Eisenachs ThSV-Handballer feiern 28:24-Sieg über Dormagen

Eisenach.  Beim ersten Doppelpunktgewinn nach fünf verlorenen Spielen erweist sich Torhüter Blaz Voncina mit 14 Paraden als großer Rückhalt.

Eisenachs überragender Torhüter Blaz Voncina (Mitte) mit Abwehrchef Duje Miljak (r.) und Linksaußen Ivan Snajder.

Eisenachs überragender Torhüter Blaz Voncina (Mitte) mit Abwehrchef Duje Miljak (r.) und Linksaußen Ivan Snajder.

Foto: Sascha Fromm / Thueringer Allgemeine

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Schwierige Phase. Jörn Schläger, Eisenachs einstiger Kapitän, raunte dies oben auf den Rängen. Zehn Minuten waren da gespielt und die zwei Worte beschrieben in einem Atemzug die beiden akuten Probleme der Hausherren. Fünf Niederlagen am Stück hatte der ThSV seit Anfang Dezember kassiert. Und drüben auf der Anzeigetafel flammte gerade ein 0:4 auf.

Einmal mehr einmal hatten die sichtlich fahrigen und nervösen Eisenacher den Auftakt vergeigt. „Da überlegt man schon: Geht das jetzt wieder nach hinten los?“, gab Alexander Saul zu. Doch dann klingelte ein imaginärer Wecker, den nur jemand vergessen hatte, auf halb acht zu stellen. Urplötzlich war die Mannschaft wach und fuhr alle Systeme aus dem Ruhestand hoch.

Der schnelle Ausgleich (4:4/15.) war nur Zwischenstation, die entfesselten Blau-Weißen zogen ihrerseits auf 8:5 (19.) davon. Schlagartig stimmte alles: Kampfgeist, Körpersprache, Angriffsvariabilität. Wucht und Wille der Eisenacher waren derart dominierend, dass sie den überraschten und wahrlich nicht zur Laufkundschaft der Liga zählenden Gästen nicht einmal mehr den Anschlusstreffer erlaubten.

„Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht“, zeigte sich Trainer Sead Hasanefendic nach dem ungefährdeten 28:24-Sieg erleichtert. Erleichtert, dass die schwarze Serie zu Ende gegangen ist.

Blaz Voncina – das Phänomen

Die wichtigen Schlüssel drehte der ThSV nicht nur in der Rückraummitte, wo der kluge, wohltemperierte Ballverteiler Yoav Lumbroso schnell den glücklosen Martin Potisk ersetzte. Er tat es vor allem auf den gescholtenen Positionen des vorigen Wochenendes – im Tor und auf den Außenbahnen. Zwischen den Pfosten schwang sich Blaz Voncina, der schon in der zweiten Minute dem frei vor ihm auftauchenden Julian Köster den Schneid abgekauft hatte, zur entscheidenden Figur des Abends auf. Der 36-Jährige war der Held, der einfach alles hält. Reihenweise entschärfte er Hundertprozentige und zog den Gästen so den Zahn. „Blaz war einfach der Wahnsinn“, schüttelte Alexander Saul staunend den Kopf, „er ist immer wieder ein Phänomen.“

Als Sieggaranten taugten auch die Außen, die zwölf Tore beisteuerten. Von links traf Ivan Snajder , von rechts hatte Willy Weyhrauch die Akzente gesetzt – bis er nach 21 Minuten mit Rot vom Parkett musste. Wieder mal kassierten die Eisenacher eine harte Strafe. Weyhrauch beschrieb die Szene so: „Ein Gegenspieler bricht durch, ich will ihn mit der Brust stoppen. Er geht mit dem Kopf runter, ich erwische ihn mit der Hand im Gesicht.“ Kann man geben, muss man nicht. Die wenig überzeugenden Schiedsrichterinnen Katharina Heinz und Sonja Lenhardt entschieden sich für Ersteres.

Manager Witte kritisiert Unverhältnismäßigkeit der Strafen

„Die Rote Karte müssen wir akzeptieren“, sagte ThSV-Manager René Witte, vermisste aber nach weder aufgeheizten noch unfairen 60 Minuten einmal mehr „die Verhältnismäßigkeit“ in der Beurteilung: „Wir haben nach zwölf Minuten drei Gelbe Karten, der Gegner im ganzen Spiel eine. Ich bin gern bereit, darüber zu reden, was wir falsch machen.“ Aus den letzten beiden Spielen nehmen die Eisenacher ein Zeitstrafenmissverhältnis von 24:6 Minuten mit. „Die Waage ist nicht austariert“, sagte Witte.

Dass Rot für Weyhrauch folgenlos blieb, verdankten die Eisenacher ihrem Mann für alle Fälle: Adrian Wöhler. Weil Ante Tokic als etatmäßiger Rechtsaußen verletzt fehlte, rückte der 32-Jährige als Rechtshänder auf die ungewohnte Stelle und tat das, was er immer tut: er lieferte. Wöhler rannte, sprang, wand sich im Fluge und traf aus den verrücktesten Winkeln. Fünf Treffer, davon einen Siebenmeter, steuerte er bei. „Besser kann man es nicht machen“, lobte Hasanefendic seinen unverwüstlichen Routinier.

Wöhler selbst verlor nicht viele Worte über seinen Einsatz, widmete diese lieber Blaz Voncina: „Wenn man einen sehr starken Torwart hat, hilft das ungemein. Ein Riesengewinn ist das.“ Zu sehen war dieser Rückhalt auch in der flexiblen Abwehr, die zwischen Sechsnull und Fünfeins alle Varianten-Register zog, Ballgewinne provozierte, so einfache Tore im Gegenstoß ermöglichte und die Gäste immer wieder vor unlösbare Rätsel stellte.

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