Ex-Eisenacher Koppe kann mit heutigem Handball nichts anfangen

Eisenach.  Was macht eigentlich ...?: Ex-Erstligahandballer des ThSV Eisenach Dirk Koppe arbeitet als Sozialpädagoge auf Rügen.

Beim Rathaus-Empfang der 1997er Aufstiegsmannschaft des ThSV schrieb sich 2017 auch Dirk Koppe ins Goldene Buch der Stadt  ein.

Beim Rathaus-Empfang der 1997er Aufstiegsmannschaft des ThSV schrieb sich 2017 auch Dirk Koppe ins Goldene Buch der Stadt  ein.

Foto: Birgit Schellbach

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„Er war ein technisch sehr gut ausgebildeter Spieler mit Stärken im Angriff, auf allen drei Kreispositionen zuhause, die Kreismitte war jedoch seine Stammposition“, beschreibt Rainer Osmann, der Aufstiegscoach des ThSV Eisenach des Jahres 1997 seinen Kreisspieler Dirk Koppe. Der Blondschopf sei ein sehr guter Mannschaftsspieler gewesen. „Und“, betont Osmann, „Dirk Koppe gehörte schon seinerzeit zu jenen Handballern, die vieles kritisch hinterfragt haben.“

Dirk Koppe, 1971 in Gera geboren, mit sieben Jahren bei der SG Dynamo Gera-Mitte mit dem Handball beginnend, wechselte zur 8. Klasse in das Nachwuchs-Leistungszentrum des SC Dynamo Berlin, der sich zu Wendezeiten in Blau-Weiß Spandau verwandelte. Im Jahr 1995 kehrte er nach Thüringen zurück, zu Zweitbundesligist ThSV Eisenach. Hier erlebte er glanzvolle sportliche Jahre, hier erblickten seine Söhne Paul (23) und Niklas (21) das Licht der Welt. „Die Stimmung in der Werner-Aßmann-Halle, die Verbundenheit der Menschen in Eisenach mit ihrer Mannschaft, das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb des Teams und – na klar – der Aufstieg in die 1. Handballbundesliga und die schon sensationell danach folgenden Klassenerhalte werde ich nie vergessen“, erklärt Dirk Koppe. An der Seite eines Titel Raduta zu spielen, davon schwärmt er noch heute. Mit Bernd Fichtner verbindet ihn eine besondere Freundschaft.

Unvergessenes Spiel gegen Bad Schwartau

Fest in der ThSV-Geschichte verankert ist der für den Ligaerhalt in der 1. Bundesliga eminent wichtige Auswärtssieg in Bad Schwartau. Der Rechtshänder Dirk Koppe zirkelte in Serie die Bälle von Rechtsaußen in den Kasten der Norddeutschen. „Die rechte Seite mit Robert Licu und mir funktionierte an diesem Tag prächtig“, erinnert sich Dirk Koppe. Unvergessen auch der Geburtstag an einer Raststätte. Kurz vor Mitternacht, nach einem Auswärtsspiel, befuhr der Mannschaftsbus eine Autobahnraststätte. Nur wenige Minute später rollte der voll besetzte Fanbus heran. Um 0.00 Uhr wurden Gesänge angestimmt. Dirk Koppe hatte Geburtstag.

Eine schwere Knieverletzung beendete im Jahr 1999 seine leistungssportliche Laufbahn. „Ich habe vollends mit dem Thema Handball und Leistungssport abgeschlossen“, unterstreicht Koppe dieser Tage. „Ein Luftwechsel und ein Neuanfang“, umschreibt er den Umzug mit der Familie aus der Wartburgstadt auf die Insel Rügen. Seine damalige Partnerin, aus Anklam stammend, bekam ein gutes Angebot eines Hotels auf der Insel Rügen. Dirk Koppe schloss 2001 sein Studium zum Sozialpädagogen erfolgreich ab und stieg auf der Insel ins Berufsleben ein. Derzeit betreut er rund um die Uhr eine Wohngruppe der Arbeiterwohlfahrt in Binz. Als eine der Folgen seiner Karriere in der Kontaktsportart Handball, seit März dieses Jahrs trägt er ein neues Kniegelenk. Auch die Hüfte wurde bereits erneuert. Er bringt viel Zeit in der Physiotherapie zu. Mit der Physiotherapeutin ist er inzwischen liiert.

Handball sei zum Geschäft mutiert

„Ich schaue zwei Mal im Jahr, in welcher Liga und auf welchem Platz der ThSV Eisenach rangiert“, erklärt Dirk Koppe. Der heutige Handball sei nicht mehr seiner. „Der Leistungssport Handball ist zu einem reinen Geschäft mutiert. Ein Wirtschaftsunternehmen, in dem die Zahlen stimmen müssen“, argumentiert der ehemalige Erstbundesligaspieler. „Wertgeschätztes verschwindet“, fügt er an. Auch im Fernsehen verfolgt er nur selten Handball. Aussagen zum Handball der Gegenwart könne er nicht treffen. „Am Kreis sind inzwischen völlig andere Typen unterwegs. Ich habe Hochachtung vor jenen, die das machen und sich der Masse an Spielen aussetzen.“ Überhaupt, Sport im Verein habe leider seine Anziehungskraft verloren. Dirk Koppe fügt ein Beispiel von der Insel Rügen an. Als sein Sohn im örtlichen Fußballverein am Ball war, hatte er zwischenzeitlich sogar mal die Torhüter trainiert. Auf dem nach vielen Anläufen und Bemühungen entstandene Kunstrasenplatz tummeln sich nun die Urlauber, weil es an Fußballern für den ortsansässigen Verein mangelt.

Gern sei er vor drei Jahren zum Aufstiegsjubiläums-Treffen des ThSV Eisenach in die Wartburgstadt gekommen. Das Treffen mit der Mannschaft des Jahres 1997 einschließlich Betreuern und Helfern ließ Erinnerungen an die Handball-Glanzzeit von Dirk Koppe aufleben. Aber das ist für ihn alles längst Geschichte. Seinen ganz persönlichen Handballordner hat er schon 1999 geschlossen. Bei einem erneuten Treffen der Helden von einst, vielleicht im Jahr 2022, würde er bestimmt wieder in die handballbegeisterte Kleinstadt unter der Wartburg kommen.

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