Cindy Roßdeutscher: „Mein Traum bleibt eine neue Frauenmannschaft in Ilmenau“

lmenau.  Interview der Woche Cindy Roßdeutscher stürmte in der Bundesliga und bringt nun nicht nur den Nachwuchs voran

Da geht’s lang: Cindy Roßdeutscher hilft hin und wieder auch bei den Männern an der Bande. Ihr Steckenpferd ist aber der Nachwuchs, dafür kam sie nach Ilmenau zurück.

Da geht’s lang: Cindy Roßdeutscher hilft hin und wieder auch bei den Männern an der Bande. Ihr Steckenpferd ist aber der Nachwuchs, dafür kam sie nach Ilmenau zurück.

Foto: René Röder

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I Eishockey hat in Ilmenau einen hohen Stellenwert. Seit 2007 die moderne Eishalle genutzt werden kann, geht es beim Eissportclub auch in der Eishockey-Abteilung stetig voran. Die Kickelhahn Rangers sind fester Bestandteil der Landesliga und im Nachwuchs rücken einige hoffnungsvolle Jahrgänge nach. Darauf ist die 31-jährige Cindy Roßdeutscher stolz, die sich besonders dem Nachwuchs verschrieben hat, aber auch bei den Männern seit Jahren immer wieder aushilft. Sie hat allen großen und kleinen Eishockey-Cracks in Ilmenau etwas voraus. Sie stürmte von 2016 bis 2018 in der 1. Bundesliga der Frauen bei den Hannover Lady Scorpions. Warum sie sehr schnell zurückkam, was sie von den Kickelhahn Rangers, den Young Rangers und einem neuen Frauen-Team in Ilmenau hält, verriet sie uns.

Am vergangenen Wochenende trainierten Sie das Landesliga-Team der Kickelhahn Rangers. Wer ist eigentlich der Chef an der Bande bei den Kickelhahn Rangers?

Das ist Jan Rudorfer, der war aber dieses Wochenende unaufschiebbar im Urlaub. Da sprang ich wieder einmal ein. Ich sichere die Spiele ab, Carl Lutz trainiert mit mir und Jan Rudorfer ist der Head-Coach. Ich bin sonst mit dem Nachwuchs von der U 9, 13 bis 17 unterwegs. Aber wir helfen uns im Verein alle untereinander.

Richtig erfolgreich war das Wochenende ja nicht, eher total verkorkst?

Das kann man so sagen. So richtig weiß ich nicht was ich sagen soll. Da spielt vieles rein, die lange Pause, auch die Abstimmung zwischen den Braunlager und den Ilmenauer Spielern untereinander und die Kondition.

Fehlt ein gemeinsames Training der Braunlager und Ilmenauer?

Das würde ich nicht mal sagen. Obwohl das natürlich perfekt wäre. Das ist aber schon durch die Entfernung und die vielen Studenten kaum möglich.

Zwei Niederlagen, 4:6 in Waltershausen und 4:7 gegen die Erfurt Hurricane-V2, innerhalb nur 24 Stunden. War das doch ein wenig zu viel?

Das sicher auch. In Waltershausen waren wir aber ausgeruht richtig schlecht. Gegen die Erfurter haben wir uns enorm gesteigert, hatten aber auch etwas Pech. Das Spiel des Vortages hing besonders in der Schlussphase doch heftiger in den Knochen. Die lange Pause nach dem ausgefallen Halle-Spiel war auch nicht förderlich aber unterm Strich waren wir an diesem Wochenende einfach nicht gut genug.

Und jetzt starten Sie wie im Vorjahr einen lange Aufholjagd. Da gab es fünf Niederlagen und dann nahtlos sieben Siege in Folge und den Vizemeistertitel?

Das wäre riesig. Dafür müssen wir aber mächtig zulegen, unser Positionsspiel verbessern, Fehler abstellen und auch in Fahrt kommen.

