Erfurter Bäcker mit großem Kämpferherz

Nordhausen  Wie Sebastian Günther aus der Boxer-Rente zurück in den Ring kam und damit dem Nordhäuser SV trotz zweier Niederlagen zu Siegen verhalf

Sebastian Günther (rechts) warf gegen Kasparian alles rein.

Sebastian Günther (rechts) warf gegen Kasparian alles rein.

Foto: Christoph Keil

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Kurz vor dem wichtigen Auswärtskampf beim BC Chemnitz Ende Februar verletzte sich der eigentlich für den Kampftag gesetzte NSV-Boxer Peter Mullenberg. Der zweite NSV-Boxer in dieser Gewichtsklasse konnte daraufhin nicht rechtzeitig das nötige Gewicht aufbringen und der Verein befand sich in einer Notlage. Um wenigstens den wichtigen Wiegepunkt vor dem Kampftag zu erhalten, erinnerte sich Trainer Andreas Dietrich-Scherfling des ehemaligen NSV-Boxers Sebastian Günther, der in Erfurt lebt und dort in einer Bäckerei arbeitet. Sebastian sagte schon am Telefon sofort zu, am Samstagabend für Nordhausen in den Ring zu steigen. Das Angebot, ihn in seinem Kampf gegen einen übermächtigen Gegner durch eine schnelle Aufgabe per Handtuchwurf zu schützen, schlug Günther allerdings aus und sagte stattdessen: „Trainer, ich boxe für Nordhausen und Thüringen und werde alles daran setzen, die drei Runden stehen zu bleiben und mich mit allem was ich habe zu wehren“.

So absolvierte Sebastian Günther, der am Morgen noch in der Backstube in Erfurt gestanden hatte, seinen Bundesliga-Kampf in Chemnitz über die volle Distanz und ließ sich nicht ausknocken. Die Mannschaft und die mitgereiste Nordhäuser Fans feuerten ihn die vollen drei Runden über an und waren trotz seiner Niederlage nach Punkten begeistert von dem Sportsgeist Sebastian Günthers. Auch die Abteilungsleitung Boxen des NSV war stolz auf den Mut und die Haltung, die der 27-jährige Erfurter an den Tag gelegt hatte. Bereits zu diesem Zeitpunkt reifte bei den Verantwortlichen der Entschluss, Sebastian auch einen Heimkampf in der Nordhäuser Ballspielhalle boxen zu lassen. „So einen großartigen Einsatz haben wir noch nie erlebt und deshalb wollen wir uns bei Sebastian mit der erneuten Nominierung bedanken“, war die einhellige Meinung von Vorstand und Cheftrainer.

Am vergangenen Samstag wurde dieses Vorhaben in die Tat umgesetzt und Sebastian trat als einer von drei Thüringer Boxern im NSV-Team vor der beeindruckenden Kulisse der Ballsporthalle erneut gegen den Chemnitzer Artjom Kasparian an. Dieses Mal standen sie sich im Halbschwergewicht gegenüber, der für Sebastian Günther ungewohnten Gewichtsklasse. Und wieder lieferte der Bäckergeselle nach einem ganz normalen Arbeitstag in der Backstube am Abend einen heißen Kampf. Obwohl er auch diesen Einzelkampf letztendlich verlor, gehört Sebastian zu den Gewinnern dieses Abends. Nur durch sein Engagement und seinen unbändigen Willen konnte der NSV zwei Punkte holen.

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