Drachen-Torwart Kai Fischer tritt Samstag von Eishockeybühne

Drachen-Torwart Kai Fischer tritt am Samstag, 16 Uhr, mit einem Abschiedsspiel offiziell von der Eishockeybühne. Mit Steffen Eß sprach der 35-Jährige übers Loslassen, bewegende Momente, Lebensqualität und eine neue Rolle.

Am Samstag wird Kai Fischer ein letztes Mal im Erfurter Kasten stehen. Foto: Sascha Fromm

Am Samstag wird Kai Fischer ein letztes Mal im Erfurter Kasten stehen. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Die Black Dragons starten am Freitag in Schweinfurt mit dem ersten Testspiel ohne Sie in die neue Saison. Was wird es für ein Gefühl sein, nach zwölf Jahren im Männerbereich erstmals zu keiner Mannschaft zu gehören?
Momentan bin ich recht entspannt und ehrlich gesagt wegen der Familie, des Zuwachses durch den Kleinen und des Hausbaus auch ganz froh, dass ich mal nicht trainieren musste. Es ist nicht so, dass ich sage, Eishockey geht nicht ohne mich. Aber was ich schon vermisse, ist das Drumherum und die Atmosphäre in der Kabine.

Beides werden Sie zumindest noch einmal am Sonnabend in Ihrem Abschiedsspiel haben - Kai Fischer & Friends gegen die Black Dragons. Das macht mich schon mächtig stolz, dass ich so ein Spiel machen darf. So weit ich weiß, gab es das so noch nicht.

Es drückt auch die Wertschätzung des Vereins aus, für den Sie in den letzten Jahren ein großer Rückhalt gewesen sind. Präsident Thomas Semlow freut sich schon besonders auf die anschließende offizielle Auswertung. Worauf freuen Sie sich?
Eigentlich auf alles. Ich habe mir ein paar Leute gesucht, mit denen ich über die vielen Jahre im Eishockey den meisten Kontakt hatte. Schön, dass die auch alle zugesagt haben.

In Ihrem klangvollen Team, das von Weißwassers Kapitän Sebastian Klenner angeführt wird, sind einige ehemalige Spieler der Drachen. Aber keine aus der aktuellen Mannschaft.
Den einen oder anderen hätte ich mir schon gewünscht. Eigentlich hätte ich aufgrund der langen Zeit hier die gesamte Truppe in mein Team nehmen müssen. Aber dann hätten wir ja keinen Gegner gehabt.

Vielleicht haben die Drachen in Ihrem letzten Auftritt ein Einsehen und bescheren Ihnen den 19. Shutout Ihrer Laufbahn?
Ich glaube, das wird wohl nichts werden. Ich wünsche mir, dass viele Leute kommen. Und die sollen ja auch viele Tore sehen.

Viele Gegentreffer zumindest werden Ihrem Vater Wolfgang Fischer wohl weniger recht sein. Als früherer DDR-Nationaltorwart coacht er am Sonnabend Ihre Mannschaft?
Wäre möglich. Für mich war es wichtig, dass er hinter der Bande steht. Er hat mich zum Eishockey gebracht.

Von damals bis heute liegen viele Jahre, darunter zwölf Spielzeiten im Männerbereich. Auf welchen Moment schauen Sie am liebsten zurück?
Auf die U 18-EM. Dass wir Vizemeister werden, war damals eine Sensation. Einige russische Spieler, die wir etwa 3:2 geschlagen haben, spielen heute noch in der NHL.

Sie sind damals zum besten Torhüter der EM gewählt und 1998 von Colorado gedraftet worden. Bedauern Sie, dass der Weg Sie nicht in die nordamerikanische Liga geführt hat?
Da ich damals extra wegen des Angebots nach Amerika geflogen bin, sage ich, vielleicht hätte ich dort ein Jahr in einer der Juniorenligen spielen sollen. Aber ich hatte mich halt für Bremerhaven und die erste Liga entschieden.

Sie haben in vielen Vereinen und Ligen gespielt. Welche Entscheidung bereuen Sie?
Dass ich von Bremerhaven nach Essen bin. Es war ein gutes Team. Aber es hat nie so richtig funktioniert und war nur eine Saison. Jetzt im Nachhinein bin ich froh, dass alles so gelaufen ist.

Inwiefern?
Mal angenommen, ich wäre diesen Weg nicht so gegangen, dann wäre ich vielleicht nicht in Erfurt gelandet, hätte nicht meine Frau Nadja kennen gelernt. Hier fühle ich mich einfach wohl. Erfurt ist nicht zu groß und nicht zu klein. Es hat eine gute Lebensqualität.

Und eine Eishockeymannschaft, deren fester Teil Sie als Torwart in den zurückliegenden sechs Jahren waren. Wie bewerten Sie diese Zeit?
Abgesehen von Erfolg oder Misserfolg durchweg positiv. Der Pokalsieg 2011 oder selbst die damals verlorene Meisterschaft gegen Preussen Berlin waren schon bewegende Momente. Seit dem völlig verkorksten Jahr in der damaligen Oberliga Süd hat sich der Verein und die Mannschaft immer weiter entwickelt. Alles ist familiär. Nicht umsonst ist es meine zweitlängste Station gewesen.

Sie bleiben dem Verein erhalten, kümmern sich um die Ausbildung der Torleute von Klein bis Groß, was Trainer Thomas Belitz unheimlich schätzt. Wie gefällt Ihnen die Rolle?
Das macht schon Spaß. Einen Torwarttrainer hätte ich mir früher manchmal gewünscht, weil das meiste im Training auf Taktik ausgerichtet und man sich als Torwart doch immer mal sich selbst überlassen ist. Und das Gute ist, man steht selbst hin und wieder auch wieder auf dem Eis.

Dann juckt es also noch immer in den Fingern?
Wenn man so wie jetzt im Vorfeld des Spiels mal mittrainiert, schon ein bisschen. Aber ich ganz schön eingerostet.

Ihre Trikotnummer 19 ist nun schon an Rückkehrer Christian Grosch vergeben.
Da ist sie auch in guten Händen. Mit ihm als einen so vielseitigen Spieler hat der Verein einen guten Griff getan.

Das klingt, als käme ein Rücktritt vom Rücktritt für Sie nicht in Frage?
Momentan sage ich nee. Aber wer weiß, was irgendwann kommen wird. Ich habe mir sagen lassen, das erste Jahr ohne Eishockey geht wohl ganz gut, aber das zweite soll schlimm werden.