Ex-Rot-Weißer David Vogt: „Es musste ganz schnell gehen“

Martinroda.  Interview der Woche mit David Vogt, einem der beiden 19-jährigen Ex-Rot-Weiß-Spieler, die nun in Martinroda Oberliga spielen

Einstand: Beim 7:0 über Sangerhausen gab der Ex-Rot-Weiße David Vogt seine Premiere im Martinrodaer Trikot. Hier versucht ihn Niklas Kern zu stoppen, Marc Andris schaut zu.

Einstand: Beim 7:0 über Sangerhausen gab der Ex-Rot-Weiße David Vogt seine Premiere im Martinrodaer Trikot. Hier versucht ihn Niklas Kern zu stoppen, Marc Andris schaut zu.

Foto: René Röder

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Fast wäre David Vogt sogar beim SV 09 Arnstadt in der Thüringenliga gelandet. Alles musste ganz schnell gehen nach dem Regionalliga-Rückzug von FC Rot-Weiß Erfurt am vorigen Mittwoch. Am Donnerstag absolvierte er ein erstes „Schnuppertraining“ beim FSV Martinroda. Unterdessen verhandelte sein Spielerberater Wolfgang Benkert mit der sportlichen Leitung des FSV. Am Abend dann die Unterschrift, einen Tag vor Ende der Wechselfrist: Der 19 Jahre alte Mittelfeldspieler Vogt, der seit März 2019 in 15 Spielen für Rot-Weiß in der Regionalliga am Ball war, wechselt wie der gleichaltrige Innenverteidiger Jan Roschlaub zum FSV Martinroda in die Oberliga – vorerst bis zum 30. Juni dieses Jahres. Im Interview spricht Vogt über die für ihn turbulenten Tage.

Am vergangenen Donnerstag erstes Training, am Sonnabend gegen Sangerhausen gleich über die volle Zeit ein erstes Testspiel und sogar ein Tor. Sind Sie zufrieden mit Ihrem Einstand?

Dafür, dass es erst eine Trainingseinheit mit der Mannschaft gab, lief es recht gut, ich bin zufrieden.

Wieso sind Sie und Jan Roschlaub gerade in Martinroda gelandet?

Wir wollen beide in diesem Jahr noch unser Abitur erfolgreich abschließen, sind am Sportgymnasium in Erfurt in einer Klasse. Deshalb war in erster Linie wichtig, Fußball und Schule gut kombinieren zu können. Das hieß, wir brauchten einen Verein, der nicht so weit weg liegt. Dann ist Robert Fischer auf uns zugekommen, weil die Entfernung halt stimmt – hat auch gepasst. Hier spielen viele Erfurter, auch dass wir mit einem Kleinbus zum Training und den Spielen zwischen Erfurt und Martinroda pendeln können, ist praktisch.

Gab es auch noch andere Überlegungen?

Wir haben beide überlegt, was ginge. Jan stammt aus Rudolstadt, hatte überlegt, dort hinzugehen, aber die Anbindung von Erfurt nach Rudolstadt ist für Schule und Fußball dafür zu kompliziert. Für mich wäre das nichts gewesen. Ich hatte auch eine Anfrage aus Arnstadt vom dortigen Trainer. Letztendlich haben wir uns aber beide für Martinroda entschieden. Es musste ja sehr schnell entschieden werden. Auch sportlich ist die Oberliga momentan die richtige Liga.

Wie haben Sie die Einstellung des Spielbetriebs beim FC Rot-Weiß miterlebt?

Es kam für uns alle überraschend. Es sah ja zunächst gut aus, als die Investoren einsteigen wollten. Dass es nun so endete, war schon krass.

Wann haben Sie vom Aus erfahren?