Sie haben auch fünf Gastspieler aus Braunlage im Team. Wie fügen die sich ein?

Die sind total umgänglich, passen auch richtig gut in die Mannschaft. Das machen sie richtig gut. Auch ständig und zuverlässig solch große Strecken in Kauf zu nehmen, ist bewundernswert.

Die Fünf übernachteten durch den Doppelspieltag diesmal sogar in Ilmenau. Wo waren sie untergebracht – bei Spielern?

Nein, das hatten wir angeboten, aber sie wollten sich selbst umsehen, sind dann in der Jugendherberge hier in Ilmenau gelandet.

Sie sind vor allem im Nachwuchs Trainerin. Wird die außergewöhnlich weiträumige Vereinspartnerschaft mit Braunlage auch über die Saison fortgesetzt?

Das hoffe ich. Die läuft sehr gut. Ist aber auch enorm aufwendig. Die U 17, die hier zum Beispiel kein Team zusammenbekam, spielt mit den Harzer Falken in Niedersachsen und hat dort weite Strecken bis Bremerhaven, Hamburg oder Rostock. Das ist schon sehr aufwendig für die sechs Ilmenauer Talente, die dann oft das ganze Wochenende unterwegs sind. Ohne Unterstützung der Eltern würde das nicht funktionieren.

Wie viele Mannschaften im Nachwuchs gibt es derzeit beim EC Ilmenau?

Neben der U 17, die mit Braunlage startet sind das zwei U-13-Teams und die neue U-9-Mannschaft. Bei den U-13-Teams kommen die Braunlager Talente zu uns. Wir haben in Ilmenau momentan zwischen 40 und 50 Eishockey-Talente. Die Kinder trainieren dreimal in der Woche jeweils ab 18 Uhr.

Da werden eine Menge Trainer gebraucht?

Sicher, da könnten wir noch Unterstützung gebrauchen. Neben mir sind im Moment vor allem Martin Sachs und Christian Rüdiger dafür im Einsatz.

Fehlt eigentlich nur noch eine Frauenmannschaft in Ilmenau?

Das wäre mein Traum. Ist aber schwierig. Da fehlen genügend Spielerinnen. Aber in den Nachwuchs-Teams sind inzwischen einige Mädchen dabei, in der U 17 vier in der U 13 sechs. In zwei, drei Jahren denke ich, können wir über eine neue Frauenmannschaft ernsthaft nachdenken.

Sie sind mit den Hornets von Erfurt nach Ilmenau gewechselt, bis 2015 die Spielerinnen ausgingen. Wer war damals alles so mit dabei?

Anja Neuhaus stand im Tor, ich stürmte und auch Antonia und Jana Demant, Aileen Feßer, Sarah Reitmeier, Emily Machleidt. Laura Nützel waren dabei – und viele mehr.

Dann wechselten Sie in die 1. Bundesliga...

Für zwei Jahre zu den Hannover Lady Scorpions.

Warum sind Sie so schnell nach Ilmenau zurückgekommen?

Ich hatte in Ilmenau ja parallel auch noch den Nachwuchs trainiert, bin nach Hannover hin und her gependelt und habe dann auch noch eine Ausbildung begonnen.

Das war doch bestimmt purer Stress?

An die Fahrerei zum Training und den Spielen gewöhnt man sich, obwohl es schon ein bisschen verrückt war. Aber wenn man etwas unbedingt will, geht alles. Ich bin zu den Auswärtsspielen gleich durchgefahren. Auch nach den Heimspielen in Hannover ging es Abend gleich wieder nach Hause. Ich habe damals noch studiert. Da ging das. Alternativ wäre Ingolstadt gewesen, aber da war die Verkehrsanbindung ungünstig. Durch die Ausbildung zur OP-Krankenschwester in Meiningen und Schmalkalden war die Pendelei dann aber wirklich nicht mehr möglich. Der Nachwuchs bleibt aber immer meine Leidenschaft.

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