DDR-Eishockeyspieler erhielten mit 33-jähriger Verspätung EM-Bronzemedaillen

Oberhof. Man könnte meinen, Joachim Ziesche, Joachim Franke, Lothar Fuchs, Horst Eckert und Kurt Hoffmann haben den Ort ihres Treffens mit Bedacht gewählt - das Haus Vergißmeinnicht in Oberhof. Doch der letztere Herr hat nicht nur viele Jahre als Präsident des BSR Rennsteig Rennrodelstars wie

Oberhof. Man könnte meinen, Joachim Ziesche, Joachim Franke, Lothar Fuchs, Horst Eckert und Kurt Hoffmann haben den Ort ihres Treffens mit Bedacht gewählt - das Haus "Vergißmeinnicht" in Oberhof. Doch der letztere Herr hat nicht nur viele Jahre als Präsident des BSR Rennsteig Rennrodelstars wie Silke Kraushaar und Jens Müller begleitet, er ist auch der Chef der gastlichen Stätte.

Joachim Ziesche, Joachim Franke und Lothar Fuchs waren einst gleichfalls Kufenstars, allerdings jagten sie mit Dynamo Berlin, Dynamo Weißwasser und Turbine Erfurt dem Puck hinterher. Mit beachtlichem internationalen Erfolg, woran nun wieder der Journalist Horst Eckert nicht ganz schuldlos ist, der seit 70 Jahren im Oberhofer Haus Vergißmeinnicht Ferien macht.

Der heute 78-Jährige setzte sich als Präsident des Eishockey-Museums in Augsburg dafür ein, dass die DDR-Auswahl 1999 mit 33-jähriger Verspätung mit EM-Bronze dekoriert wurde. "Ich habe damals an der Chronik geschrieben und dabei entdeckt, dass man die DDR damals beschissen hat", erzählt Eckert frei heraus. Er habe sich dann an den Präsidenten des Weltverbands gewandt, der sich der Sache annahm.

1966 in Ljubljana war wie üblich innerhalb des WM-Turniers auch die Europameisterschaft ausgespielt worden. Normalerweise wertete man dazu einfach die Spiele der europäischen Mannschaften untereinander extra. Die DDR war somit Dritter vor den Schweden, die sie im direkten Duell mit 4:1 bezwang. In der WM-Tabelle lagen die Skandinavier als Vierter allerdings vor der DDR, weil da auch die Spiele gegen USA und Kanada zählten. "Plötzlich hieß es", erinnert sich Joachim Ziesche, "die drei bestplatzierten europäischen Mannschaften in der WM-Tabelle würden die EM-Medaillen bekommen." Die Proteste der DDR, UdSSR und CSSR wurde ohne Begründung abgeschmettert. "Wir waren natürlich damals sauer über diese Machenschaften", erzählt Joachim Ziesche, "später haben wir die Sache abgehakt".

Bis zum September 1999, als eine Einladung ins Augsburger Museum ins Haus flatterte. Dort bekamen die Spieler ihre Medaillen überreicht. "Wir waren sehr überrascht, es war eine späte Genugtuung. Vor allem aber überwog die Freude", meinte Joachim Ziesche. Es waren übrigens Orginalmedaillen, denn der Druckstock von 1996 war noch vorhanden.

Joachim Ziesche, inzwischen 71, bestritt 197 Länderspiele. Nach den Olympischen Spielen in Grenoble verlor die Sportart ihren Förderstatus. 1970, die DDR war noch einmal WM-Fünfter, wurde die Oberliga von acht auf zwei Teams reduziert. In der kleinsten Liga der Welt spielten fortan nur noch die Dynamos aus Berlin und Weißwasser um die Meisterschaft. Der Begeisterung tat das aber keinen Abbruch. 1990, als Weißwasser den 25. DDR-Titel gewann, saßen 15.000 in der Freiluftarena in der Lausitz.

"Wir alle haben die Hoffnung nie aufgegeben, dass Eishockey wieder einen anderen Status erhält. Die Wende hat das Problem dann gelöst", sagt Joachim Ziesche. Joachim Franke, der 127-mal für die DDR-A-Auswahl auflief, war da bereits Eisschnelllauftrainer. Seine Schützlinge, mit Claudia Pechstein an der Spitze, holten bei Olympia 16 Medaillen, darunter acht Mal Gold, und 17 WM-Titel. Und mit Lothar Fuchs, der auf 127 Länderspiele kam und in Crawinkel wohnt, war zumindest auch ein Thüringer unter den EM-Medaillengewinnern.