Mittwoch, am Nachmittag. Dann musste es sehr schnell gehen, weil ja die Wechselperiode in Deutschland am 31. Januar, also letzten Freitag, endete. Zwei Tage Zeit, einen Verein zu finden. Fast alle Spieler haben das irgendwie geschafft, einige sogar wieder in der Regionalliga, das freut mich für sie natürlich. Wer aber gerade verletzt war, für den war es umso schwerer.

Sie waren beide im vergangenen Jahr verletzt, wollten gerade wieder bei Rot-Weiß angreifen. Jan Roschlaub zog sich im April einen Fußbruch zu, fehlte acht Monate. Sie hatten sich im Herbst auch schwerer verletzt. Was war es bei Ihnen?

Ich hatte mir Ende Oktober in Fürstenwalde schon in der ersten Halbzeit im rechten Sprunggelenk ein Band gerissen, zwar durchgespielt, musste dann aber operiert werden. So war ich elf Wochen raus. In der Wintervorbereitung bin ich bei Rot-Weiß guter Hoffnung ins Training eingestiegen, war wieder voll im Mannschaftstraining und hatte mich auf das Comeback gefreut.

Nun sind Sie erst einmal in Martinroda gelandet. Mit welchem Ziel?

Es ist für mich wichtig, Spielpraxis zu bekommen, mich weiterzuentwickeln und zu zeigen, was ich kann.

Auf welcher Position möchten Sie für Martinroda gern spielen?

Im zentralen Mittelfeld. Es wird sich noch ergeben, was der Trainer für Formationen plant, wohl fühle ich mich im zentralen oder offensiven Mittelfeld, dort habe ich in Erfurt und auch in der Jugend immer gespielt.

Wo liegen Ihre Stärken?

Ich habe eine gewisse Abschlussstärke, bin kopfball- und zweikampfstark. Und als Schwäche würde ich vielleicht die Schnelligkeit nennen.

Haben Sie sich schon einen Eindruck von Ihrer neuen Mannschaft machen können?

Dafür war die Zeit zu kurz. Ein Training und ein Spiel reichen dafür nicht aus. Aber ich bin sehr gut aufgenommen worden, und einige Leute kenne ich ja auch noch aus gemeinsamen Erfurter Tagen.

Wen besonders?

Enes Hoppe zum Beispiel, und in der Erfurter U19 spielte ich auch mit Franz Wiegel zusammen. Zuletzt war ich mit ihm und Jan Roschlaub im Januar hier. Wir verloren gegen die Martinrodaer Männer 1:5. Ich habe das Ehrentor zum 1:2 erzielt. Mit Jannis Zimmermann habe ich zwar nie zusammen, aber gegeneinander gespielt, und ihn kenne ich aus meiner Schulzeit am Gymnasium in Mühlhausen.

Wo haben Sie eigentlich ihr Fußball-Einmaleins gelernt?

Ich bin in Mühlhausen geboren, stamme aus Bickenriede, angefangen habe ich dort, bin dann über Leinefelde 2014 in das Fußballinternat „Soccer City“ nach Lengenfeld unterm Stein gekommen, habe dort in der C-Junioren-Talentliga gespielt, dann 2017 den Landespokal und den Landestitel mit den B-Junioren des dortigen JFV Süd Eichsfeld geholt, bevor es zum FC Rot-Weiß in die U19-Regionalliga und März vergangenen Jahres in die Männer-Regionalliga ging.

Welche Ziele haben Sie perspektivisch?

Ich hab’ jetzt vorerst eine Vereinbarung bis zum Sommer hier in Martinroda, und danach wird man schauen, was passiert. Mit Martinroda den Klassenerhalt zu schaffen und in das Landespokalfinale zu kommen, das wäre natürlich auch was.

Aber die Fußballprofi-Karriere bleibt schon noch das Ziel?

Ich denke: Wenn man am Sportgymnasium ist, bei Rot-Weiß Erfurt höherklassig gespielt hat, sechs, sieben Mal in der Woche trainiert, dann möchte man seinen Weg auch zielstrebig weitergehen.

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