Erstes Südharzer Cricketteam steht

Krimderode  Junge Afghanen finden bei der TSG Krimderode eine sportliche Heimat. Integrationsminister Lauinger ist voll des Lobes.

Diese Männer aus Afghanistan bilden fortan die Sektion Cricket bei der TSG Krimderode. Auch einige Deutsche zeigten zumindest schon Neugier.

Diese Männer aus Afghanistan bilden fortan die Sektion Cricket bei der TSG Krimderode. Auch einige Deutsche zeigten zumindest schon Neugier.

Foto: Kristin Müller

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Der Fußballrasen verschwindet in einer langen Bahn unter Spanplatten, darüber folgt eine Kokosmatte. Willkommen auf dem ersten Cricketplatz im Südharz. 15 junge Afghanen haben den Sport nach Krimderode gebracht. Als die Mannschaft am Samstag das erste Mal gegen Niederkrossen – die zweite Thüringer Cricketmannschaft aus der Nähe von Rudolstadt – antritt, ist das für Thüringens Integrationsminister Dieter Lauinger (Grüne) Grund genug, hier vorbeizuschauen. Er hat keine Ahnung von dieser Sportart, aber er weiß: „Die Politik kann nur den Rahmen für Integration schaffen – die echte Arbeit geschieht hier.“ Und das häufig, bevor die Migranten perfekt Deutsch können. Er wolle ausdrücklich danke sagen, betont Lauinger.

Die TSG Krimderode hat schon vor fast drei Jahren die ersten Flüchtlinge in ihren Reihen begrüßt. Mittlerweile sind es etwa 35 Vereinsmitglieder aus Afghanistan, Eritrea, Syrien und dem Irak. Viele fanden am Fußball gefallen, die Zahl der Mannschaften im Spielbetrieb stieg von zwei auf sechs, erzählt Sektionsleiter Jörg Protzner.

Nun also auch Cricket. Dieser Sport sei deutlich langsamer als Fuß- oder Handball. Trotzdem könne es ein echter „Krimi“ sein, sagt Brian Mantle, der Geschäftsführer des deutschen Cricketverbands. „Cricket ist ein soziales Ereignis und eine Sommersportart.“ Wie sonst sollten es internationale Mannschaften durchstehen, ein Match über bis zu fünf Tage auszutragen?

Für Amateure freilich gibt es auch kürzere Spielversionen. In Krimderode sind drei Stunden anberaumt. In Thüringen ist die TSG-Sektion außergewöhnlich, in anderen Bundesländern ist Cricket schon etablierter. Binnen sieben Jahren sei die Zahl der Vereine bundesweit von 50 auf 149 gestiegen, erzählt Mantle. Dass Krimderode dazugehört, ist auch ein Verdienst des Beauftragten für Integration im Sport, sagt Kreissportbundchef Andreas Meyer. Fünf solcher Koordinatoren gebe es landesweit. Als Ansprechpartner für Vereine helfen sie in Sachen Versicherungsschutz oder beispielsweise bei Mitgliedsbeitragsfragen. Der Kreissportbund gab Geld für die Ausrüstung der Cricketmannschaft: Ohne Helme, Protektoren, Schläger, Wicket und Ball geht es nicht. Von Geldern aus dem Topf „Integration durch Sport“ wurde besagte Kokosmatte bezahlt.

Ungelöst ist allerdings noch das Platzproblem der TSG: Sie bräuchte ob der vielen neuen Mannschaften eigentlich einen zweiten Platz. Optimal wäre er in direkter Nachbarschaft, meint Christian Lautenbach. Den städtischen am Schurzfell dürften sie zwar mitnutzen, doch würden hier Sanitäranlagen wie auch Stromanschluss fehlen. Minister Lauinger hört zu und lächelt: Das seien doch schöne Probleme und besser, als wegen fehlenden Nachwuchses den Niedergang zu verwalten.

Zum Ausgang des Cricket-Spiels lesen Sie morgen im Sportteil der TA mehr.

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