Erfurter Frohnatur in der Zwangspause

Erfurt.  Volleyballerin Paula Reinisch von Schwarz-Weiß Erfurt brennt darauf, wieder am Ball zu sein.

Immer positiv: Paula Reinisch (rechts) hat meistens ein Lächeln auf den Lippen und spornt auch ihre Mitspielerinnen an. Inzwischen ist sie die dienstälteste Spielerin im Bundesliga-Kader von Schwarz-Weiß Erfurt – und brennt nach einem Armbruch und Corona darauf, endlich wieder zu spielen.

Immer positiv: Paula Reinisch (rechts) hat meistens ein Lächeln auf den Lippen und spornt auch ihre Mitspielerinnen an. Inzwischen ist sie die dienstälteste Spielerin im Bundesliga-Kader von Schwarz-Weiß Erfurt – und brennt nach einem Armbruch und Corona darauf, endlich wieder zu spielen.

Foto: Sascha Fromm

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„Ich habe es knacken gehört. Der erste Moment war seltsam, irgendwie unwirklich“, erinnert sich Paula Reinisch, Außenangreiferin der Schwarz-Weiß-Volleyballerinnen, präzise, als sei es gestern gewesen, an die Situation, in der sie in der Partie gegen die Ladies in Black Aachen das Missgeschick eines Unterarmbruches ereilte. Sie war bei einer Abwehraktion beim Stande von 1:1 nach Sätzen unglücklich mit Mitspielerin Mia Stauß zusammengeknallt. Das 21-jährige Eigengewächs, seit dem achten Lebensjahr im Verein, ist mit Blick auf diesen 14. Dezember hin- und hergerissen: „Einerseits meine Verletzung, andererseits war das 3:2 gegen Aachen unser erster Sieg.“

Seit einem Vierteljahr ist sie außen vor, wenn es gilt, die gegnerischen Angriffe mit perfekter Annahme zu entschärfen oder den Ball in des Gegners Hälfte zu hämmern. „Ich war so gut drauf, fühlte mich fit wie nie.“ Das merkt man. Inner- und auch außerhalb des Parketts. Paula ist immer froh gelaunt, motiviert auch ihre Mitspielerinnen. „Ja, und ich bin auch irgendwie von einer Last befreit.“ Last? Welche Last? „Ich hatte in dieser Saison eine andere Rolle, nicht mehr die Verantwortung eines Leistungsträgers. Die Rollen waren neu verteilt. Unser neuer Trainer Florian Völker hat mit das vor der Saison genau und plausibel erklärt. Das hat mich irgendwie locker gemacht, obwohl ich weniger gespielt habe und zwischen Außengreiferin und Libera hin- und hergewechselt bin.“

Dass Reinisch zum „Mädchen für alles“ infolge ihrer Vielseitigkeit mutieren muss, liegt am verletzungsbedingten Langzeit-Ausfall von Neu-Libera Michelle Petter. Die Ex-Dresdnerin ist zuvor im Training unglücklich ebenfalls mit Mia Stauß kollidiert und länger ausgefallen. Dieses positionelle Hin und Her stört Paula kein bisschen: „Es ist für mich eher von Vorteil. So kann ich mich in verschiedenen Elementen des Volleyballs stabilisieren und mich praktisch im Wettkampfmodus fortbilden.“ Und nach kurzem Sinnieren – da kommt schon wieder ihre Optimismus durch: „Klar bleibt meine Lieblingsposition der Außenangriff, aber ich bekomme als Libera eine andere Sicht auf mein Spiel und zudem jede Menge Selbstsicherheit für die Annahme als Außenangreiferin.“

Die 1,80 Meter große junge Dame geht, wenn es nach Corona wieder beginnt, in ihre sechste Saison in der ersten Schwarz-Weiß-Mannschaft. Sie hat die Trainer (inzwischen mit Herzberg, Müller, Kronseder, Völker vier an der Zahl) und Spielerinnen en masse kommen und gehen sehen. Sie ist damit das einzige „Urgestein“ des hiesigen Bundesligateams und hofft, dass da noch einige Saisons hinzukommen.

Vorfreude auf Beachvolleyballund die neue Hallensaison

Und, ihrem Naturell entsprechend, ist sie bester Hoffnung, zu Beginn der neuen Pflichtspielsaison wieder vollgültig im Team zu sein: „Runde zehn Wochen wird es noch dauern, ehe meine gebrochene Elle so richtig und voll belastbar zusammengewachsen ist.“ Dennoch fühlt sie sich schon jetzt wieder vollkommen fit und schmerzfrei. Ihr Tagesablauf in Zeiten Coronas heißt Reha, Reha und nochmals Reha. Viel Fitness, Kraft aufbauen, vor allem den Arm so peu à peu belasten.

„Das Einzige, was mir momentan wirklich fehlt, ist die aktive Bewegung mit dem Ball und der menschlich-sportliche Kontakt mit meinen Mitspielerinnen.“ Sie stockt und lächelt nachdenklich: „Mit welchen? Es bleibt spannend, wer neu hinzukommt, wer da bleibt und was nach Corona überhaupt mit dem Spitzenvolleyball wird.“ Mit einer flüchtigen Handbewegung wischt sie negative Gedanken schnell weg: „So ein bisschen geht es ja schon wieder los. Ich spiele den Ball gegen die Wand, mache mit Freunden sehr vorsichtig ein kleines Eins-zu-Eins.“ Und sie blickt schon ein Stück voraus, würde gern Beachvolleyball spielen, um schnell wieder das Gefühl fürs Spiel und den Ball mit den vielen Hinfallern und Abrollern zu bekommen.

Dass sie auch über den sportlichen Tellerrand hinausschaut, ist für sie völlig normal. Schließlich weiß sie, dass sie mit Volleyball nie ihren Lebensunterhalt verdienen kann und wird: „Ein Fakt, der einem gerade in den unwägbaren Corona-Zeiten bewusst wird. Ich studiere an der Erfurter Uni auf Grundschul-Lehreramt mit Nebenfach Sport. Wenn alles klappt, möchte ich in rund anderthalb Jahren meinen Bachelor und später meinen Master machen.“

Dann wieder der Wechsel ins sportliche Jetzt: „Es ist immer spannend, wenn neue Spielerinnen aus vielen Ländern ins Team kommen. Man erweitert seinen Horizont dank der vielen Nationalitäten mit ihren ganz unterschiedlichen Verhaltensweisen.“ Sie benennt auch die eigenen kleine Unsicherheiten dabei: „Neuer Trainer, viele neue Spielerinnen. Setzt der Coach auf mich? Welchen neuen Input gibt er uns? Wie passen wir auch menschlich zusammen?“ Da begrüßt sie es, dass mit Cindy Lenz und Clarisa Sagardia zumindest zwei Mitspielerinnen noch Vertrag haben. „Da kenne ich wenigstens schon mal zwei“, lacht Paula Reinisch. Sie will sich von Corona und der Gefahr, dass Spitzenvolleyball schwierigen Überlebenszeiten entgegensieht, nicht entmutigen lassen.

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