtheber-Verein Deutschlands im Nachwuchsbereich ist.

Rund 70 Kinder und Jugendliche trainieren im Verein. Viele kommen durch die Bambinogruppe erstmals mit dem Sport im Berührung. Spezifisch ans Gewichtheben herangeführt werden die Kinder, wenn sie etwa zehn Jahre alt sind. Da geht es zunächst um den Aufbau der Technik. Bei den Älteren erhöht sich der Umfang, kommen vermehrt Kraftübungen hinzu. Gerade in den Kinder-Gruppen trainiert eine große Anzahl von Geflüchteten und anerkannten Asylbewerbern, denn seit vielen Jahren ist Gräfenroda Stützpunktverein des Bundesprogramms „Integration durch Sport“ des DOSB.

„Wir freuen uns wirklich sehr über die Auszeichnung. Nicht nur die finanzielle Unterstützung können wir gut gebrauchen. Das ‚Grüne Band‘ stellt auch eine großartige Wertschätzung für alle dar, die uns meist ehrenamtlich unterstützen und sich engagieren“, sagt Rene Holtmann. Das Geld wird gleich wieder in Sportkleidung, Stangen, Scheibengewichte und Fitnessgeräte für den Nachwuchs investiert.

13 Übungsleiter kümmern sich um den Nachwuchs

13 Übungsleiter kümmern sich um den Nachwuchs. „Erfreulich ist, dass unsere komplette Bundesliga-Mannschaft die Trainerausbildung absolviert“, sagt Rene Holtmann. „Sonst würden wir das gar nicht mehr schaffen.“ Umso bedauerlicher ist, dass in diesem Jahr viele Wettkämpfe Corona zum Opfer fallen. „Die Deutschen Meisterschaften sind schon komplett abgesagt“, sagt Rene Holtmann. Auch die fürs letzte Wochenende in Sömmerda geplanten Landesmeisterschaften mussten kurzfristig ebenfalls ausfallen, weil dort die Coronazahlen in die Höhe schnellten. Sie sollen nun „scheibchenweise“ nachgeholt werden, unter anderem heute in Ilmenau.

„Diese Wettkampfausfälle und die Trainingseinschränkungen vielerorts bringen die Gefahr mit sich, dass uns Talente abspringen“, fürchtet Landestrainer Philipp Schreck. In Gräfenroda hofft man derweil, dass wenigstens die zweite Bundesliga wie geplant am 21. November starten kann. Ob dann die zwei tschechischen Gastheber, mit denen man in diesem Jahr den Bundesliga-Aufstieg angreifen wollte, dabei sein können, ist aber ungewiss. „Sie können im Moment nicht mal richtig trainieren“, sagt Abteilungsleiter Rolf Heyer.

Etwas Erfreuliches gibt es aber auch zu vermelden: Nächste Woche sollen die Arbeiten am Hallenbau für die Gewichtheber beginnen.